"Es gibt eben auch mal schlechtere Spiele"

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„Das Ergebnis tut natürlich weh, wir haben uns den Jahresabschluss ganz anders vorgestellt. Aber wenn wir es richtig einordnen, können wir das Jahr trotzdem positiv abschließen.“

Die Betonung in dieser Einschätzung von Sebastian Prödl liegt wohl auf „richtig einordnen“.

Das 0:3 gegen die Elfenbeinküste im ersten Länderspiel auf der Linzer Gugl seit 1997 trübt zwar die ÖFB-Jahresbilanz ein wenig, entwertet die Fortschritte der ersten zwölf Monate unter Teamchef Marcel Koller jedoch keineswegs.

„Wir haben gewusst, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen“, erklärte der Schweizer, der sein Personal zum Jahresausklang kräftig durchgemischt und die Startelf im Vergleich zum 4:0 gegen Kasachstan an sieben Positionen verändert hatte.

„Hoffe, dass nicht alles schlechtgeredet wird“

Dabei stieß das Nationalteam gegen einen ebenfalls nicht in der Einser-Garnitur antretenden Kontrahenten an seine Grenzen.

„Wir haben es nicht geschafft, gegen diesen Gegner zu bestehen. Es war eine verdiente Niederlage. Wir haben gewusst, dass wir mit dieser jungen Mannschaft immer wieder Rückschläge hinnehmen müssen. Das war heute so ein Tag. Ich hoffe, dass jetzt nicht alles schlecht geredet wird, es war nur ein Freundschaftsspiel“, meinte Marc Janko, der den 90 Minuten auf der Bank sitzenden Christian Fuchs als Kapitän vertrat.

Nicht zum ersten Mal in diesem Länderspiel-Herbst entpuppte sich die Chancenverwertung als eines der Hauptprobleme.

„Wenn man die erste Halbzeit positiv sieht, haben wir sicher fünf Möglichkeiten gehabt“, resümierte Koller, „wir haben aber viel zu ungenau gespielt. Wenn wir Möglichkeiten hatten, haben wir den Ball dem Gegner in die Füße gespielt oder Abspielfehler gemacht. Dann ist es natürlich schwierig, vor das Tor zu kommen.“

Kein Killerinstinkt, schwaches Passspiel, schlechtes Pressing

Wenn es doch gelang, fehlte der Killerinstinkt. „Zwei Tore kann ich machen, vielleicht sogar mehr. Das nehme ich auf meine Kappe“, ärgerte sich Janko, der unmittelbar vor dem 0:1 eine große Chance auf die rot-weiß-rote Führung ausließ: „In dieser Szene hat der Tormann überragend gehalten. Normalerweise ist ein Ball gegen die Laufrichtung meistens drin.“

„Wenn man in Führung geht, ist es immer ein anderes Spiel, als wenn man einem Rückstand hinterherläuft, deswegen war der Spielverlauf enttäuschend“, fasste Emanuel Pogatetz zusammen.

Österreich hatte fraglos die eine oder andere Chance, so richtig konnte man an die unter Koller gewohnten Tugenden jedoch von Anfang an nicht anschließen.

„Wir haben unser Passspiel nicht so aufziehen können, haben unnötige Fehler gemacht, waren nicht so ballsicher wie gewohnt und haben auch nicht so ein starkes Pressing absolviert wie in den letzten Spielen. Dadurch sind wir ziemlich unter Druck gekommen, sind dem Ball die meiste Zeit nur nachgelaufen“, monierte Florian Klein.

Stammelf als „Sieger“

Gelungene Aktionen gab es wenige, vor allem Angriffe über die Flanken blieben Mangelware. Was vor der Pause schon nicht allzu gut aussah, besserte sich nach Wiederanpfiff keineswegs. Nach dem schlimmen Patzer von Goalie Heinz Lindner, der zum 0:2 durch Didier Drogba führte, war die Luft endgültig draußen.

„Über die zweite Hälfte brauchen wir nicht reden, wir haben nicht mehr nach vorne gespielt“, meinte Aleksandar Dragovic. Martin Harnik fand: „Nach der Pause haben wir den Faden verloren.“

Als „Sieger“ konnte sich so gesehen der herkömmliche Stamm der ÖFB-Elf betrachten. Die meisten Nachrücker wie Christoph Leitgeb, Jakob Jantscher, Markus Suttner oder eben Lindner brachten keine allzu gute Leistung, wobei fairerweise erwähnt sei, dass es in einem nicht funktionierenden und eingespielten Kollektiv schwierig ist, individuell zu glänzen.

Dass Koller diesmal in größerem Stil als gewohnt personelle Alternativen probierte, ist dennoch legitim. Erstens sind Testspiele wie dieses dafür da, noch dazu wo der „erste Anzug“ zuletzt bereits relativ gefestigt wirkte. Dass bei einer völlig durcheinandergewirbelten Mannschaft die Automatismen nicht wie gewohnt greifen, ist nicht unverständlich.

„Es gibt eben auch mal schlechtere Spiele“

„Es ist nicht so, dass man mit elf Spielern eine ganze Qualifikation spielen kann. Nach zwei Gelben Karten ist man gesperrt, es gibt Verletzungen. Wir wollen jede Position doppelt besetzt haben und Spielern die Möglichkeit geben, sich zu beweisen. Es gibt eben auch einmal schlechtere Spiele“, verdeutlichte Koller.

Möglicherweise schadet es auch nicht zu merken, dass das ÖFB-Team noch nicht so weit ist, wie mancher glaubt. Der Teamchef fand so gesehen auch „positive“ Erkenntnisse, zum Beispiel den Lerneffekt: „Gerade wenn man ein Spiel verliert, kann man sehr viel rausnehmen und analysieren. Wir müssen uns steigern, um weiter zu kommen. Dafür brauchen wir hundert Prozent in jeder Beziehung. Ich hoffe, dass wir das ab Februar umsetzen können.“

In knapp drei Monaten folgt das Gastspiel in Wales. Ab dann gilt es auf den Fortschritten des Jahres 2012 aufzubauen. Prödl: „Wir können das Jahr ganz positiv abschließen – nicht vom Spiel gegen die Elfenbeinküste sondern von den Gedanken her und positiv in die Zukunft schauen.“

Möglicherweise ein gutes Omen zum Abschluss: Das bis zu diesem Match letzte Gastspiel in Linz vor 15 Jahren ging gegen Slowenien 0:2 verloren, in den Monaten danach schaffte Österreich die WM-Qualifikation

Peter Altmann/Bernhard Kastler/Andreas Terler/Martin Wechtl

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