Paschings nachgeholtes Wunder

Aufmacherbild
 

Im Leben kommt alles zurück.

2000 scheiterte der ASKÖ Pasching als Regionalligist im Cup-Halbfinale vor eigenem Publikum am GAK mit 0:1, 2013 gelang dem Nachfolge-Klub FC das Wunder umso eindrucksvoller.

Nach einem 2:1-Sieg gegen Meister und Titelverteidiger Salzburg hat es Pasching nun doch als Amateurklub ins Cup-Finale geschafft.

Historischer Tag nun da

Und das auswärts gegen das bis zum "Paschingsdienstag" in diesem Jahr ungeschlagene Salzburg, das zudem noch eine 0:1-Führung verspielte.

Damit haben die Kicker aus der Regionalliga Mitte nicht nur Rapid (0:1) sondern auch Salzburg in der Fremde geschlagen und stehen damit hochverdient im Endspiel. 

"Ein historischer Tag", jubelte Daniel Sobkova zurecht. Schließlich stand bis dato noch nie ein drittklassiger Verein im Cup-Finale.

Damals am 2. Mai 2000 blieb ihnen das im aus allen Nähten platzenden Paschinger Waldstadion gegen die Grazer noch verwehrt. Mit Trainer Georg Zellhofer verloren die Linzer Vorstädter gegen den späteren Cupsieger vor 6000 Fans 0:1.

Riesen-Sensation nun perfekt

Benedict Akwuegbu hatte den Siegtreffer erzielt, ein frühes Paschinger Tor wurde wegen Abseits nicht gegeben. Eine Fehlentscheidung, die nicht nur beim damaligen Präsident Franz Grad für einen bitteren Beigeschmack sorgte.

13 Jahre später ging alles rechtens zu und Pasching hat es einmal mehr mit einer Riesen-Sensation in die breite Öffentlichkeit geschafft. Dieses Mal mit dem riesengroßen i-Tüpfelchen.

Auch wenn die Vorzeichen dieses Mal andere waren - der FC ist deutlich profihafter als es ASKÖ 2000 war - schmälert das nichts an der Größe der Sensation.

Und bizzarerweise half der Gegner indirekt mit, schließlich rettete 2012 erst Red-Bull-Geld den FC Pasching, der sich nach der Umsiedelung des Vorgänger-Bundesliga-Klubs nach Kärnten 2007 neu gründete, vor dem Absturz aus der Regionalliga.

Mit dem Geld schickte man auch Gerald Baumgartner und Martin Hiden als Trainer-Gespann nach Oberösterreich, um den Klub in die Erste Liga zu hieven, wo Salzburgs Talente dann Spielpraxis sammeln sollen.

"Für Baumgartner keine Genugtuung"

Baumgartner war bei Salzburgs Amateuren seit der Red-Bull-Ära 2005 immer dabei, lange Zeit als "Co", danach als Chef. Nun sorgte er mit Pasching in Salzburg für eine faustdicke Überraschung.

"Es ist für mich keine Genugtuung, ich war sehr lange hier. Es ist ein toller Verein, ich habe hier sehr viel lernen können", so der 48-Jährige, der sich nach diesem "unglaublichen Erfolg" verhalten zeigte.

Fast schien es so, als täte es ihm leid, seinen Ex-Klub bis auf die Knochen blamiert zu haben. "Ich bin noch sehr angespannt vom Coachen", nennt es Baumgartner.

Ganz anders zeigten sich seine Spieler, die sich einen Lebenstraum erfüllten.

Lebenstraum erfüllt, aber...

"Ich bin wie viele andere noch nie in einem Cup-Finale gestanden, das ist unglaublich", war Sobkova ("Gänsehaut von der kleinen Zehe bis zur letzten Haarspitze"), der aktuell mit seinem Ex-Klub Austria Lustenau in Verbindung gebracht wird, wie seine Teamkollegen euphorisiert. 

Im Moment ihres bislang größten gemeinsamen Erfolges, der mit einer Europa-League-Teilnahme noch ausgebaut werden könnte ("So weit denken wir noch nicht"), blieben die Paschinger aber auch zurückhaltend.

"Wir werden ein, zwei Bier trinken, aber nicht mehr. Es geht bald mit der Meisterschaft weiter", sprach Sobkova für die ganze Mannschaft.

 

Und auch der Trainer sah es so.

"Wir haben auch noch ein anderes Ziel, nämlich in der Meisterschaft Erster zu werden und die Relegation zu gewinnen." 

Der Winterkönig der Regionalliga Mitte verlor im Frühjahr drei Spiele, unter anderem auch gegen den LASK, der die Paschinger an ihrem Jubeltag mit einem 2:1-Sieg gegen die Sturm Amateure in der Tabelle wieder überholte.

Hoffen auf einen Umfaller

Im Gegensatz zu den Linzern haben die Paschinger aber die Lizenz in erster Instanz erhalten, nichtsdestoweniger soll der Aufstieg in erster Linie sportlich gelingen.

Zwei Punkte haben die Paschinger Rückstand. "Eigentlich sind wir auf Kurs, müssen aber noch auf einen Umfaller des LASK hoffen", weiß Baumgartner.

Ein oberösterreichisches Duell hier, ein oberösterreichisches Duell vielleicht auch im Cup-Finale, wenn die SV Ried es gegen die Austria wie 2012 weiterschafft.

Ob die Paschinger nach Auswärtssiegen gegen Rapid und Salzburg auch Favorit im Finale sind? "Natürlich nicht", antwortete Baumgartner auf eine mit Augenzwinkern gestellte Frage.

Das Wichtigste ist: Pasching steht im Finale. Als Amateurklub. Das 2000 ausgebliebene Wunder wurde eindrucksvoll nachgeholt.

 

Bernhard Kastler

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen