Heroisch historisch

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"Mit heroischem Kampf Historisches geleistet"

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„Mission completed.“

So bezeichnete es Marcel Sabitzer. Red Bull Salzburg wollte das Double aus der Vorsaison verteidigen und hat es mit dem 2:0-Sieg nach Verlängerung im Cup-Finale gegen die Wiener Austria geschafft.

Wieder jubelten die „Bullen“ wie im Vorjahr mit Meisterteller und Cup-Pokal in der Klagenfurter Arena und schrieben damit Geschichte. Denn nur Rapid (1920) und der Austria (1963) gelang es zuvor, diese beiden Titel der Vorsaison in der darauffolgenden Spielzeit zu wiederholen.

„Es ist ein Wahnsinn. Vor der Saison war das für alle normal. Aber mit diesem Druck sind wir ganz gut umgegangen und haben es geschafft. Nächste Saison wollen wir das Triple-Double schaffen“, jubelte Martin Hinteregger in seinem Heimat-Bundesland über seinen insgesamt dritten Cup-Sieg.

„Das ist alles kein Selbstläufer“

Trainer Adi Hütter, der als erster österreichischer Trainer mit Red Bull Meister wurde und erstmals den Cup holte: „Ich bin seit einem Jahr hier und weiß, dass das kein Selbstläufer und sehr harte Arbeit ist. Viele sagen immer, wir haben das meiste Geld, aber das alleine spielt nicht Fußball. Ich habe junge Spieler, ältere Spieler, die Mischung ist gut, aber wir müssen beinharte Arbeit abliefern.“

So auch für den neunten Titel im zehnten Red-Bull-Jahr (sechs Meisterschaften, drei Cup-Siege), den vierten und letzten in der dreijährigen Ära des scheidenden Sportdirektors Ralf Rangnick.

Denn zum einen präsentierte sich die Wiener Austria in ihrem Spiel der letzten Europacup-Chance kämpferisch wie taktisch diszipliniert und Salzburg erschwerte sich das Leben einmal mehr selbst.

Die zwölfte (!) Rote Karte

In seinem wohl letzten Spiel für Salzburg eilte Tormann Peter Gulacsi einmal mehr aus seinem Tor heraus und brachte David de Paula mehr als unsanft zu Fall. Rote Karte für rohes Spiel und eine zur Pause diagnostizierte Gehirnerschütterung beim Spanier waren die Konsequenzen.

Gulacsi, dessen Wechsel zu RB Leipzig wie jener von Stefan Ilsanker am Freitag in einer Pressekonferenz verkündet werden dürfte, sah zum zweiten Mal in dieser Saison Rot.

Hinteregger: „Ich habe dann noch mit Oliver (Drachta, Referee, Anm.) gesprochen und er hat gesagt, Neuer hätte für seine Aktion im WM-Finale auch Rot sehen müssen. Man kann sie geben.“

In dieser Saison waren Ausschlüsse gegen Salzburg alles andere als eine Seltenheit. Zwölf (!) Mal musste ein „böser Bulle“ vorzeitig gehen, Hinteregger (3) führt diese Rangliste vor Gulacsi (2) an.

Das 17. Tor in Unterzahl

Diese Tatsache alleine ist freilich negativ, doch zwei positive Folgen ergaben sich daraus: Zum einen ist man auch in Unterzahl erfolgreich, zum anderen weiß man, mit der Situation umzugehen.

Ausgerechnet in der Eishockey-Hochburg Klagenfurt präsentierten sich die „Bullen“ vor 16.000 Zuschauern in der halbgefüllten, aber stimmungsvollen Arena wieder als Meister im "Penaltykilling".

„Wir haben gewusst, dass wir uns ein wenig zurückziehen und auf Konter spielen müssen. Jonatan Soriano hat defensiv eine überragende Partie gemacht, die ganze Mannschaft hat Kampfgeist gezeigt. Wir haben nicht verdient gewonnen, aber das Spiel war auf Messers Schneide und am Ende waren wir die Glücklichen“, sagte Hinteregger, der Rote Karten an sich natürlich nicht gut findet.

„Es ist schon scheiße, weil man mehr laufen muss.“ Sein Trainer findet Ausschlüsse auch nicht toll.

„Es war die zwölfte Rote Karte, das ist zu viel, aber es war auch das 17. Tor, das wir in Unterzahl geschossen haben. Das ist auch bemerkenswert. Wir trainieren auch in Unterzahl im Training. Da möchte ich auch nicht, dass wir uns verstecken. So gesehen ist es für uns keine Neuigkeit, dass wir auch in Unterzahl Tore schießen können. Das hat man heute wieder gesehen“, so der Coach.

Emotion pur: „Das zeigt unseren Weg“

Die Joker Nils Quaschner und Felipe Pires machten den Sack auch zu. Der Deutsche, der im Sommer (wirklich) zu Leipzig gehen wird, bediente den Brasilianer mustergültig, der zum 2:0 traf.

Der riss sich in Ekstase sein Trikot vom Leib, Spieler und Wechselspieler bildeten eine Jubeltraube, Goalie Alex Walke stürmte Richtung Trainer-Bank, wo die andere Jubeltraube gebildet wurde.

Hütter: „Wir mussten vor dem Spiel sechs Top-Spieler (Ulmer, Schwegler, Leitgeb, Ilsanker Lazaro, Bruno, Anm.) vorgeben, davon vier A-Team-Spieler. Wir sind mit 15 Feldspielern angereist und am Ende haben die beiden Youngsters Nils Quaschner und Felipe Pires für ein Traumtor gesorgt. Das zeigt einfach unseren Weg und das ist erfreulich.“

Im 54. Salzburger Pflichtspiel war nicht nur Soriano am Ende von Krämpfen gebeutelt. „Wir haben mit einem heroischen Kampf Historisches geleistet“, fasste der Double-Coach am Ende zusammen.

Sabitzer, der nach dieser Leihsaison zu Leipzig gehen wird, spielte nicht nur eine überragende Saison („Sie war besser, als ich mir erwartet habe, davon kann man auch nicht ausgehen“), sondern erfüllte auch sein selbstgestecktes Ziel: „Ich wollte zwei Titel, deswegen Mission completed.“

Das wurde in einem Sonderzug gefeiert. Denn die Spieler reisten gemeinsam mit den Fans nach Salzburg zurück. Schließlich gab es einiges zu feiern. Schon wieder.

 

Bernhard Kastler / Harald Prantl

Hütter hatte keine Zweifel

Zweifel hatte der Vorarlberger deswegen keine: „Mit Zweifel wäre ich hier fehl am Platz. Zweifel bedeutet auch, Angst zu haben. Ich habe Respekt vor vielen Situationen, aber keine Angst. Es geht darum, was man dann tut. Als ich die Rote Karte gesehen habe, war ich jetzt nicht großartig verärgert, sondern für mich stand im Fokus, was wir schnell tun können, um nicht am Platz viel Zeit zu verlieren. Wir haben 4-4-1 gespielt, auch weil die Austria mit viel Spielverlagerungen agiert hat. Ich habe in der Halbzeit überlegt, auf 4-3-2 umzustellen, um uns nicht zu verstecken. Aber die Breite aufzugeben hätte noch mehr Laufarbeit bedeutet. Das wollte ich verhindern.“

Es ging wie schon im Achtelfinale gegen Wacker Innsbruck in die Verlängerung, in der Hütter wie sein Gegenüber Andreas Ogris seine Truppe noch einmal sachlich und emotional einschwor.

„Erst geht es um das Fachliche, zwei knackige Dinge auf den Weg mitzugeben. Dann auch darum, die Spieler vielleicht emotional zu erwischen. Weil die Familien und Freunde da sind, sie im Fernsehen zuschauen und für sie und den Klub alles noch einmal herauszuholen, mit der ganzen Liebe die 30 Minuten noch einmal alles hineinschmeißen. Auch weil wir in dieser Konstellation nächste Saison nicht mehr zusammen sein werden und mit einem guten Gefühl das abschließen würden.“

„Soriano ist ein Killer“

Am Ende entschied das Spiel ein Fehler des Jokers James Holland, der in seinem letzten Spiel für die Austria im eigenen Verteidigungsdrittel den Ball an einen gewissen Jonatan Soriano verlor.

„Er ist ein Killer, er hat in dieser Saison 31 Treffer in der Bundesliga erzielt und gefühlte 1000 Tore für Salzburg geschossen. Es ist keine Überraschung“, brachte es Hütter auf den Punkt.

Jeder war auf der Salzburger Betreuerbank in weiterer Folge in heller Aufruhr. Sabitzer: „Wir hatten draußen 280 Puls, wir haben so mitgefiebert und versucht, alles herausholen. Es ist so etwas von verdient, dass wir gewonnen haben, wenn man bedenkt, dass wir 80 Minuten in Unterzahl waren.“

Der ausgwechselte Stürmer half beim Coaching mit, wie er nach dem Spiel lachend schilderte: „Valon hat mir angezeigt, dass er nicht mehr kann und ich habe es den Trainern mitgeteilt. Dann haben sie gemeint, tauschen wir ihn lieber aus. Und ich meinte, ja, das wird gescheiter sein.“

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