"Wollen nicht nur Passagier sein, sondern auch Pilot"

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Die Kleinen, die Großen und die mögliche Sensation.

Es sind jene Spiele in den ersten Runden, die das Salz in einer oftmals faden Cup-Suppe ausmachen.

Das bevorstehende Wochenende steht wieder ganz im Zeichen dieser Aufeinandertreffen. Die zehn Bundesligisten müssen Hürden aus den Regional- bzw. Landesligen nehmen und treffen dabei auf hochmotivierte Gegner.

Der Hotspot der ersten Runde ist ganz klar die Steiermark. Mit dem FC Red Bull Salzburg, dem SK Rapid Wien, dem SK Sturm Graz und dem SCR Altach treten gleich vier Europacup-Fighter im grünen Herzen Österreichs an.

Unter anderem hat der SC Weiz ein großes Los gezogen. Die Oststeirer dürfen am Freitag um 19 Uhr die Grün-Weißen aus Hütteldorf in Empfang nehmen.

Als Trainer fungiert bei den Elin-Städtern seit wenigen Wochen ein alter Bekannter aus der Bundesliga: Gregor Pötscher.

Der 42-Jährige hat mit 273 Einsätzen die drittmeisten in der Geschichte des GAK, wo er auch als Coach seine ersten Schritte gemacht hat.

Der Wunsch wurde erhört

Nach einem eher unrühmlichen Ende beim DSV Leoben in der Landesliga ist Drittliga-Klub Weiz eine neue, reizvolle Aufgabe für ihn.

Was könnte besser als erste Standortbestimmung dienen als ein Match gegen den SK Rapid? "Als Steirer muss man wahrscheinlich sagen Sturm, weil der Verein ähnlich stark die Zuschauer ins Stadion bringt, aber sonst ist es natürlich Rapid", sagt Pötscher im Gespräch mit LAOLA1.

Selbst hat sich der ehemalige Außenverteidiger nicht groß mit der Auslosung beschäftigt, aber ihm wurde ziemlich schnell klar, dass sein neuer Arbeitgeber ein Kaliber zugelost bekommen hat: "Auf Whatsapp und per SMS war einiges los. Alle haben mir gratuliert und ich habe zuerst nicht gewusst, was da passiert."

Dabei haben es ihm seine Schützlinge prophezeit: "Die Spieler haben nach dem Training vor der Auslosung gesagt, dass sie Rapid haben wollen. Und genau so ist es gekommen."

Zusatztribünen für ein "Fußballfest"

Seit der Spieltermin und der Spielort - zwischendurch war auch ein Ausweichen nach Hartberg Thema - feststehen, steht in der knapp 9.000 Einwohner zählenden Stadt nichts mehr still.

"Es gibt Zusatztribünen und auch für die Auswärts-Fans hat man sich sehr bemüht. Sie werden auf der Seite sein, wo normalerweise die Weiz-Fans sind, damit auch von den Sicherheitsvorkehrungen alles funktioniert. Es soll ein schönes Spiel und ein Fußballfest werden", hofft Pötscher.

Auf diesem Fest soll sein Team aber keine Nebenrolle spielen.

"Wir wollen nicht nur Passagier sein, sondern auch Pilot. Es hilft nichts, wenn wir nur verschieben, hinten drinstehen und warten, bis irgendwann etwas passiert. Dann habe ich vom Spiel ja nichts. So hat 80 oder 90 Prozent Rapid den Ball und ich laufe immer nur hinten nach. Das hat mich als Fußballer schon nie gefreut", gibt der Trainer des Underdogs vor, was er von seinem Team sehen will.

Keine Angst vor den Hütteldorfern

Von übermäßigem Respekt ist bei Pötscher, der als Spieler mit neun Siegen, acht Remis, und acht Niederlagen auf eine knapp positive Bilanz gegen Rapid zurückblicken kann, keine Rede: "Sie sind auch nur zu elft. Natürlich haben sie eine gute Qualität, darüber brauchen wir nicht reden. Aber die haben wir genauso."

Eine mutige Ansage für einen Klub, der erst 2014 in die Regionalliga Mitte aufgestiegen ist, das allerdings ungeschlagen. In der dritthöchsten Spielklasse konnte man gleich für Furore sorgen und wurde am Ende als Vierter bestes steirisches Team.

Nachdem Erfolgscoach Uwe Hölzl aus persönlichen Gründen den Verein verlassen hat und nun als Co-Trainer in Hartberg tätig ist, nimmt Pötscher in dieser Saison erneut die Top-Fünf ins Visier.

Rapid traut er in der Bundesliga viel mehr zu: "Ich glaube, dass sie heuer ganz heiß sein werden. Vor allem haben sie ein super Trainerteam und eine tolle, junge Mannschaft, die richtig coolen Fußball spielt. Da können sie sicher vorne mitmischen und den Bullen aus Salzburg Paroli bieten."

Heimteam

Auswärtsteam

Datum

SC Weiz (RL Mitte)

SK Rapid

Freitag, 19 Uhr

Lafnitz (RL Mitte)

SCR Altach

Freitag, 19 Uhr

SV Innsbruck (Tirolerliga)

SV Ried

Freitag, 19 Uhr

Sollenau (RL Ost)

SV Mattersburg

Freitag, 19:30 Uhr

Oberwart (RL Ost)

FK Austria Wien

Freitag, 19:30 Uhr

Union Gurten (RL Mitte)

SV Grödig

Samstag, 16 Uhr

Deutschlandsberg (RL Mitte)

FC Red Bull Salzburg

Samstag, 17 Uhr

Schwechat (RL Ost)

Admira Wacker

Samstag, 19 Uhr

TSV Hartberg (RL Mitte)

SK Sturm Graz

Samstag, 20:30 Uhr

Köttmannsdorf (Kärntnerliga)

Wolfsberger AC

Sonntag, 17:30 Uhr

Von der individuellen Klasse werden es die Weizer nicht mit dem SK Rapid aufnehmen können, dafür soll, wie in der Vergangenheit, das Kollektiv für eine Sensation sorgen:

Neue Chance für Beinahe-Sturm-Torjäger

"Ich bin zwar erst drei Wochen hier, aber ich würde sagen, dass die Mannschaft ein großer Zusammenhalt auszeichnet. Sie spielen teilweise schon relativ lange zusammen. Auch die spielerische Qualität ist auf jeden Fall vorhanden. Es ist ein eingeschworener Haufen und es ist richtig lustig mit ihnen zu arbeiten", hat Pötscher im Training seinen Spaß.

Dafür, dass den Rapidlern das Lachen vergeht, könnte möglicherweise ein Spieler sorgen, der schon einmal am Sprung in die Bundesliga stand.

Jahr

Spiel

Endstand

2010

Rapid Amateure - Rapid

2:5 (2:2)

2011

LASK Amateure - Rapid

0:7 (0:3)

2012

Heiligenkreuz - Rapid

0:5 (0:1)

2013

LASK - Rapid

5:4 im Elferschießen

2014

Amstetten - Rapid

0:1 nach Verlängerung

Matthias Hopfer (2.v.r.) hat reichlich Erste-Liga-Erfahrung

Bekanntester Name in den Reihen des SC Weiz ist ansonsten Matthias Hopfer, der mit Gratkorn, Altach, dem FC Lustenau und Hartberg immerhin auf 132 Einsätze (4 Tore, 5 Assists) in der Ersten Liga kommt.

Ob mit diesem Verein in näherer Zukunft mehr als die Regionalliga möglich ist, wird sich erst weisen.

"Wenn die Stadt sagt, sie will es wissen, dann kann es sein, dass es im nächsten Jahr klappen kann", meint Pötscher, der vor allem im infrastrukturellen Bereich noch Verbesserungspotenzial sieht - haben doch auch mit Zusatztribünen nicht mehr als etwa 2.500 Fans im Siemens Energy Stadion Platz.

Andere Klubs, wie etwa Altach-Gegner Lafnitz, seien da von der Investitionsbereitschaft schon weiter. Neben zwei Leistungsträgern aus Weiz (Christopher Feiner und Georg Grasser) hat man unweit von Hartberg auch Mario Kröpfl vom SV Horn und Michael Tieber vom SC Wiener Neustadt verpflichtet.

"Die wollen unbedingt hinauf, aber das ist nur gut für uns. Dann ist der Fokus dort", so Pötscher. In dieser Saison muss der RL-Mitte-Meister noch in eine Relegation, erst der Titelträger 2017 steigt direkt in die Erste Liga auf.

Irgendwann wieder GAK?

Noch ein paar Jahre mehr wird es brauchen, bis sich auch Pötschers Langzeit-Arbeitgeber GAK im Profifußball zurückmelden wird. Den Weg seines mehrfach in den Konkurs geschlitterten Herzensklubs, der sich als neu gegründeter Verein nun von ganz unten den Weg zurück bahnt und derzeit in der Unterliga Mitte (6. Spielklasse) angekommen ist, verfolgt er ganz genau:

"Ich bin ständig mit den Leuten dort in Kontakt, weil der Plassi (Trainer Gernot Plassenegger, Anm.) ein guter Freund von mir ist. Auch mit dem sportlichen Leiter Heinz Karner tausche ich mich regelmäßig aus. Sie sind auf einem ganz guten Weg." 

Mit einer so langen Vergangenheit will es Pötscher nicht ausschließen, in irgendeiner Funktion einmal zu den Rotjacken zurück zu kehren: "Sag niemals nie. 22 Jahre bei einem Verein kann und will ich nicht leugnen. Da kann es gut sein, dass man das eine oder andere Jahr dranhängt."

Davor soll Weiz aber erst einmal die Endstation für den SK Rapid darstellen. Von seinem Optimismus lässt sich Pötscher nicht abbringen: "Wenn wir das umsetzen, was wir vorhaben, wird es ein lässiges Spiel. Dann entscheiden oft Kleinigkeiten."

 

Andreas Terler

Stürmer Marco Heil sollte 2013 zum SK Sturm wechseln, zog sich aber kurz davor einen Kreuzband- und Meniskusriss zu, weshalb der Transfer vom SC Kalsdorf in die steirische Hauptstadt platzte.

Nachdem sich der 22-Jährige beim SV Anger in der Landesliga erneut das Kreuzband riss, soll es jetzt in Weiz wieder bergauf gehen. "Er will es noch einmal wissen und bringt auf jeden Fall Klasse mit. Er hat damals den Vertrag bei Sturm ja praktisch schon in der Tasche gehabt", schildert Pötscher.

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