Wer A sagt, muss nicht B sagen

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"Gut, wenn sich die Spieler nicht zu sicher sind"

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Christoph Leitgeb war einmal unumstrittener Stammspieler des Nationalteams.

Vor allem unter Teamchef Josef Hickersberger war der Blondschopf von 2006 bis 2008 nicht aus der Startelf wegzudenken.

Seit November 2008, also in den vergangenen vier Jahren, bestritt der 29-fache Internationale jedoch nur magere fünf Länderspiele. Darunter zuletzt zwei Kurzeinsätze unter Marcel Koller gegen die Türkei und Kasachstan.

Im Test gegen die Elfenbeinküste soll der Salzburg-Kicker wieder ein wenig länger Nationalteam-Luft schnuppern.

Leitgeb bekommt Einsatzzeit

„Der Teamchef hat gesagt, dass ich eine Halbzeit spielen werde“, erklärt Leitgeb, der fest entschlossen ist, sich in der ÖFB-internen Hackordnung wieder weiter nach oben zu kämpfen.

„Das Wichtigste ist, dass ich wieder Spaß habe, das war unter Constantini nicht so der Fall. Unter Koller habe ich wieder Spaß“, erklärt der 27-Jährige.

Mit Didi Constantini war das Tischtuch zerschnitten, nachdem ihn dieser im September 2010 beim Auftakt in die EM-Qualifikation gegen Kasachstan ausgerechnet in Salzburg auf die Tribüne verbannt hatte. „Dann ist es irgendwie auseinander gegangen“, erinnert sich Leitgeb.

Der gebürtige Steirer zählt also zu jenen Akteuren, die das Kräftemessen mit Didier Drogba und Co. für Werbung in eigener ÖFB-Sache nutzen wollen.

„Es ist kein Wunschkonzert“

Aleksandar Dragovic könnte ein anderer sein. Der Schweiz-Legionär zog zuletzt im beinharten Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung den Kürzeren.

„Sebastian Prödl und Emanuel Pogatetz haben bislang sehr gut miteinander gespielt, das haben sie sich auch verdient. Ich muss auf meine Chance warten und kann nur meine Leistungen bei Basel bringen“, zeigt sich der 21-Jährige geduldig.

Auch Franz Schiemer, ein fixer Bestandteil der Ära Constantini, ist unter Koller bislang noch wenig zum Zug gekommen – ausschließlich in dessen ersten beiden Länderspielen in der Ukraine und gegen Finnland.

„Es ist kein Wunschkonzert, zumal wir auf meiner Position viele sehr gute Spieler haben“, erklärt der Salzburg-Allrounder, „der Konkurrenzkampf ist enorm, aber es ist auch schön, dass wirklich alle bei ihren Vereinen Top-Leistungen bringen. So kann man sicherlich in eine positive Zukunft blicken.“

Den Konkurrenten im Nacken

Dies tut sicherlich auch Koller, dem es im ersten Jahr seiner Amtszeit gelungen ist, einen festen Kader zu formen. Das interne Positionsgerangel bewertet der Schweizer naturgemäß wohlwollend:

„Das ist natürlich das Ziel eines jeden Trainers. Wenn du nur zwölf oder 13 Spieler hast, die sich zu sicher sind, lässt man nach. Wenn du spürst, dass dir einer im Nacken sitzt, der auch gute Qualitäten hat und ebenfalls spielen könnte, dann holst du ein paar Prozente mehr heraus.“

Wichtig ist dem 52-Jährigen jedoch, dass das Feilschen um einen Platz in der Startelf in einer kollegialen Atmosphäre abläuft: „Es ist eine Gruppe, die gut harmoniert, die sich aber auch untereinander Druck macht.“ Eine Unterteilung in A- und B-Team lehnt er strikt ab, jedes Kadermitglied genieße sein Vertrauen.

„Natürlich beschäftige ich mich mit dem Ausland im nächsten Jahr, aber man muss abwarten, was kommt. Ich gehe nicht blind ins Ausland, es muss schon alles passen“, betont der Grazer.

Dragovic wiederum will innerhalb des Auslands die nächste Stufe der Karriereleiter erklimmen. „Mein Ziel ist es, im Sommer zu wechseln. Ich fühle mich zwar sehr wohl in Basel, aber ich muss den nächsten Schritt machen. Im Winter wechsle ich sicher noch nicht, denn vorher will ich noch einmal Meister werden.“

Die Wunschdestination des Wieners ist klar: „Deutschland ist für mich die Nummer eins, wenn man die Stadien sieht, ist es sicherlich das Beste, aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Man muss schauen, was kommt, dann genau bewerten und entscheiden.“

Sollte der Sprung zu einem Top-Klub gelingen, könnte dies auch im rot-weiß-roten Personalpoker ein zusätzlicher Trumpf sein…

Peter Altmann/Bernhard Kastler

Anders als DFB-Teamchef Joachim Löw musste Koller für dieses Freundschaftsspiel auch keine Absage in Kauf nehmen. Das spricht einerseits dafür, dass kein Spieler im internen Positionskampf an Terrain verlieren möchte, zeugt andererseits aber auch von der guten internen Stimmung.

„Das Raunzen ist weg“

„Ich habe den Spielern in einer Besprechung gesagt, dass ich das Gefühl habe, dass sie sehr gerne zum Nationalteam kommen, der Teamgeist auch gelebt wird und das nicht nur Lippenbekenntnisse sind“, erörtert Koller.

Das Thema Stimmung ist dem Eidgenossen ohnehin ein wichtiges – nicht nur kaderintern, sondern auch die Öffentlichkeit betreffend. Immer wieder betonte er in der Vergangenheit, dass es das „zarte Pflänzchen“, gemeint ist die Verbindung mit den Fans, zu hegen und zu pflegen gelte.

Entsprechend zufrieden nahm er zur Kenntnis, dass am Montagabend rund 1000 Fans dem Training beiwohnten. Für ihn ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Stimmung rund um das Nationalteam gedreht hat.

„Als ich vor gut einem Jahr angefangen habe, habe ich das Wort ‚raunzen‘ zum ersten Mal gehört“, berichtet Koller, „inzwischen habe ich festgestellt, dass das Raunzen weg ist. Alles ist viel positiver. Wenn ich unterwegs bin, halten die Leute die Daumen hoch, es gibt Unterstützung. Dass die Tribüne in Pasching rappelvoll war, passt ins Bild. Es ist eine Freude zu sehen, dass das Team bei den Fans einen Wert hat.“

Legionäre gegenüber Bundesliga-Kickern im Vorteil

Gleichzeitig betont der ÖFB-Chefcoach jedoch, dass der Weg noch lange nicht abgeschlossen sei. Nachdem sowohl das offensive als auch defensive Grundkonzept stehen würden, ginge es jetzt in die „Detailarbeit, und die ist schwieriger. Es ist intensiver, die kleinen Dinge zu korrigieren.“

Dafür braucht es logischerweise auch das bestmögliche Spielermaterial. Inzwischen ist längst jedermann aufgefallen, dass die Schere zwischen Legionären und Bundesliga-Spielern immer weiter auseinander geht, die „Fremdarbeiter“ deutlich im Vorteil sind.

„Wir wollen im Nationalteam die besten Spieler dabei haben. Wenn die Besten in der österreichischen Liga spielen, greifen wir auf sie zurück“, übt sich Koller in dieser Frage in allerhöchster Diplomatie.

Der Trend geht jedoch eindeutig dahin, dass man in Zukunft immer höherklassiger im Ausland spielen muss, um sich für das Nationalteam in Stellung zu bringen. Ein Umstand, den wohl auch die Spieler selbst im Hinterkopf haben.

Dragovic: „Mein Ziel ist es, im Sommer zu wechseln“

Leitgebs Vertrag in Salzburg läuft kommenden Sommer aus. Mit dann 28 Jahren ist es wohl seine letzte Gelegenheit, den Sprung in eine andere Liga zu wagen.

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