"Kult gegen Kohle"

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"Ich bin kein Fußball-Fan, sondern Sportklub-Fan"

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Für einen Abend weht in Dornbach wieder ein Hauch von großer Fußball-Welt.

Budget-Krösus Red Bull Salzburg, amtierender Meister und Cupsieger, beehrt am Freitag (20:30 Uhr) den alt-ehrwürdigen Sportklub-Platz.

Als „Kult gegen Kohle“ bezeichnet WSK-Präsident Udo Huber das Cup-Duell der krassen Gegensätze.

„Wahrscheinlich verdient der günstigste Salzburg-Spieler noch immer mehr als wir Jahres-Budget haben“, lacht der 57-Jährige, der einst als „Mr. Hitparade“ in ganz Österreich bekannt war und seit 2008 das höchste Amt beim Wiener Traditionsverein bekleidet.

Huber spricht aber im LAOLA1-Interview nicht nur über das vermeintliche „Spiel des Jahres“, sondern auch über die Zukunft seines Sportklubs.

LAOLA1: Herr Huber, am Freitag steigt das Cup-Duell gegen Red Bull Salzburg. Schlägt Ihr Herz als Sportklub-Präsident da höher als sonst?

Udo Huber: Ja, ich freue mich, dass wir mit Red Bull Salzburg ein gutes Los gezogen haben. Das Interesse an dieser Partie ist sehr groß. Die Salzburger bringen zwar nicht so viele Leute mit, aber die Menschen interessieren sich aufgrund der Veränderungen mit Rangnick und Schmidt sehr für dieses Spiel.

LAOLA1: Würden Sie sagen, dass es für den Sportklub das „Spiel des Jahres“ ist?

Huber: Das „Spiel des Jahres“ ist dann jenes, wo wir um den Meistertitel kämpfen (lacht).

LAOLA1: Die Begegnung mit Salzburg ist also wichtig, aber überbewerten wollen Sie sie auch nicht, oder?

Huber: Das werden wir dann Freitagabend sehen. Wenn wir Salzburg 5:0 schlagen, war es das „Spiel des Jahres“ (lacht). Nein, im Ernst: Wirtschaftlich gesehen ist das Los schon sehr gut. Es kommt wieder ein bisschen Geld in die Kassa.

LAOLA1: Mit wie vielen Zuschauern rechnen Sie?

Huber: Zugelassen sind knappe 6.000 Zuschauer, rechnen tun wir mit 3.000 bis 4.000 Leuten. Wir haben schon im Vorverkauf über 1.000 Karten an den Mann gebracht. So viele verkaufen wir normalerweise vorher nie.

LAOLA1: Das Duell Red Bull Salzburg gegen den Sportklub ist auch ein Duell der krassen Gegensätze. Wie groß wird der Kulturschock für die „Bullen“, wenn sie an die Alszeile kommen?

Huber: Dieses Duell ist für mich ein bisschen „Kult gegen Kohle“. Wahrscheinlich verdient der günstigste Salzburg-Spieler noch immer mehr als wir Jahres-Budget haben. Aber so ein Duell ist doch nett. So lernen die Salzburger auch einmal den ältesten Fußballplatz Kontinentaleuropas kennen.

LAOLA1: Sportlich dürfte aber nicht viel zu holen sein oder träumen Sie insgeheim von der großen Sensation?

Huber: Man kann da überhaupt nichts prophezeien. Die Salzburger sind statistisch gesehen der klare Favorit, sie müssten uns natürlich vom Platz schießen. Aber es gibt ja diese alte Geschichte, wonach sich Underdogs im Cup sehr oft hervortun. Ich erinnere nur an Blau-Weiß Linz, das Salzburg vor zwei Jahren mit 3:1 eliminiert hat.

LAOLA1: Welche Lösung streben Sie an?

Huber: Ziel wäre es für mich und die Fans, Kleinobst zu erhalten, also ein kleines, feines Stadt-Stadion. Vielleicht kann man es mit guten Ideen zum Vorzeigeprojekt machen. Zum Beispiel in Sachen erneuerbarer Energie. Uns schwebt auch ein Fußball-Kindergarten vor. In Hernals und Ottakring gibt es über 1.600 Kindergartenplätze. Die Kinder könnten schon im zarten Alter spielerisch an den Fußball herangeführt werden. Und das auf der größten Spielwiese, die es gibt.

LAOLA1: Gibt es eigentlich beim Stadion-Projekt ein Zeitfenster? Lange wird man am maroden Sportklub-Platz nicht mehr spielen können, oder?

Huber: Natürlich drängt die Zeit, aber es ist nicht so dramatisch, wie es manche sehen. Der Platz und die Tribünen schauen zum Teil furchtbar aus, aber statisch besteht keine Gefahr. Es bricht nichts zusammen. Auf der Haupttribüne regnet es zwar an manchen Stellen durch, verletzt wird dadurch  jedoch niemand.

LAOLA1: Und wie sieht es in Sachen Rückführung in den WSC aus?

Huber: Die Zusammenführung ist im Laufen. Wichtig ist die wirtschaftliche Konsolidierung. Viel Zeit bleibt uns nicht mehr. 2014 läuft unsere Vereinbarung bezüglich des Namens ab, bis dahin muss es eine Lösung geben. Aber oft kann man unter Druck am besten arbeiten.

LAOLA1: Gibt es eigentlich Bestrebungen, den Sportklub mittelfristig wieder in den Profi-Fußball zurückzuführen?

Huber: Die Erste Liga ist ehrlich gesagt ein Fiasko, aber was soll man tun? Mittelfristig oder von mir aus schon nächstes Jahr wollen wir trotzdem hinauf. Was ist, wenn wir zur Winterpause mit zwölf Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze sind? Dann muss man sich etwas überlegen. Die Fans wären sonst auch böse, wenn wir vorne wären und nicht um die Lizenz ansuchen würden.

LAOLA1: Die Sehnsucht der Fans ist natürlich groß, dass ein Traditionsklub wie der Sportklub wieder ins Profigeschäft zurückkehrt.

Huber: Absolut. Sogar Rapid- und Austria-Fans wünschen sich, dass wir wieder aufsteigen. Ich verstehe das auch – diese vielen Derbys werden irgendwann auch einmal langweilig.

LAOLA1: Wie lange wollen Sie noch Präsident bleiben?

Huber: Das kann ich wirklich nicht sagen. Vielleicht nur mehr bis nächsten Juli, vielleicht aber doch länger. Das kommt auch auf die Menschen an – ich will keinen Wahlkampf führen. Möglicherweise kommt auch ein großer Sponsor, der alles managt. Bei uns ist noch alles offen.

Das Interview führte Kurt Vierthaler

LAOLA1: Sie sind jetzt seit 2008 Präsident des Sportklubs. Eigentlich wollten Sie ja nie Funktionär werden. Haben Sie sich mittlerweile mit diesem Amt schon richtig angefreundet?

Huber: Ich bin ein eingefleischter Sportklub-Fan, in Dornbach geboren und aufgewachsen. Für mich war immer klar, dass es nur einen Verein gibt. Manchmal geht das sogar so weit, dass ich sage, ich bin kein Fußball-Fan, sondern Sportklub-Fan. Darum ist das Präsidenten-Amt eine Herzensangelegenheit.

LAOLA1: Wie viel Zeit nimmt das Amt in Anspruch? Ist es mehr als ein Hobby?

Huber: Auch bei einem Amateur- bzw. semiprofessionellen Verein ist das Präsidenten-Amt mehr als ein Hobby. Die Leute glauben immer, man kann so ein Amt Vollzeit ausüben. Dabei geht das nicht. Wir machen das alle ehrenamtlich.

LAOLA1: Es nimmt aber schon sehr viel Zeit in Anspruch, oder?

Huber: Absolut. Alleine in den letzten Wochen bin ich von einem Termin zum anderen gehetzt. In der letzten Zeit habe ich aber ein bisschen zurückgeschaltet, weil ich auch nicht mehr in Wien wohne. Am Anfang war das noch ganz anders. Da habe ich in der Früh sogar die Türe beim Stadion aufgesperrt, wenn ein Handwerker gekommen ist.

LAOLA1: Auf Ihrer Agenda stehen noch zwei große Brocken: Zum einen das Stadion-Projekt, zum anderen die Eingliederung in den WSC (die Fußball-Sektion des Wiener Sportklubs hat sich 2001 unter WSK vom Gesamtverein abgespalten, Anm.). Wie ist in beiden Fällen der Stand der Dinge?

Huber: Das Stadionprojekt ist leider oder Gott sei Dank wieder an den Start zurückgegangen. Das Wohnbauprojekt ist glücklicherweise gestorben. Mit dem war niemand zufrieden – weder die Anrainer, noch der Bezirk, noch die Fans. Wir werden sehen, wie es weiter geht. Vizebürgermeisterin Vassiliakou hat Unterstützung angekündigt, auch bei der Suche nach Sponsoren. Wir haben selbst eine Stadion-Projektgruppe gegründet, da kommt auch etwas Output.

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