David Villa, der Gnadenlose

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"Man muss leiden, bevor man etwas erreichen kann"

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Wenn es am Samstag ins große La-Liga-Finale zwischen dem FC Barcelona und Atletico Madrid geht, werden etliche Geschichten geschrieben werden.

Erst zum dritten Mal in der 86-jährigen Geschichte der Primera Division wird die Meisterschaft in einem direkten Duell am letzten Spieltag entschieden, zum ersten Mal seit 1951.

!!! Samstag, 18 Uhr auf LAOLA1.tv: FC Barcelona - Atletico Madrid !!!

Einer, der seine ganz persönliche Erfolgsstory perfekt machen kann, ist David Villa. Bei den Katalanen erlebte der Rekordtorschütze der spanischen Nationalmannschaft viel Licht, aber auch Schatten.

Dass er gegenüber seinem ehemaligen Klub jedenfalls keine Gnade kennt, bewies er schon beim sensationellen Weiterkommen im Champions-League-Viertelfinale.

"Villa Maravilla"

Als David Villa 2010 zum FC Barcelona wechselte, war er schon längst kein Talent mehr. Der damals 28-Jährige kam um satte 40 Millionen Euro vom FC Valencia und war frischgebackener Weltmeister mit dem spanischen Nationalteam.

Bei den Katalanen schlug "Villa Maravilla", sinngemäß das "Wunder David Villa",  voll ein und erlebte das Ausklingen des erfolgreichsten Abschnitts der Vereinsgeschichte aus erster Hand mit. Im Starensemble machte er nicht nur einmal den Unterschied aus.

Als würde der Gewinn der Meisterschaft und der Supercopa in seiner ersten Saison nicht reichen, schoss er sich mit dem dritten Tor beim 3:1 über Manchester United im Champions-League-Finale 2011 endgültig ins Herz der „Cule“, wie sich die Fans der Katalanen nennen.

Der Bruch

Aber der Knackpunkt ließ nicht allzu lange auf sich warten. Im Halbfinale der Klub-Weltmeisterschaft brach er sich im Dezember 2011 das Schienbein und versetzte damit nicht nur den FC Barcelona, sondern auch das vor der Euro 2012 stehende Spanien unter Schock.

Für einen 30-Jährigen kann eine derart schwerwiegende Verletzung schon mal das Karriereende bedeuten, und auch wenn es zu diesem Zeitpunkt keiner aussprechen wollte, zweifelte man im Verein an einer vollständigen Genesung.

Villa schob derartige Gedanken beiseite. "Man muss erst leiden, bevor man etwas erreichen kann", sagte er einmal. Martialische Lehren aus einer schweren Verletzung, die er als Zehnjähriger erlitt. Bei einem Jugendspiel zog er sich einen komplizierten Oberschenkelbruch zu und musste 40 Tage im Krankenhaus verbringen.

Sogar eine Beinamputation schien damals nicht ausgeschlossen und drohte seine Karriere zu beenden, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Doch die behandelnden Ärzte retteten sein Bein, das seitdem um zwei Zentimeter kürzer ist.

Villa ist nicht mehr glücklich

Im harten Geschäft Profifußball sind derartige Geschichten allerdings wenig wert. Obwohl er bei seinem Comeback bereits nach zehn Minuten gegen Real Sociedad netzte, wurde mit der Zeit immer deutlicher, dass sich etwas verändert hatte.

Dass vor Guardiolas einjähriger Auszeit und der Amtsübernahme durch den mittlerweile verstorbenen Tito Vilanova bekannt wurde, dass der nunmehrige Bayern-Coach vor seinem Abgang einen Transfer von Villa gefordert hatte, trübte die Stimmung nachhaltig.

Der Champions-League-Sieg war Villas Höhepunkt bei Barca

Immer wieder kam es zu kleineren Scharmützeln mit seinen Teamkollegen auf dem Platz, insbesondere mit Lionel Messi. Die Rolle des stolzen Spaniers im Schatten von Messi, der in dieser Phase medial zum katalanischen Alleinherrscher stilisiert wurde, nagte genauso an ihm, wie die durch Vilanova stetig vorangetriebene Entwicklung zum Ballbesitz-Fußball in Reinkultur.

Dennoch bewies Villa, dass er am Platz nichts von seiner Qualität eingebüßt hat. Obwohl er in seiner letzten Saison in Barcelona 17-mal erst in der Schlussphase ein-, und genauso oft ausgewechselt wurde, kam der Scharfschütze zu 16 Torerfolgen und neun Assists. Doch letztendlich wollte er einfach nur Fußball spielen.

Barca stärkt die Konkurrenz

Es versteht sich von selbst, dass etliche Klubs Schlange stehen, wenn ein Weltklassestürmer zur Transferzeit seinen Unmut bekundet.

In der Winter-Transferperiode klopfte unter anderem der FC Arsenal kräftig an die Tür der Katalanen. Im Gepäck hatten die Londoner rund 14,5 Millionen Euro, um Villa in die englische Hauptstadt zu lotsen.

Doch Barcelona schob dem Wechsel einen Riegel vor und vertröstete ihn mit Ausblick auf den Sommer. Zu wichtig wäre für die Mannschaft, um sie während der laufenden Saison zu verlassen. Dafür würde man ihm später keine Steine in den Weg legen.

Mit dem Meistertitel im Gepäck reiste Villa schließlich nach der Saison für rund zwei Mio. Euro Ablöse, gespickt mit verschiedensten Klauseln, in die spanische Hauptstadt. Kaum einer ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass mit der von Diego Simeone trainierten Elf ausgerechnet der härteste Konkurrent der neuen Saison gestärkt wird.

"El Guaje" kennt keine Gnade

Bei Barcelona pflügte Villa als einzige nominelle Spitze durch die Offensivreihen und schoss dennoch Tor um Tor, bei Atletico fand er mit Diego Costa nun einen kongenialen Partner vor, der die schmutzige, aufreibende Arbeit an vorderster Front übernimmt.

Mit seiner Erfahrung wusste er schnell um seine Rolle in Simeones homogenen Team und seine Mitspieler taten ihr übriges, um ihn so gut als möglich in die Mannschaft zu integrieren.

Im ersten Aufeinandertreffen hatte er mit seinem Ex-Klub kein Erbarmen. Das Hinspiel der letztendlich von Barca gewonnenen Supercopa machte klar, dass das Verweigern des Jubels für den authentischen Spanier keine Option ist. Nach seinem 1:0 durch einen eiskalten Volleyschuss drehte er Richtung Kurve ab und ließ keine Zweifel aufkommen, wo seine neue Heimat liegt.

Aber genau das zeichnet ihn aus. „El Guaje“ (Der Bursche, Anm.) lebt für den Fußball und das bedeutet, auch immer für seinen aktuellen Verein, für den sich die Kämpfernatur die Lunge herausrennen würde.

Der Einbruch bleibt aus

Im Herbst hatte er mit acht Toren maßgeblichen Anteil am Erfolgslauf seines neuen Klubs, der mit acht Siegen in die Liga gestartet war und damit nur knapp den Startrekord verpasst hat.

Lange warteten mit dem FC Barcelona und Real Madrid die Platzhirsche der Liga auf einen Einbruch der Rojiblancos, doch die traten in dieser Saison endgültig aus dem Schatten der ungeliebten Rivalen.

Das erste Ligaspiel zwischen Villas altem und neuem Verein endete nach einer Taktik-Schlacht torlos, sollte aber nur Vorgeplänkel für die kommenden Duelle sein. Die Auslosung für das Champions-League-Viertelfinale bescherte den Teams zwei weitere Aufeinandertreffen.

Der Ausgang ist bekannt. Mit kämpferischen und taktischen Höchstleistungen setzte Atletico den Weg ins Endspiel fort. Dabei trat er erneut entscheidend in Erscheinung, als er das 1:0 im Rückspiel mit einer mustergültigen Flanke einleitete.

Barcas emotionale Achterbahnfahrt

Im Saisonfinale kann er seinen Ex-Klub nun endgültig ins Tal der Tränen schießen und seinen dritte La-Liga-Titel fixieren.

Die Spielzeit der Blaugrana, mit einem langsam abmontierten Trainer Tata Martino, niemals enden wollender Diskussionen um die Gesundheit von Lionel Messi, dem öffentlichen Abschreiben des Meistertitels und allem voran dem tragischen Ableben von Tito Vilanova, gleicht ohnehin schon einer emotionalen Achterbahnfahrt.  

Nicht auszudenken, wenn ausgerechnet David Villa das Camp Nou am Samstag zum Schweigen bringen würde. Ob die Barca-Anhänger ihm dann noch immer freundlich gesinnt sind?

!!! Samstag, 18 Uhr auf LAOLA1.tv: FC Barcelona - Atletico Madrid !!!

 

 

Niki Riss

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