Wimmer: "Für einen Fußballer gibt es nichts Größeres"

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Manchmal kann auch das zweite Länderspiel eine Art Debüt sein.

Als ÖFB-Premiere von Kevin Wimmer wird für immer das 1:0 gegen die USA im November 2013 in den rot-weiß-roten Fußball-Geschichtsbüchern auftauchen. Damals durfte der Köln-Legionär jedoch nur eine Minute lang Länderspiel-Luft atmen.

So gesehen war das 1:1 gegen Bosnien-Herzegowina seine erste echte Bewährungsprobe als A-Teamspieler. Dementsprechend begeistert von dieser neuen Erfahrung präsentierte sich Wimmer nach Schlusspfiff.

„Für einen Fußballer gibt es nichts Schöneres, als für das eigene Land aufzulaufen. Dass ich vor heimischem Publikum in Wien in einem ausverkauften Happel-Stadion ran durfte, war für mich natürlich umso schöner. Ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind, als mir der Teamchef am Vormittag gesagt hat, dass ich von Beginn an spiele. Auf diese Chance habe ich geduldig gewartet und natürlich versucht, es so gut wie möglich umzusetzen. Aber natürlich ist es noch einmal ein Stück besonderer, wenn man für das eigene Land spielt und auch wirklich über 90 Minuten ran darf“, freute sich der 22-Jährige.

„Für den Teamchef gab es nicht viele Gründe, hinten umzustellen“

Geduldig ist das richtige Stichwort. Wimmer überzeugte Teamchef Marcel Koller im Spanien-Trainingslager unmittelbar nach der verpassten WM-Qualifikation. Seither ist der Innenverteidiger stets mit dabei, aber nie wirklich mittendrin.

So gesehen war es höchste Zeit, den Ernstfall zu testen. Ein freundschaftliches Kräftemessen wie jenes gegen Bosnien bot sich hierfür natürlich bestens an. Wimmer selbst zeigte Verständnis für die über einjährige Wartezeit zwischen seinen ersten beiden Länderspielen:

„Sicherlich wünscht man sich Einsätze, wenn man immer mit dabei ist. Aber für den Teamchef hat es in letzter Zeit nicht viele Gründe gegeben, hinten umzustellen, weil es ja wirklich gut gelaufen ist. Umso positiver ist das Gefühl, dass er mir jetzt die Chance gegeben hat. Ich habe versucht, ihm das Vertrauen zurückzuzahlen.“

Dies sollte gelungen sein, denn Koller fand lobende Worte über die Performance des künftigen Tottenham-Legionärs: „Er hat genauso gespielt, wie ich es von ihm schon in Köln gesehen habe. Am Ball ist er sehr ruhig, nicht hektisch. Er wechselt im Sommer nach England. Mit seinen jungen Jahren hat er noch Potenzial, sich zu steigern. Das hat er in sich.“

„Ich wollte nicht von Beginn an das Spiel zerreißen“

Wimmer spielte die Partie trocken herunter, stand defensiv gut. In der Spieleröffnung war ihm jedoch anzumerken, dass er nicht das letzte Risiko sucht – kein untypisches Verhalten für Akteure ohne große Nationalteam-Erfahrung.

„Es ist auf jeden Fall sehr schnell gegangen. Letztens hat jemand zu mir gesagt, dass ich vor nicht einmal vier Jahren noch bei den LASK-Amateuren war, und dort war ich meistens nicht einmal im Kader. Im Fußball geht es oft wirklich sehr schnell. Dass es momentan so gut läuft, ist natürlich sehr schön für mich. Ich schätze das sehr und versuche mich natürlich weiterzuentwickeln“, versprach der gebürtige Welser, der im Sommer 2012 für eine Ausbildungsentschädigung von 200.000 Euro vom LASK nach Köln übersiedelte.

Inzwischen ist er einige Millionen Euro mehr wert. Wie ehrgeizig Wimmer ist, unterstreichen seine Fortschritte. Diese Entwicklung soll natürlich weitergehen. Am Tag der Erfüllung des ÖFB-Traums blieb jedoch auch ein wenig Zeit, das Erreichte zu genießen:

„Momentan ist natürlich eine Phase, in der man so etwas auch einmal genießt. Dieses Länderspiel ist etwas Großes für mich gewesen, weil man früher davon geträumt hat, wenn man es sich im Fernsehen angeschaut hat. Für mich persönlich gibt es für einen Fußballer nichts Größeres.“


Peter Altmann/Martin Wechtl/Jakob Faber/Alexander Karper

„Man besinnt sich auf seine Stärken. Ich wollte nicht von Beginn an das Spiel zerreißen, sondern wirklich Sachen machen, die ich kann, solide und fehlerfrei spielen. Ich wollte mich natürlich gut präsentieren“, erläuterte der Oberösterreicher seine persönliche Strategie.

Mit Edin Dzeko bot Bosnien-Herzegowina einen Star-Stürmer im Angriff auf, der ihm im Dress von Manchester City auch in der Premier-League über den Weg laufen wird – sofern sein so gut wie feststehender Wechsel zu Tottenham auch offiziell über die Bühne gehen wird.

„Man hat immer wieder gesehen, dass er ein sehr erfahrener Spieler ist. Er bringt seinen Körper gut zwischen Gegenspieler und Ball. Er macht es einem nicht einfach, ist zudem groß und robust“, beschrieb Wimmer die Stärken Dzekos.

„In der Innenverteidigung dürfen wir uns über die Besetzung nicht beklagen“

Alles in allem zeigte er sich mit der Defensivleistung zufrieden: „Im Großen und Ganzen haben wir das gut gemacht. Die Bosnier haben in der Offensive große Qualität. Wir haben jedoch gut verteidigt und über 90 Minuten nur zwei Torchancen zugelassen. Das Gegentor durch einen abgefälschten Schuss war sehr unglücklich.“

Sieht man sich die Altersstruktur in der ÖFB-Innenverteidigung an, dürfte ein Jahrzehnt voller interessantem Konkurrenzkampf warten. Wimmers direkter Konkurrent auf der linken Position im Abwehrzentrum, Martin Hinteregger, ist ebenfalls erst 22, ihr Nebenmann Aleksandar Dragovic 24. Mit seinen 27 Jahren ist Sebastian Prödl in diesem Quartett schon der Routinier.

„Ich glaube in der Innenverteidigung dürfen wir uns über die Besetzung nicht beklagen. Wir sind lauter sehr gute und junge Spieler, Basti ist auch immer sehr stark und bringt in Bremen konstant seine Leistungen. So etwas treibt uns nur nach vorne. Es weiß jeder, dass der Nächste da sein kann, wenn er sich zurücklehnt“, verdeutlichte Wimmer.

Die Feuertaufe an der Seite von Dragovic war aus Sicht des Kiew-Legionärs jedenfalls eine gelungene: „Wir haben gut harmoniert. Kevin ist ein sehr talentierter Spieler. Er braucht natürlich seine Spiele, um noch besser zu werden. Er hat seine Aufgabe aber gut gemeistert.“

„Früher hat man davon geträumt“

Neben dem bevorstehenden England-Transfer ist das erste Länderspiel über die volle Distanz für Wimmer die Krönung einer unglaublichen Entwicklung in den vergangenen zwei Jahren.

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