ÖFB-Elf plagen vor Brasilien-Spiel Personalprobleme

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„Samba, Meer, lockere Atmosphäre, lockere Menschen, viel Freude, viel Spaß. Ein schönes Land.“

Marcel Koller fällt einiges ein, wenn er spontan an Brasilien denkt. Bei der WM befand er sich ja bekanntlich auf Spionagetour im Land des Rekordweltmeisters.

Bei einem Blick auf die aktuelle Personalsituation in seinem Kader kommen dem ÖFB-Teamchef wohl weniger positive Gedanken in den Sinn.

„Wir haben Probleme“, berichtet der Schweizer und tatsächlich wird man kreativ sein müssen, um im LAOLA1-Teamchef die richtige Anfangsformation für das Testspiel gegen die Selecao zu erraten.

Mit Aleksandar Dragovic, Martin Hinteregger, Florian Klein, Christoph Leitgeb und Zlatko Junuzovic sind gleich fünf Mitglieder der Startelf des Russland-Spiels fraglich, sie kämpfen allesamt mit den körperlichen Nachwehen des 1:0-Siegs am Samstag.

„Vor Dienstagmittag wissen wir nicht Bescheid, wer auflaufen kann“

Marc Janko ist bereits nach Australien zurückgereist. Definitiv kein Thema ist auch in dieser Partie Julian Baumgartlinger, der wegen seiner Sehnenreizung im Knie am Dienstagvormittag das ÖFB-Camp in Richtung Mainz verlassen wird.

„Wir hoffen, dass es nichts Gröberes ist und er bald wieder für Mainz spielen wird“, erklärt Koller.

Wer gegen Brasilien auflaufen kann, wird also auch von der medizinischen Abteilung mitentschieden. Der Teamchef möchte noch das Abschlusstraining und das Aktivieren am Matchtag abwarten.

„Ich denke, es wird ähnlich wie beim letzten Spiel sein, dass wir kurzfristig entscheiden müssen. Vor Dienstagmittag wissen wir sicher nicht Bescheid, wer auflaufen kann. Grundsätzlich will jeder dabei sein. Ich hoffe, dass die Spieler mir auch in die Augen schauen, nicht nur auf Brasilien achten und wir dann nicht Vollgas geben können. Es wird wichtig sein, dass nur die Gesunden auf dem Platz stehen“, stellt Koller klar.

Junuzovic will fit werden

Gut möglich also, dass vor allem die Abwehr ein komplett neues Gesicht haben wird, sofern die Stammkräfte nicht rechtzeitig fit werden.

Rubin Okotie, Goldtorschütze der letzten beiden Qualifikations-Partien, dürfte Janko im Angriff ersetzen. Dahinter versucht Junuzovic alles, um auflaufen zu können: „Ich habe einen Schlag auf die Wade abbekommen. Es fühlt sich so an, als wäre ein richtiger Brocken drinnen. Aber trainieren wird schon gehen. Ich versuche, das rauszulaufen.“

Generell ist anzunehmen, dass Koller auf Vereins-Interessen Rücksicht nehmen und im Fall der Fälle nichts riskieren wird. Zudem hat der Eidgenosse angekündigt, sein Kontingent von sechs Wechseln voll auszuschöpfen.

Spätestens im Laufe der Partie könnte sich also die Chance für einige Kadermitglieder ergeben, die zuletzt wenig Einsatzzeit bekommen haben.

Chance für Weimann?

Zum Beispiel Andreas Weimann, der 2011 bei der U20-WM in Kolumbien bei einer 0:3-Niederlage bereits Erfahrungen gegen Brasilien gesammelt hat (Mit Oscar, Willian, Danilo, Casemiro und Coutinho stehen fünf Gegner von damals im aktuellen Aufgebot). Im A-Team läuft er weiterhin seinem Premieren-Tor hinterher.

 



„Es geht nicht ums Lernen, weil die Jungs selber gut Fußballspielen können“, betont der 54-Jährige, „wir wollen nicht nur zugucken und zuschauen. Wir wollen schon auch unser Spiel spielen und zeigen, dass wir gut drauf sind. Aber in der einen oder anderen Situation, vielleicht auch erst in der Nachbetrachtung, kann jeder Spieler etwas für sich mitnehmen: Wo kann ich mich verbessern? Was hat ein Spieler, der Weltklasse ist, drauf?“

Im Idealfall sollen sich die ÖFB-Kicker im Gedächtnis der brasilianischen Spieler, die außer dem verletzten David Alaba nur wenig mit ihren rot-weiß-roten Kontrahenten anfangen können, verewigen:

„Sie sagen ja selbst, sie kennen keinen unserer Spieler. Ich hoffe, dass sie nach dem Spiel den einen oder anderen von uns kennen.“

Peter Altmann

„Er ist nach wie vor ein junger Spieler, der sich noch weiterentwickeln muss. Im Team hat er noch kein Tor gemacht, hat bis jetzt aber auch nicht so viele Möglichkeiten von Anfang an bekommen. Bei Aston Villa ist er auch nicht der Topscorer. Ab und zu schießt er eines, er muss dort aber sehr viel Defensivarbeit verrichten“, meint Koller.

Als ob ein Gegner wie Brasilien nicht ohnehin Motivation genug wäre, geht es für die ÖFB-Elf auch darum, das Länderspiel-Jahr 2014 ohne Niederlage zu beenden. Zuletzt hat Rot-weiß-Rot dies 1996 geschafft. Zudem wäre Österreich weltweit das einzige Nationalteam ohne Niederlage in diesem Kalenderjahr.

„Mutig und frech sein“

Der Teamchef fordert von seinen Schützlingen, dass sie sich etwas zutrauen müssen, um dieses Ziel zu erreichen:

„Wenn man sich die Video-Sequenzen anschaut, ist das schon Weltklasse, was Brasilien bietet. Ich habe dem Team jedoch gesagt, dass es wichtig ist, nicht zu erstarren. Die Jungs können Selbstvertrauen haben, sie haben neun Spiele nicht mehr verloren, sind Tabellenführer in unserer Gruppe. Das sollen sie dementsprechend auf den Platz bringen, mutig und frech sein, etwas riskieren, versuchen den Ball zu verteidigen. Das werden Schlüssel sein, um auch nach vorne zu kommen.“

Zieht man den einen oder anderen Angriff durch, sei Kaltschnäuzigkeit gefragt: „Wir haben in jedem Spiel unsere Tormöglichkeiten. Gerade gegen so einen Gegner ist es notwendig, die erste Chance zu nützen. Gegen einen Top-Gegner kriegst du nicht sechs oder sieben Möglichkeiten. Wenn du eine hast, musst du zulangen und das Tor machen.“

Im brasilianischen Gedächtnis verewigen

Wichtig ist Koller zudem die Klarstellung, dass es in diesem Match nicht ausschließlich um die Lerneffekte geht, sollte dies bei seiner Nachbetrachtung des Russland-Spiels so rübergekommen sein.

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