"Bin kurz in der falschen Kabine gestanden"

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Es war beinahe alles so wie in den vergangenen 18 Jahren – nur seitenverkehrt.

Selbes Stadion, diesmal allerdings als Gegner. Selber Kabinengang, diesmal allerdings in einer anderen Umkleide. Selbes Spielfeld, diesmal allerdings nicht von den heimischen Fans bejubelt.

Andreas Dober durfte erstmals seit seinem Wechsel zu Erstligist Hartberg wieder für 90 Minuten in sein altes Wohnzimmer St. Hanappi zurückkehren. Im ÖFB-Cup gelang den Steirern mit einem 2:0-Erfolg bei den Rapid Amateuren der Aufstieg ins Viertelfinale.

Es war für den 25-jährigen Wiener eine Rückkehr voller Emotionen und Erinnerungen. Auch wenn alles mit einem Hoppala begann.

Schnurstracks in die falsche Kabine

„Ich muss ehrlich zugeben: Ich habe geglaubt, dass wir als Auswärtsmannschaft vorne rein müssen, deshalb bin ich kurz einmal in der falschen Kabine gestanden. Das war ein kurzes Hoppala, aber danach habe ich mich eh wieder konzentriert“, stand ein gut gelaunter Dober LAOLA1 Rede und Antwort.

Von allen Seiten wurde er herzlichst begrüßt und in Erinnerungen über die alten Zeiten geschwelgt, auch wenn Grün-Weiß endgültig der Vergangenheit angehört.

So ganz kann und will er seinen Ex-Verein, für den immer noch sein Herz schlägt, aber nicht vergessen. Noch fühlt sich für den Familienvater alles sehr surreal an.

„Es ist natürlich schon noch ungewohnt. Es war wieder einmal sehr schön, im Hanappi-Stadion spielen zu können. Ich habe mich über diese Chance sehr gefreut.“

Tägliche Fahrgemeinschaft von Wien nach Hartberg

Spielpraxis zu sammeln steht auf der Prioritätenliste des Rechtsverteidigers derzeit ganz oben. Nach zwei Liga-Spielen und dem Cup-Ausflug nach Wien hat sich Dober langsam wieder an die Strapazen des Profi-Geschäfts gewöhnt.

Schließlich bremste ihn, damals noch in Diensten von Rapid, eine Verletzung für längere Zeit aus. Nach seinem ausgelaufenen Vertrag mühte er sich durch Monate der Vereinslosigkeit.

„Mittlerweile geht es schon. Natürlich habe ich einmal zwei, drei Spiele gebraucht, um wieder reinzukommen. Ich bin fast zehn Monate gestanden und habe ein halbes Jahr kein Match in den Füßen gehabt. Aber schön langsam wird das wieder.“

Um in Hartberg wieder in die Spur zu finden, nimmt der ehemalige ÖFB-Teamspieler täglich eine Stunde Fahrt in Anspruch. „Es ist ja nur eine Stunde. Wenn ich um fünf Uhr am Nachmittag über den Gürtel in den 19. Bezirk fahre, fahre ich genauso lang“, meint Dober, der eine Übersiedlung in die Steiermark nicht in Betracht zieht.

"Mit Andi wird mir sicher nicht fad"

Ohne Führerschein ist er jedoch auf seine Mitspieler Vait Ismaili und Lukas Mössner angewiesen, mit denen er eine Fahrgemeinschaft bildet.

Mössner sieht Dober als Gewinn für die Mannschaft und verrät Details über die gemeinsame Autostrecke, die über den Wechsel führt:

„Naja, fad wird mir mit ihm sicher nicht. Er ist ein guter Typ und wir brauchen ihn auch in der Mannschaft. Ich kann sowieso gut mit ihm, da ich ihn schon länger kenne. Wir haben auf jeden Fall immer unsere Gaudi, aber am Platz wissen wir, dass es jetzt wirklich ernst ist“, so der Ex-Austrianer.

Schließlich steckt Hartberg tief im Abstiegsstrudel. Der Aufstieg im ÖFB-Cup gibt aber Hoffnung, dass endlich auch in der Meisterschaft der Durchbruch gelingt.

"Das bringt mich als Mensch und Fußballer weiter"

„Das wir aufgestiegen sind, ist super. Wir haben sehr diszipliniert gespielt. Wir sind heute wirklich einmal als Mannschaft aufgetreten, was uns in den letzten Spielen gefehlt hat. Wir haben verdient gewonnen“, fasst Dober die hart umkämpften 90 Minuten gegen die Rapid Amateure zusammen.

Für die Gäste wurde es das erwartet schwere Spiel gegen einen Gegner, der in dieser Saison bereits Bundesligist Wiener Neustadt und Erste-Liga-Klub WAC/St. Andrä ausschaltete.

„Man weiß, dass Rapid einen sehr guten Nachwuchs hat, jetzt noch zusätzlich durch die Akademie. Es waren sicher drei, vier Spieler dabei, die man bald in der Bundesliga sehen wird, wenn sie weiter Gas geben“, verspricht Dober einigen seiner ehemaligen Kollegen eine große Zukunft.

Der Verteidiger konzentriert sich nun aber voll und ganz auf die anstehenden Aufgaben in der Meisterschaft. Dem Druck des Abstiegskampfes war er bisher noch nie ausgesetzt.

„Es ist einmal eine neue Erfahrung. Das bringt mich als Mensch und Fußballer weiter. Aber wenn wir so kompakt spielen wie heute und nach vorne noch konzentrierter agieren, dann sehe ich der Zukunft sehr positiv entgegen.“


Alexander Karper

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