"Schön nach Scheiß-Wochen“

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"Wir haben uns Selbstvertrauen zurückgeholt“

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Wenn auch die gegnerischen Fans applaudieren, tut das besonders gut.

Das hat beim Wiener Sportklub zwar Tradition, nichtsdestoweniger war es für die Spieler des FC Red Bull Salzburg notwendiger Balsam auf die zuletzt so geschundene Seele.

Nach fünf Spielen ohne vollen Erfolg gewann der Double-Sieger nach über einem Monat wieder ein Fußball-Spiel und fertigte dabei den Regionalligisten aus der Bundeshauptstadt im ÖFB-Cup gnadenlos mit 12:1 (!) ab.

Vor zwei Jahren siegte Salzburg im selben Duell noch 2:0.

Ein Rekord in der Krise

Ausgerechnet in Zeiten der Krise wurde damit ein Rekord-Sieg in der Ära Red Bull gefeiert. Die vorherige Bestmarke stellte dasselbe Team in der ersten Cup-Runde mit einem 10:1 in Sollenau auf.

In der vergangenen Spielzeit erzielten die „Bullen“ auf dem Weg zum Cup-Sieg 34 Treffer, nach zwei Runden hält man nun bei 22 (!). Zumindest das liest sich wieder wie das „alte“ Salzburg.

„Es war nach diesen Scheiß-Wochen einfach schön. Es hat Spaß gemacht und ich denke, wir haben durch die vielen Tore, die auch schön herausgespielt wurden, Selbstvertrauen getankt“, sagte Kevin Kampl, einer der sieben Salzburger Torschützen.

„Hätten noch mehr Tore schießen können“

Nach sehr schwierigen Wochen war es in erster Linie wichtig, sich nicht in Hernals zu blamieren, und in zweiter, die Brust wieder zu stärken.

„Es war wieder ein Ausrufezeichen, auch wenn der Gegner kein Bundesligist war. Wir hätten noch mehr Tore schießen können, aber wichtig ist nun, den Schwung mitzunehmen“, meinte Tino Lazaro.

Trainer Adi Hütter schlug in dieselbe Kerbe: „Wir haben uns wieder einiges an Selbstvertrauen zurückgeholt.“ Der 44-Jährige zeigte sich mit der mannschaftlichen Vorstellung zufrieden.

„Wir haben von Anfang an gezeigt, dass wir in die nächste Runde kommen wollen, haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben den Sportklub analysiert und auch gesehen, dass ihre Viererkette teilweise hoch steht. Diese Räume wollten wir nützen.“

Die Heim-Mannschaft wiederum profitierte allerdings auch von der derzeit nicht sattelfesten Abwehr des Meisters und erzielte das 1:2. Als einziges unterklassiges Team in dieser Cup-Runde gelang den Wienern damit ein Tor gegen einen Bundesligisten.

„Der Sportklub hat sich vor der Pause mit dem Anschlusstreffer gewehrt, aber mit dem 4:1 war alles klar und nach der Pause wollten wir einfach Tore für das Selbstvertrauen machen", fasste Hütter zusammen.

Nicht das Ende der Krise

Für den Vorarlberger ist indes auch klar, dass dieser Sieg gegen einen Drittligisten nicht das Ende der gar nicht zufriedenstellenden Situation bedeutet. Der Blick ist schon auf das Duell mit Rapid gerichtet.

„Man kann nach fünf Spielen ohne Sieg und einem Erfolg im Cup nicht davon reden, dass jetzt die Krise vorbei ist. Wir haben uns in eine Situation gebracht, die wir nicht wollten, da gilt es so schnell wie möglich wieder rauszukommen“, so Hütter, der dabei auch den Ton der Spieler trifft.

Kampl: „Man darf dieses Spiel gegen einen Drittligisten nicht überbewerten. Am Sonntag müssen wir zu Rapid, die haben gerade einen Lauf, spielen gut und da wird es extrem schwer für uns.“

Dort soll für den Teamspieler aber endgültig die Wende stattfinden: „Wenn wir den Spaß von heute mitnehmen, können wir mit Selbstvertrauen hinfahren und brauchen uns nicht verstecken.“

Lazaro als Rechtsverteidiger

Hütters ohnehin so angespannte Personalsituation sollte sich indes nicht verschärfen. Andreas Ulmer gab nach seiner Auswechslung Entwarnung.

„Es war nur eine Vorsichtsmaßnahme“, sagte der Linksverteidiger, der mit Oberschenkel-Problemen nach der Pause zusah und sich für Rapid aber schon nach Schlusspfiff fit meldete.

Weil Christian Schwegler und Peter Ankersen aus ähnlichen Gründen in Wien fehlten und Benno Schmitz sein Startelf-Debüt gab, durfte sich Lazaro erstmals als Außenverteidiger versuchen.

„Es ist nicht viel anders als am Flügel und ich habe mich eigentlich sehr wohlgefühlt. Ich war an vier Toren beteiligt und habe zwei direkt aufgelegt, mir hat es recht Spaß gemacht.“

Armer Martin Fraisl: Zwölf Mal musste er hinter sich greifen

Der 18-Jährige hatte im Training schon das Vergnügen. Von Hütter gab es Lob: „Ich habe es im Training das eine oder andere Mal versucht und da hat er keinen so schlechten Eindruck gemacht. Heute war das eine sehr überzeugende Leistung.“

Quaschners Debüt-Tor und Sorianos 100er

Dieser Test zeigt indes einmal mehr auf, dass die Kader-Alternativen vor allem in der Defensive für Salzburger Verhältnisse nicht ausreichen. Am Sonntag fehlt mit Martin Hinteregger ein weiterer Innenverteidiger wegen einer Sperre. Stefan Ilsanker muss diese für ihn eher ungewohnte Rolle wieder ausfüllen.

Eine weitere adäquate Alternative gibt es ob der vielen Verletzten nicht. Im Sturm hat Hütter diese gerade noch. Nils Quaschner erzielte zudem im 17. Wiener Gemeindebezirk nun auch sein erstes Profi-Tor.

Damit fehlen nur noch 99 auf seinen Kapitän Jonatan Soriano, der in Hernals den 100. Treffer in seiner noch nicht einmal dreijährigen Salzburg-Ära erzielte – im erst 111. Spiel, an seinem 29. Geburtstag ("Ich freue mich über den Sieg und dieses Tor").

Hütter lobt die Sportklub-Fans

Auch der Spanier bekam selbstredend seinen Applaus. Die 6224 Fans verließen den altehrwürdigen, charmanten Sportklub-Platz trotz des so eindeutigen 1:12 ihrer Mannschaft nicht vorzeitig.

„Wir hatten heute einen rabenschwarzen Tag und haben taktisch nichts umgesetzt“, musste ein gefasster Sportklub-Trainer Kurt Jusits festhalten. Sein Torschütze Rafael Pollack konnte sich über den Treffer nur bedingt freuen: „Wir wollten natürlich auch keine zwölf Tore erhalten.“

Gäste-Trainer Adi Hütter fand letzlich wie alle Salzburger lobende Worte für den Sportklub, dessen blinder Stadionsprecher zuletzt in der TV-Show „Willkommen Österreich“ landesweit Ruhm erlangte: „Es hat heute Spaß gemacht, auch weil die Fans mit Fairness überzeugt haben.“

Und vor allem wohl deswegen, weil Salzburg endlich wieder einen vollen Erfolg einfahren konnte.

 

Bernhard Kastler

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