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"Ich möchte mich in Wien beweisen"

Der Wechsel von Florian Mader von Ried zur Austria in der vergangenen Woche kam überraschend und ohne Vorwarnung.

Für den Tiroler hatte der spontane Abschied aus dem Innviertel aber ein verbales Nachspiel.

Speziell Paul Gludovatz war nach dem Abgang seines Mittelfeld-Strategen unmittelbar vor dem wichtigen EL-Playoff-Hinspiel gegen PSV Eindhoven nicht gut auf den 28-Jährigen zu sprechen.

Für den Betroffenen nachvollziehbar, wobei die Kritik (LAOLA1 berichtete) überzogen gewesen war. „Mein Wechsel ist korrekt abgelaufen und hätte auch nicht anders ablaufen können“, verteidigt sich Mader.

Im LAOLA1-Interview spricht Austrias Neuerwerbung über den Blitz-Transfer nach Wien, seine Ziele bei den Violetten und seinen besten Freund.

LAOLA1: Florian, Herzlich Willkommen in Wien. Dein Transfer letzte Woche von Ried zur Austria ist für viele überraschend gekommen. Auch für dich?

Florian Mader: Es ist auch für mich sehr schnell gegangen. Austria hat Interesse bekundet und ein Angebot gestellt. Danach ist der Transfer rasch über die Bühne gegangen.

LAOLA1: Wie schwer ist dir der Abgang von Ried gefallen?

Mader: Ich habe mich in Ried sehr wohl gefühlt, hatte eine schöne und auch sehr erfolgreiche Zeit. Der Wechsel nach Wien war aber für mich der nächste, logische Schritt meiner Karriere. Ich möchte mich in Wien beweisen. Die Austria ist ein absoluter Traditionsverein. Deswegen habe ich mich auch recht schnell für einen Wechsel entschieden.

LAOLA1: Du hast erst im April deinen Vertrag in Ried bis 2013 verlängert. War deine Unterschrift auch eine Art Freundschaftsdienst, damit die Rieder mit dir Geld verdienen können und du im Sommer nicht ablösefrei wechselst?

Mader: Nein. Es war zu diesem Zeitpunkt eine gute Lösung . Ich habe gewusst, was ich an dem Verein habe. Wenn der Wechsel zur Austria nicht zustande gekommen wäre, hätte ich mich auch weiterhin in Ried sehr wohl gefühlt und alles für den Klub gegeben. Mit der Austria ist es dann – wie bereits erwähnt – sehr schnell gegangen. Zum jetzigen Zeitpunkt war es eine sehr gute Entscheidung. Deswegen bin ich gewechselt.

LAOLA1: Hat es neben der Austria auch noch weitere Angebote gegeben?

Mader: Im Frühjahr hat es noch weitere Interessenten gegeben. Es war aber nichts wirklich Konkretes dabei. Deswegen habe ich mich auch damals für die Vertragsverlängerung entschieden. Jetzt hat es nur das Angebot der Austria gegeben.

LAOLA1: Verstehst du, dass vor allem Paul Gludovatz nicht gerade erfreut über deinen Wechsel war?

Mader: Das kann ich nachvollziehen. Der Transfer ist vor einem ganz wichtigen Spiel passiert. Es war aber nicht möglich, die Situation anders zu lösen. Der Verein hat über meine Ausstiegsklausel bis 20. August Bescheid gewusst. Sie haben damit rechnen können bzw. müssen, dass bis dahin etwas passieren kann. Deswegen denke ich, dass es eine ganz normale Geschichte, die im Fußballgeschäft vorkommen kann, war. Es ist nichts Außergewöhnliches gewesen.

LAOLA1: Dein Abgang aus Ried ist dennoch nicht schön über die Bühne gegangen. Der Trainer hat dir vorgeworfen, dass du nicht mit offenen Karten gespielt hast. Bist du über diese Aussagen enttäuscht?

Mader: Ich kann es eigentlich nicht nachvollziehen. Ich kann Trainer Gludovatz verstehen, dass er enttäuscht ist, weil es eben kurz vor der Eindhoven-Partie war. Nach dem Angebot der Austria ist Ried aber sofort informiert worden. Es ist korrekt abgelaufen und hätte auch nicht anders ablaufen können.

LAOLA1: Du hast dich aber nicht einmal von deinen ehemaligen Teamkollgen verabschieden dürfen…

Mader: Ja, das ist richtig. Herr Gludovatz hat mir mitgeteilt, dass er mich am Spieltag nicht mehr sehen will. Das habe ich so akzeptiert. Sobald es sich ausgeht, werde ich aber nach Ried fahren und mich von den Kollegen verabschieden – mit einigen habe ich auch schon telefoniert.

LAOLA1: Bist du eigentlich traurig, dass du gegen den PSV Eindhoven nicht mehr spielen hast dürfen.

Mader: Natürlich ist ein bisschen ein weinendes Auge dabei. Es wäre eine schöne Herausforderung gewesen. Ich habe mich schließlich bis zum Abschlusstraining auf das Match vorbereitet und eigentlich davon ausgegangen, dass ich spielen werde. Es wäre eine schöne Sache gewesen, aber für mich war wichtig, dass ich eventuell für die Austria in der Gruppenphase spielberechtigt bin. Ich habe das Heimspiel jedenfalls gesehen und muss sagen, dass sie  sich sehr teuer verkauft haben. Mit etwas Glück wäre sogar ein Sieg möglich gewesen. Wenn ihnen in Eindhoven ein Tor gelingt, ist alles möglich.

LAOLA1: Oliver Glasner hat am Dienstag sein Karriereende bekanntgegeben. Hat man nach seiner Verletzung damit rechnen können?

Mader: Ich denke schon. So wie ich Oliver kenne, hat er aber lange mit sich gekämpft, bevor er diesen Entschluss gefasst hat. Er ist ein absoluter Profi und liebt den Fußball. Es war allerdings nach der ganzen Geschichte der richtige Schritt. Er braucht jedoch vor dem Leben nach dem Fußball keine Angst haben. Er war darauf vorbereitet. Ihm stehen viele Möglichkeiten offen.  Ich hätte an seiner Stelle wohl genauso auf die Situation reagiert.

LAOLA1: Kommen wir zu deinem neuen Klub. Bei der Austria erwartet dich ein beinharter Kampf ums Leiberl. Freust du dich auf diese Herausforderung?

Mader:  Ja, klar. Ich war mir aber auch bewusst, dass ich um einen Startplatz kämpfen muss. Bei so einem Klub sind alle Positionen doppelt und dreifach besetzt. Ich werde mich dem Konkurrenzkampf stellen und mein Bestes geben. Ich versuche mich so schnell wie möglich aufzudrängen, damit mich der Trainer in die Startformation stellt. Es ist jedenfalls eine sehr reizvolle Aufgabe.

LAOLA1: In Wien triffst du mit Pascal Grünwald einen alten Weggefährten aus deiner Zeit in Innsbruck wieder…

Mader:  Wir kennen uns seitdem wir 14 Jahre alt sind. Er ist eigentlich mein bester Freund. Ich freue mich, dass wir jetzt wieder in einer Mannschaft spielen.

LAOLA1: Hast du dir Informationen von ihm über die Austria geholt?

Mader:  Nein. Das war nicht notwendig. Wir sind sowieso die ganze Zeit in Kontakt gewesen und er hat mir laufend von der Austria erzählt. Die Rückmeldungen waren durchwegs positiv. Die Austria ist ein Top- und Vorzeigeklub in Österreich.

LAOLA1: Du hast dein Debüt beim 3:0-Erfolg gegen Rapid gefeiert. Ein schöner Einstand…

Mader:  Das war ein tolles Gefühl. Viel besser hätte es nicht sein können. Die Mannschaft hat es mir nach meiner Einwechslung sehr leicht gemacht. Es war wirklich ein tolles Erlebnis.

LAOLA1: Wie kannst du der Mannschaft weithelfen? Wo liegen deine Stärken?

Mader:  Ich kann mich vor allem defensiv sehr gut im Mittelfeld einbringen. Zudem würde ich sagen, dass ich gute Standards treten kann und einen starken linken Fuß habe. Ich denke, dass könnte der Austria gut tun und hoffe, dass ich ihnen helfen kann.

LAOLA1: Im Europacup nimmt man nach dem 3:1 gegen Gaz Metan Medias Kurs auf die Gruppenphase. Bist du vom Aufstieg überzeugt?

Mader:  Das Resultat im Hinspiel und vor allem die Art und Weise, wie die Austria den Gegner beherrscht hat, stimmt uns alle zuversichtlich. Dennoch muss man vorsichtig sein und voll konzentriert an die Sache gehen – dann sollte es mit dem Aufstieg klappen.

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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