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Thiago Alcantara: Xavis legitimer Thronfolger

Wie es der Zufall wollte, erblickte Thiago Alcantara 1991 in Bari das Licht der Welt. Sein Vater Mazinho, der 1994 mit Brasilien Weltmeister wurde, spielte zu dieser Zeit in Italien für US Lecce.

Was folgte waren Jahre des Umzugs. Florenz, Sao Paulo, Valencia, Vigo, Elche, Salvador, Rio de Janeiro. Der junge Thiago hat eine wahre Odyssee hinter sich – richtig zuhause war er nirgendwo.

War, denn der 20-jährige hat seine Heimat längst gefunden – in der zweitgrößten Stadt Spaniens. Seit sechs Jahren schnürt der Jungspund für den FC Barcelona seine Schuhe. Die Katalanen erkannten früh, dass hier ein Talent mit außergewöhnlichen Fähigkeiten heranwächst.

Ein echter Künstler

Die spanische Zeitung „El Pais“ bezeichnet ihn als einen „Zirkusartisten, der immer für eine Attraktion gut ist, einen wagemutigen offensiven Mittelfeldspieler mit erstaunlicher Technik, jemanden dem man nur sehr schwer den Ball abnehmen kann und ihn noch schwerer davon abhalten kann, den Ball dorthin zu platzieren wo er möchte.“ Also ein bisschen Ronaldinho, ein bisschen Xavi, ein bisschen Iniesta und ein bisschen Messi  - ein echter Künstler eben.

Aber fußballerisches Können alleine reicht nicht aus, um es bei Barcelona zu schaffen. Die Stars der Zukunft müssen im Nachwuchs einige schwere Charakterprüfungen überstehen. Nur wer diese erfolgreich meistert, hat überhaupt die Chance im ersten Team der „Blaugrana“ aufzulaufen. Denn Barca will nicht nur komplette Fußballer, Barca will komplette Menschen.

Selbst sein größter Feind

Genau da hatte man bei Thiago lange Zeit Bedenken. Obwohl der 1,72 Meter kleine Spielmacher immer ein oder zwei Nachwuchskategorien höher spielte, sorgte man sich um seine Teamfähigkeit.

In Barcelonas Nachwuchsschmiede „La Masia“ wusste man, dass Thiago selbst sein größter Feind am Weg zu einem funkelnden Stern am internationalen Fußballhimmel ist. Aus diesem Grund verbündeten sich die Trainer gegen ihn, um ihm jenes Schicksal, das bereits einige hochtalentierte Spieler ereilte, zu verhindern. Mit Erfolg.

Auch dank des eigens für solche Fälle von Barca-Coach Pep Guardiola - 2007 als Trainer der zweiten Mannschaft – kreierten Drei-Phasen-Plans, während dem den Spielern immer wieder bewusst Steine in den Weg gelegt werden um deren Reifeprozess voranzutreiben.

Herausragende Entwicklung

Thiago hat diesen Test mit Bravour bestanden. Heute arbeitet der Mittelfeldakteur hart an sich selbst, ist bescheiden und lernwillig. Darum wurde er im Jänner dieses Jahres auch in die erste Mannschaft befördert.

 „Ich habe dem Klub so viel zu verdanken. Sie haben mich seit meiner Jugend trainiert und ausgebildet, sie haben mir letztes Jahr das Vertrauen geschenkt mich in das erste Team zu holen.“

Seither erzielte er drei Tore in fünfzehn Einsätzen für Barca und machte mit starken Leistungen auf sich aufmerksam.  Etwa beim 5:1-Sieg im Cup gegen Ceuta, zu dem er drei Assists beisteuerte, oder im Finale der U21-EM gegen die Schweiz, wo er mit einem Genieblitz Spanien den Titel sicherte.

Thiago Alcantara im spanischen Teamdress

Nur Augen für Barcelona

Im Sommer standen zahlreiche Top-Klubs, vor allem aus der Premier League, Schlange, um sich Thiagos Dienste zu sichern.

Doch das Objekt der Begierde hat „nicht einen Gedanken“ an einen Wechsel verschwendet: „Es ist nicht schön wenn man mit der Möglichkeit eines Abschieds konfrontiert wird. Schließlich ist Barca ein Traum für mich und ich liebe es hier zu sein.“

Wie sehr, stellte er vor kurzem mit seiner Vertragsverlängerung bis 2015 unter Beweis. 90 Millionen Euro beträgt seine festgeschriebene Ablösesumme seither.

Angst, im Starensemble von Barcelona nicht zum Einsatz zu kommen, hat Thiago keine: „Natürlich will ich immer spielen, aber ich sehe mich noch nicht als Starter. Um das zu sein, muss ich weiter hart an mir arbeiten. Auch wenn meine stärkste Position sicher die des Spielmachers ist, spiele ich dort, wo mich der Trainer einsetzt.“

Guardiola begeistert

Und der hält große Stücke auf den Jungspund. Während Barcelonas Vorbereitung in Deutschland und den USA baute Guardiola auf den 20-Jährigen. Der erwiderte das Vertrauen seines Trainers mit beeindruckenden Leistungen und riss diesen so zu wahren Begeisterungsstürmen hin.

 „Thiago ist ein außergewöhnlicher Spieler. Er ist aktuell in einer Phase, in der sich alles was er angreift in Gold verwandelt. Jeder Schuss den er zurzeit abgibt landet im Netz“, hob ihn sein Coach als „Star der Vorbereitung“ hervor.

Gleichzeitig trat der Erfolgstrainer aber auch auf die Bremse: „Wir müssen Schritt für Schritt mit ihm vorgehen. Er ist ein Spieler der ersten Mannschaft, darum muss er Qualitäten haben, aber er ist eben auch noch sehr jung und hat noch viel Raum für Verbesserungen.“

Nationalteam-Entscheidung gefallen

Trotzdem sind seine starken Auftritte für Barcelona auch Nationalcoach Vicente Del Bosque nicht verborgen geblieben. Darum hat er Thiago, der theoretisch auch für Italien und Brasilien spielen könnte, auch für das kommende Länderspiel am 10.August gegen Italien berufen. Dass ein vorschnelles Binden an Spanien der Grund dafür ist, bestreitet der 60-Jährige vehement: „Er ist einzig und allein wegen seiner Qualität und Leistung dabei. Thiago hat nach wie vor die Möglichkeit, sich für ein anderes Land zu entscheiden.“

Die Möglichkeit, denn Thiagos Entscheidung für Spanien spielen zu wollen steht längst fest. Schließlich hat er dort seine Heimat gefunden.

Wie es der Zufall will, führt ihn dies bei seinem ersten Auftritt mit der Furia Roja ausgerechnet dorthin zurück, wo vor 20 Jahren alles begann – nach Bari.

Christoph Walter

 

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