Kein Feiertag für Allerheiligen

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Schöttel: "Allerheiligen hat mir wirklich imponiert"

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Wiener Großklubs haben im tiefsten Süden der Steiermark bekanntlich ihre Probleme.

Lag die Austria vergangenes Jahr in der zweiten Cup-Runde gegen SV Allerheiligen mit 0:1 zurück, teilte 2012 auch Rapid dieses Schicksal.

Doch wie schon im Vorjahr brachte der Regionalligist die Führung nicht über die Zeit. Gegen die Violetten hieß es am Ende 1:3, gegen die Grün-Weißen sogar 1:4.

Und trotzdem war es wieder einer dieser Cup-Abende, an dem alles passieren hätte können.

Typisches Cup-Spiel statt Europa League

Das sind die typischen Cup-Spiele, vielen ist es in dieser Runde ähnlich ergangen“, nahm Mario Sonnleitner im Gespräch mit LAOLA1 die Partie keinesfalls auf die leichte Schulter.

Zumindest im ersten Durchgang hatte das Team von Trainer Peter Schöttel die Partie größtenteils im Griff, einzig und alleine der Torabschluss ließ zu wünschen übrig.

Dazu gesellten sich zwei Aluminiumtreffer. Der Außenseiter hielt aber defensiv bravourös dagegen und ließ auch vor dem gegnerischen Tor seine Qualität aufblitzen.

Es ist natürlich etwas Anderes als in der Europa League, aber das gehört dazu. Das sind Cup-Spiele. Wir wissen, dass es für Allerheiligen etwas ganz Besonderes war“, suchte Deni Alar Gründe für die breite Brust der Hausherren.

"Überraschend, wie Allerheiligen gespielt hat"

Als diese kurz nach der Pause (47.) durch Kulnik tatsächlich in Führung gingen, ließ sich die ohnehin schon frenetische Menge in Allerheiligen noch mehr anstecken. Die Sensation lag in der Luft.

Vorerst allerdings nur zwei Minuten, ehe Sonnleitner per Kopf (49.) der Ausgleich gelang. Doch der Gegner steckte nicht auf und versuchte mit spielerischen Mitteln Rapid zu überraschen, was teilweise sehr gut gelang.

Der Gegner hat mir wirklich imponiert. Es war sehr überraschend, wie er gespielt hat“, musste Rapid-Coach Schöttel neidlos anerkennen.

Die Steirer spielten auch nach dem 1:1 zielstrebig nach vorne und suchten das Heil in der Offensive. In dieser Phase hatte Stefan Kulovits Glück, dass er bei einer Notbremse nur mit Gelb davon kam.

Ausgerechnet Steirer drehten die Partie

Denn im Gegenzug (77.) brachte Deni Alar Rapid auf die Siegerstraße. Ausgerechnet zwei Steirer leiteten in ihrer Heimat die Kehrtwende ein.

Das tut natürlich weh, dass man in der Heimat eine Mannschaft und Kollegen ausschaltet. Aber ich bin Rapid-Spieler und froh, meinen Teil beitragen zu können“, rechtfertigte sich Sonnleitner.

Auch Alar war es sichtlich unangenehm, Landsleute aus dem Cup zu werfen. „Es ist natürlich schön, dass ich wieder getroffen habe, aber wichtig ist, dass wir aufgestiegen sind.“

Als Kristijan Dobras (89.), der seine Chance von Beginn an bekam, und abermals Alar (91.) den Sack endgültig zumachten, konnte Rapid aufatmen.

Gute Ausbildung, aber kein Weg zum Profi

Wir haben in der entscheidenden Phase mit Burgstaller und Alar die richtigen Spieler am Feld gehabt. Der Gegner war dann mit dem Tempo auch überfordert“, fasste Schöttel zusammen.

Warum ein Regionalligist trotz aller Cup-Gesetze auch spielerisch Akzente setzen konnte, begründete der Chefbetreuer folgendermaßen.

Allerheiligen hat auch gute Spieler. Viele von ihnen haben sicher früher in der Sturm- oder GAK-Akademie gespielt, aber halt nicht den Weg zum Profi gemacht.“

Diese Ansicht konnte Sonnleitner, der mit den GAK-Profis oft in Allerheiligen antrat, bestätigen. „Ich kenne noch ein paar Spieler. Mit Martin Six und Marko Kocever habe ich selber noch zusammen gespielt, deswegen war es ein besonderes Spiel.“

Wenn man Großes erreichen will, sollte das nicht passieren“

Ein besonderes Spiel war es auch für die knapp 1500-Seelen-Gemeinde und allen voran Trainer Enrico Kulovits, der in seiner aktiven Glanzzeit vor allem beim GAK für Furore sorgte.

Ich bin sehr zufrieden, wie wir gespielt haben. Ein bisschen enttäuscht bin ich aber, dass wir das 1:0 so leicht hergegeben haben“, trauerte der Regionalliga-Coach der vergebenen Chance nach.

Dass man den Ausgleich aus einer Standardsituation und das 1:2 nach einem Fehler bei eigenem Ballbesitz bekam, zeigte für Kulovits nur, warum Rapid in der Bundesliga und Allerheiligen zwei Klassen darunter spielt.

Wenn man Großes erreichen will, sollte das nicht passieren. Das ist halt der Unterschied.“ Mit seiner Art und Weise, wie er Fußball spielen lässt, verschaffte er sich aber auch beim Gegner viel Respekt.

Das ist einfach eine Vorgabe, seit ich da bin und wir setzen es mit jedem Male besser um.“

Ob dann im nächsten Jahr erstmals ein Bundesligist nicht nur wankt, sondern auch fällt, bleibt abzuwarten.


Alexander Karper/Christian Eberle

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