"Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft"

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Es sind Tage wie diese, nach denen Fans eines gebeutelten Traditionsklubs trachten. Augenblicke, die den Alltag am Rande der Wahrnehmung vergessen machen.

Nach dem sportlichen Abstieg aus der Bundesliga 2011 und dem Entzug der Lizenz für den Profifußball 2012, machte sich der LASK am Dienstagabend wieder spürbar bemerkbar.

Mehr noch, der Regionalligist wider Willen setzte ein kleines Ausrufezeichen. Und das im dafür vorgesehenen Bewerb namens ÖFB-Cup. Im Achtelfinale warfen die Linzer Bundesligist Mattersburg nach 0:2-Rückstand und mit einem Mann weniger zur Pause 7:6 im Elferschießen raus.

Ein packendes Cup-Spiel, das sich sicherlich mehr als nur 700 Zuschauer in Schwanenstadt verdient hätte, bot alles, vor allem Spannung bis zum Schluss. Mit Happy End für den Underdog!

„Ich habe mir in die Hosen gemacht“

„Wir sind in der Halbzeit bei 0:2 in der Kabine gesessen und haben gesagt: Was tun wir? Wir wollten nicht aufgeben, deswegen haben wir alles riskiert und sind dafür wir belohnt worden“, freute sich Kapitän Mario Hieblinger nach aufreibenden 120 Minuten samt Nachschlag.

Den Schlusspunkt mit dem 13. Elfmeter setzte Christoph Kobleder, der nicht unter den ersten fünf Schützen sein wollte und nach dem missglückten Antreten von Goalie Pavao Pervan (Daxbacher: „Das war seine Idee“) doch noch erfolgreich die Verantwortung übernahm.

„Ich habe mir aber schon in die Hosen gemacht, jedoch dachte ich mir, irgendwie muss ich ihn jetzt treffen und habe dann einfach voll draufgehauen“, so der Matchwinner nach der Partie.

Mattersburg-Trainer Franz Lederer, der seine Mannschaft zum achten Mal in Folge verlieren sah, schüttelte den Kopf: „Wir haben uns in fünf Minuten das ganze Spiel aus der Hand nehmen lassen.“

Sein Gegenüber war indes der gefeierte Held. Karl Daxbacher, der beim Fernseh-Interview von einer großen Fan-Schar umringt und mit „Karli, Karli“-Sprechhören bedacht wurde.

LAOLA1 sprach mit dem Trainer des Tabellenzweiten der Regionalliga Mitte über den Cup-Krimi, der in das kleine Wunder von Schwanenstadt gipfelte.

LAOLA1: Wie haben Sie die Partie erlebt?

Karl Daxbacher: Es war ein unglaubliches Spiel. Die Undiszipliniertheit nach dem 0:1 (Henrique schubste einen SVM-Betreuer und sah Rot, Anm.) hat mich noch so maßlos geärgert, denn wir hätten ja trotzdem noch alle Chancen gehabt. Zumal wir im Spiel völlig gleichwertig waren. Nach dem 0:2 habe ich dann gesagt, wir riskieren alles, nehmen einen Verteidiger heraus und bringen einen Stürmer. Völlig egal was passiert. Entweder wir gehen unter oder es passiert wirklich noch was, wie es letztlich auch kam. Beim Elfmeterschießen braucht man dann eben Glück.

LAOLA1: Wie stolz sind Sie auf Ihre Mannschaft?

Daxbacher: Sehr. Die Moral, die sie an den Tag gelegt hat war top. Das hat sie auch schon einige Male in der Meisterschaft gezeigt. Es ärgert mich aber, dass wir uns durch Undiszipliniertheiten in solchen Situationen bringen, auch wenn wir sie einige Male durch tolle Moral ausbessern konnten. Ich kann der Mannschaft zu dieser Willensstärke nur gratulieren. Und auch zur Leistung, denn in Wahrheit hat man keinen Unterschied zu Mattersburg gesehen.

LAOLA1: Der LASK und Sie waren beide lange im Oberhaus engagiert. Inwieweit bot diese Partie für Sie wieder ein Bundesliga-Feeling?

Daxbacher: Egal in welcher Liga man spielt, als Trainer ist man immer voll dabei. Natürlich ist es etwas ganz Tolles, wenn man als Regionalligist auf einen Bundesligisten trifft und man den auch noch aus dem Bewerb werfen kann. Man sieht es auch an den Leuten, die mich schon im Vorhinein positiv aufgenommen haben, wenn solche Erfolge hinzukommen, dann verstärkt sich das natürlich immens.

LAOLA1: Wie haben Sie die Stimmung, die die Mannschaft sichtlich ansteckte, erlebt?

Daxbacher: Es geht viel über Leistung und ich denke, die Fans sehen das auch, dass die Mannschaft immer alles versucht, das Bestmögliche am Platz zu tun. Wenn das positiv ausgeht, wird es natürlich auch positiv bewertet. Die Atmosphäre hier war einfach super.

LAOLA1: Sie haben mehrere Male bereits den Cup geholt.Wie wichtig ist Ihnen der Bewerb?

Daxbacher: Ich bin als Spieler vier Mal Cupsieger geworden und auch als Co-Trainer damals mit Krems gegen Ernst Happel und Tirol. Das waren natürlich Highlights. Da sieht man, welche Chancen sich auftun können. Es sind nicht viele Partien, man hat Heimspiele und mit ein wenig Losglück kann man es ganz ganz weit schaffen. Wer weiß, wie es weitergeht.

LAOLA1: Haben Sie einen Wunschgegner für das Viertelfinale nächstes Jahr?

Daxbacher: Nein, Wunschgegner habe ich keinen. Aber mir ist ein schlagbarer Gegner lieber. Einer, bei dem wir die Chancen haben, drüber zu kommen. Hier zu spielen wäre auch mein Wunsch, denn hier fühlen wir uns stark. Hier können wir den einen oder anderen Gegner besiegen.

LAOLA1: Zwei Fragen zum Alltag: Wie bilanzieren Sie die zu Ende gehende Herbstmeisterschaft?

Daxbacher: Grundsätzlich ist der Punktedurchschnitt gut, obwohl wir zwei, drei Spiele gehabt haben, wo wir Zähler liegengelassen haben. Allen voran beim SAK Klagenfurt, wo wir mit zwei Mann mehr das Gegentor zur Niederlage bekommen haben. Das ärgert mich am meisten, denn es hätte ein Sieg sein müssen und so hätten wir auch nur einen Punkt Rückstand auf Pasching. Aber das ist passiert. Jetzt ist es wichtig, dass wir nach diesem kräfteraubenden Spiel eine ordentliche Leistung gegen Leoben zusammenbringen und damit einen Sieg. Das wird schwer genug, weil der Boden hier auch schon sehr tief ist. Dann wird womöglich Silvio ausfallen, Henrique ist sicher gesperrt. Da müssen wir schauen, dass wir das bis Samstag hinbekommen.

LAOLA1: Danach wartet die Winterpause. Werden sich in dieser Spieler verabschieden?

Daxbacher: Es ist noch nichts entschieden. Aber wenn solche Leistungen geboten werden, dann wird der Verein sicher danach trachten, die Mannschaft beisammen zu halten, um die Chance für den Aufstieg natürlich zu nützen. Man wird sehen, es hängt natürlich auch viel vom finanziellen Rahmen ab. Da muss man sich auch nach dem richten, was einem vorgegeben wird.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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