Lindner: "Es hat an der Einstellung gelegen"

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. 

Wie begossene Pudel standen sie da, die Spieler der Wiener Austria.

Nicht nur der Regen hatte seine Spuren hinterlassen, sondern vor allem die 0:1-Niederlage im ÖFB-Cup-Finale gegen FC Pasching (Nachbericht).

Statt des elften Doublgewinns der Vereinsgeschichte setzte es eine bittere Blamage. Erstmals in der Cup-Geschichte holte ein Regionalligist den Pokal.

Zwei Tage nach der Meisterfeier am Wiener Rathausplatz wurden die Veilchen also aus ihrer „heilen Welt“ gerissen und kehrten auf dem Boden der Realität zurück.

Jubel, Trubel, Heiterkeit war gestern.

Es herrschte Katzenjammer im violetten Lager.

Heinz Lindner ließ seinem Frust bereits wenige Sekunden nach Abpfiff freien Lauf. Wutentbrannt schleuderte der 22-Jährige seine Tormannhandschuhe auf die Betreuerbank und schimpfte wie ein Rohrspatz.

Seine Enttäuschung  war nicht zu übersehen. Im LAOLA1-Interview versucht der ÖFB-Teamtorhüter Gründe für die Pleite zu finden, will sich die Saison dennoch nicht kaputt reden lassen und wirft einen Blick auf das wichtige WM-Quali-Spiel gegen Schweden

LAOLA1: Heinz, statt des Doublegewinns ist es eine bittere Niederlage geworden. Fühlt man sich ein wenig wie die „Deppen der Nation“?

Heinz Lindner: Wie wir heute in der ersten Hälfte aufgetreten sind… Das war einer Austria-Meistermannschaft unwürdig. Erst Mitte der zweiten Hälfte haben wir versucht, etwas zu bewegen. Und es wäre uns auch fast gelungen, denn die Chancen waren ja vorhanden. Aber es hat nicht sollen sein. Und wir hätten es uns auch über das ganze Spiel gesehen nicht verdient. Wir wollten diesen Titel. Aber es hat keiner im Stadion und am Platz gesehen, dass die Austria das Double holen will.

LAOLA1: Hast du eine Erklärung, warum es schief gegangen ist?

Lindner: Wenn wir alle das Herz auf den Platz getragen hätten, dann wäre sich der Sieg vielleicht ausgegangen. Es hat an der Einstellung gelegen, vor allem in der ersten Hälfte. In der Kabine haben wir uns vorgenommen, dass wir noch etwas bewegen. Der Gegentreffer so kurz nach der Pause hat uns natürlich getroffen. Das soll aber keine Entschuldigung für das desolate Auftreten sein.

LAOLA1: Böse Zungen behaupten, man habe vielleicht zu ausgiebig nach dem Meistertitel gefeiert und sich nicht ordentlich auf das Endspiel vorbereitet. Immerhin war die Meisterfeier zwei Tage vor dem Finale.

Lindner: Am Feiern lag es nicht. Wir sind nach einer überragenden Saison Meister  geworden – da ist es legitim, wenn man ein, zwei Tage feiert. Jeder Spieler ist Profi genug, hat gewusst, dass wir die große Chance auf das Double haben und hat sich dementsprechend darauf vorbereitet. Man hat es nur leider nicht gesehen.

LAOLA1: Hast du Angst, dass man sich mit diesem einem Spiel diese überragende Saison kaputt gemacht hat?

Lindner: Es ist schön, wenn man Meister wird – das war unser ganz großes Ziel. Wenn die Meisterschaft noch ein paar Wochen gehen würde, würde man sich nicht so an diese Niederlage erinnern. Ich habe jetzt aber nur das Cupspiel im Kopf. Das wird auch die nächsten zwei, drei Tage so sein. In ein paar Wochen kann man aber objektiv zurückblicken und sich über den Erfolg freuen. Doch so kurz nach dem verlorenen Cupfinale ist es schwer.

LAOLA1: Während einige Spieler von euch bereits in den Urlaub gehen, steht für dich noch das Länderspiel gegen Schweden am Programm. Wie schwierig ist es, nach den aufregenden letzten Tagen und der langen Saison die Spannung zu halten?

Lindner: Ich habe von Anfang an gewusst, dass nach dem Cup-Finale noch die Partie gegen Schweden auf mich wartet. Ich bin auch weiterhin voll fokussiert. Das muss man und wird man auch sein. Wir werden auch gegen Schweden versuchen, als Sieger vom Platz zu gehen.

LAOLA1: Nach deiner starken Saison mit nur 31 Gegentoren sehen dich viele als Nummer eins im Team. Du dich selber auch?

Lindner: Ich war sehr froh, dass mir der Teamchef in den letzten beiden Spielen das Vertrauen geschenkt hat. Ich meine, ich habe seine Entscheidung rechtfertigen können. Ich glaube aber nicht, dass die Tormann-Frage schon entschieden ist. Ich werde mich im Training beweisen, dem Teamchef zeigen, dass ich gut in Schuss bin. Mehr kann ich sowieso nicht machen, denn das letzte Wort hat wie immer der Trainer.

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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