"Man kann nicht zur Tagesordnung übergehen"

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„Ich bin jetzt sechs Jahre Sturm-Trainer, aber so enttäuscht hat mich die Mannschaft noch nie.“

Franco Foda war sauer, richtig sauer.

Mit 2:4 musste Meister Sturm gegen Zweitliga-Schlusslicht Hartberg im ÖFB-Cup die Segel streichen – nach indiskutabler Leistung vor eigenem Publikum.

Der für gewöhnlich treue Grazer Anhang quittierte es mit deftigen Unmutsäußerungen. „Ihr solltet arbeiten gehen“, skandierte der harte Kern der Sturm-Fans auf der Nordtribüne minutenlang. In der zweiten Halbzeit wurde ein Plakat mit der Aufschrift „11 Hydranten raus, 11 Löwen rein“ enthüllt.

Foda zeigte Verständnis für das enttäuschte Publikum. Während sich seine Schützlinge bis auf einen relativ sprachlosen Rubin Okotie mit Wortspenden zurückhielten, fand der Deutsche klare Worte:

FRANCO FODA…

…ÜBER DIE LEISTUNG SEINER MANNSCHAFT:

Ein bitterer Moment, wenn man in einem Heimspiel solch eine riesige Chance auf das Halbfinale vergibt. Aber wir haben es nicht anders verdient, wenn man so in ein Spiel reingeht, wie wir uns vor allem in den ersten 45 Minuten präsentiert haben – ohne Einstellung, ohne Leidenschaft, ohne Herz. Das war Sturm unwürdig. Man kann sich eigentlich nur bei allen entschuldigen, so darf man sich nicht präsentieren als Bundesliga-Mannschaft, die im letzten Jahr Meister war. Eine riesige Enttäuschung…

…DARÜBER, WIE SEHR DIE ZWEI-MANN-UNTERZAHL AUSSCHLAGGEBEND WAR:

Das war ja am Ende. Vorher waren wir 85 Minuten in Gleichzahl, haben da viele Möglichkeiten nicht genutzt, waren im Abschluss total lässig. Wenn man schon nicht mit hundertprozentiger Einstellung in ein Spiel rein geht, ist es schwer, im Spiel etwas zu verändern. Ich habe dann den einen oder anderen Tausch vorgenommen, musste leider Milan Dudic auswechseln, weil er verletzt war, zudem einen Spieler, der nicht in der Lage war, über 90 Minuten zu spielen. Dann ist Dominik Pürcher verletzt ausgefallen und wir waren zwei Mann weniger – trotz allem: Wir haben von der Nummer eins im Tor bis ganz vorne – auch die Spieler, die reingekommen sind – zu wenig investiert. Deshalb haben wir es auch nicht verdient, dieses Spiel zu gewinnen.

…ÜBER DIE VERGEBENE EUROPACUP-CHANCE UND DIE AUSWIRKUNGEN AUF DIE LIGA:

Dieses Spiel können wir nicht gut machen. Es ist absolut enttäuschend, dass man sich derart präsentiert, wenn man so eine große Möglichkeit hat, ins Halbfinale einzuziehen. Da hat einfach zu viel gefehlt. Nichtsdestotrotz spielen wir am Samstag gegen Salzburg, da wartet wieder ein anderes Spiel. Wenn wir vorne dran bleiben wollen, müssen wir natürlich schauen, dass wir dieses Spiel gewinnen. Aber nach dem heutigen Spiel kann man nicht zur Tagesordnung übergehen. Das war einfach zu wenig. Auch alle Fans waren zu Recht sauer auf die Mannschaft und auf uns alle. So etwas darf nicht passieren…

…DARÜBER, OB ER KONSEQUENZEN ANDENKT:

Andreas Hölzl und Christian Klem waren verletzt. Spieler, die immer ihren Unmut äußern, dass sie nicht spielen, hatten die Möglichkeit zu zeigen, dass sie besser sind als die anderen, aber auch das war nicht der Fall. Keiner hat sich aufgedrängt. Ich sage immer: Die Wahrheit liegt am Platz, da kann man sich zeigen und beweisen. Das war bei allen nicht der Fall.

…ÜBER DIE PROBLEMATIK, DASS MAN NACH EINER ERFOLGSERLEBNIS WIE JENEM IN MATTERSBURG ABERMALS NICHT NACHLEGEN KONNTE:

Nochmals: Man darf einfach nicht mit solch einer Einstellung in ein Spiel gehen! Alle Mannschaften sind mittlerweile taktisch organisiert, alle Mannschaften können laufen – da muss man dagegen halten, und das haben wir nicht getan. Wir haben geglaubt, wir können mit weniger als 100 Prozent spielen, wollten in keinen Zweikampf gehen, haben uns geschont, waren nicht aggressiv genug, wollten nur Hacke, Spitze, eins zwei drei spielen.

…DARÜBER OB DIES EIN SPEZIELLES PROBLEM DES HARTBERG-SPIELS ODER EIN GRUNDPROBLEM DIESER SAISON SEI:

Heute war es speziell, aber auch generell: Es war ja schon in Mattersburg in der zweiten Hälfte zu erkennen, dass wir nach 2:0-Führung nicht konsequent weitergespielt haben. Der eine oder andere muss sich natürlich Gedanken darüber machen, dass es so einfach nicht funktioniert. Wir haben alle die Aufgabe, bis 31. Mai noch alles abzurufen und alles zu geben, und das war eindeutig zu wenig.

…DARÜBER, OB IHN DIES VERWUNDERE, DA ES FÜR DEN EINEN ODER ANDEREN SPIELER NOCH UM SEINE ZUKUNFT BEI STURM GEHT:

Natürlich. Auch da ist man etwas überrascht. Aber wie gesagt: Wenn man glaubt, man muss weniger machen, ist man fehl am Platz, dann hat man gegen keine Mannschaft der Welt eine Chance.

Aufgezeichnet von Peter Altmann

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