Lindner: "Das schmerzt am meisten"

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Das Stadion war ausverkauft. Und dennoch war er in diesem Moment ganz alleine.

Heinz Lindner lag am Boden. Die Hände bedeckten das Gesicht. Er konnte es nicht fassen. 

Keinen schmerzte die 0:3-Niederlage des ÖFB-Teams gegen die Elfenbeinküste so sehr wie den Tormann der Wiener Austria. Es passierte in der 61. Minute.

Didier Drogba, Superstar der ivorischen Gäste und keine zwei Minuten am Feld, zog aus etwas mehr aus 20 Metern ab. Die eigentlich dankbare Aufgabe wurde zum Albtraum für Lindner. 

Entschuldigung bei Team und Fans

Der Keeper konnte das Leder, das zentral und nicht gerade scharf auf das Gehäuse kam, nicht bändigen und musste den Aufsetzer passieren lassen.

"Es tut mir für die Mannschaft und für die Fans wahnsinnig leid. Durch dieses Tor hatten wir keine Chance mehr, das Spiel zu drehen", erklärte der 22-Jährige nach dem Schlusspfiff tief enttäuscht.

Zumal dem ivorischen Superstar eben ein verhältnismäßig bescheidener Schuss zum Torerfolg verhalf. 

"Normalerweise schießt er besser, dieses Mal hat es leider so auch gereicht", musste Lindner mit traurigem Gesicht feststellen. Der Torhüter konnte bei den anderen beiden Treffern nichts ausrichten, ließ sich sonst nichts zu Schulden kommen, doch diese Szene vermieste ihm den ganzen Abend.

"Den Ball habe ich von zehn Mal neun Mal, leider dieses Mal nicht", wusste Lindner, der auch auf Spurensuche ging: "Ich habe ihn anscheinend ein bisschen falsch berechnet, er hat eine komische Flugkurve gehabt. Das soll keine Entschuldigung sein, den Ball kann ich trotzdem normal halten." 

Kein Vorwurf der Kollegen

Die Kollegen machten ihrem Torhüter keinen Vorwurf, unterstützten ihn vielmehr, wie Ex-Austria-Kollege Aleks Dragovic: "Der Platz war nicht gerade der beste. Der Ball ist vielleicht auch dumm aufgesprungen, aber egal. So ist der Fußball, solche Fehler können passieren." 

Doch Lindner wusste es besser: "Es ist halt sehr unglücklich, dass es gerade diesmal passiert ist."

Zum einen, weil ihm dieser Fauxpas ausgerechnet in seiner Heimatstadt Linz passierte. Zum anderen, weil er seine große Chance, sich im Team ins Rampenlicht zu spielen, ausließ.

Ersteres konnte der in Kleinmünchen aufgewachsene Ex-LASK-Goalie noch verkraften: "Es sollte mir nirgends passieren, egal ob in Vorarlberg, in Kärnten oder Tirol. Es ist wurscht, dass es hier passiert ist."

"Genau, als ich die Chance erhalten habe"

Zweiteres schon weniger. Schließlich war es sein zweites Länderspiel nach dem 3:2 gegen die Ukraine im Juni und die Möglichkeit, Robert Almer den Platz an der Sonne streitig zu machen.

Der Steirer, der bislang alle drei WM-Quali-Spiele ohne Spielpraxis aber auch ohne Fehler absolvierte, ist in Düsseldorf Reservist, Lindner bei Tabellenführer Austria unangefochtene Nummer eins.

Vor dem Spiel sprach Lindner von einer Krönung, als Linzer vor seiner Familie und Verwandten für das Nationalteam zu spielen. Die Krönung zur Nummer 1 im kommenden Jahr verabsäumte der Oberösterreicher wohl mit dieser Szene.

"Das war natürlich bitter, dass der Fehler genau passiert ist, als ich die Chance erhalten habe - das schmerzt mich am meisten", sprach Lindner diesen Umstand offen an. 

Professioneller Umgang

"Es ist so, dass ich heute viel vorgehabt habe, und dass das eigentlich alles nicht aufgegangen ist. Es war eine undankbare Partie für mich."

Doch trotz verhältnismäßig jungen Alters, weiß der Keeper auch richtig mit der Situation umzugehen. "Es bringt jetzt nichts, Trübsal zu blasen. Fehler sind menschlich, die macht jeder. Ich werde natürlich versuchen, daraus zu lernen."

Die Mitspieler halfen noch am Feld. "Sie haben mich gleich wieder aufgebaut und gesagt: Kopf hoch, das passiert jedem mal. Ich bin ihnen sehr dankbar dafür."

Koller hilft Lindner auf

Auch der Teamchef half seinem Schützling.

„Das weiß Heinz selbst am besten, dass er den halten muss. Das ist ein junger Torhüter. Das kann immer wieder passieren. Da heißt es: Es muss weitergehen. Du musst daraus lernen. Unser Torwart-Trainer wird das mit ihm besprechen. Das sind alles Erfahrungen."

Diese Erfahrung hätte Lindner an diesem Abend lieber nicht gemacht. Nicht an diesem Ort. Dort, wo alles begann, wie er selbst sagte. Nicht in diesem Match, in dem er eine große Chance letztlich wegen einer Sekunde ungenützt ließ.

"Dass es mir heute passiert ist, ist blöd. Es wird mir sicher auch noch öfters passieren – aber schade, dass es genau heute war…"

 

Bernhard Kastler / Peter Altmann / Andreas Terler / Martin Wechtl

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