Der "Verminator": Triple-Sieger mit einem Spiel

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Wir schreiben den 23. Mai 2015.

Am letzten Spieltag der La-Liga-Saison empfängt der FC Barcelona Deportivo La Coruna.

Ein neues Gesicht steht in der Startelf des Meisters: Thomas Vermaelen. Knapp ein Jahr nach seiner Verpflichtung gibt der Belgier endlich sein Debüt. In der 65. Minute wird er ausgewechselt. Mehr ist aufgrund der langen Verletzungspause nicht drin.

65 Minuten, die ausreichen, um den 29-Jährigen offiziell als Triple-Sieger bezeichnen zu können. Champions League, Meisterschaft, Copa del Rey.

Vermaelen hat in der letzten Saison mehr Titel gewonnen als Spiele absolviert.

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„Ich fühle mich nicht als Triple-Sieger“

Mittlerweile konnte der Innenverteidiger, der auch links spielen kann, die Ausbeute mit dem europäischen Supercup auf vier Pokale steigern. Immerhin hat er heuer auch schon drei Partien für Barca bestritten. In der letzten Runde gegen Malaga schoss der Abwehrspieler seinen Klub sogar zum 1:0-Sieg.

„Offiziell bin ich natürlich Triple-Sieger, aber mein Beitrag dazu war nicht groß. Ehrlich gesagt fühle ich mich gar nicht so, als wären das auch meine Titel. Aber ich freue mich für meine Mannschaft und den Klub“, so Vermaelen.

Der Flame, der in der Nähe von Antwerpen aufgewachsen ist, hat eine langwierige Leidenszeit hinter sich. Bei der WM 2014 zog er sich im zweiten Gruppenspiel gegen Russland eine vermeintliche Bänderzerrung im Oberschenkel zu. Sieben bis zehn Tage werde er ausfallen, meinten die Ärzte. Ein Trugschluss.

Spott für Barca

Die Verletzung stellte sich als Riss heraus. Barca verpflichtete ihn dennoch. Eine Entscheidung, mit der sich der Klub viel Spott einhandeln sollte. Denn je länger die Saison andauerte, umso offensichtlicher wurde, dass die Katalanen 19 Millionen Euro samt Fünfjahres-Vertrag in einen Dauer-Verletzten investiert hatten.

Die Klubärzte empfahlen Vermaelen zunächst, auf eine Operation zu verzichten. Im Dezember führte schließlich aber kein Weg mehr daran vorbei. Der Eingriff bedeutete zusätzliche fünf Monate Pause.

„Du kommst zu einem neuen Klub und willst beweisen, was du kannst. Das geht aber nicht, weil du verletzt bist. Es war eine harte Zeit“, erinnert sich der Belgier zurück.

Genesungswünsche des Teams

„Ich bin allen Mitarbeitern des Klubs für das Vertrauen unendlich dankbar. Die Jungs in der Kabine haben mich immer voll unterstützt. Alleine, wenn man sich an dieses Foto zurückerinnert, als sie vor dem Spiel gegen Espanyol T-Shirts mit Genesungswünschen an mich trugen. Das hat mir viel Kraft gegeben.“

Arsenals „Bankerlwärmer“ als Verstärkung für Barca?

Schon in der Saison vor seinem Engagement bei Barca hatte Vermaelen mit Verletzungsproblemen zu kämpfen. Nicht nur deswegen verlor er bei Arsenal seinen Stammplatz. Als nomineller Kapitän war er nur mehr die Nummer drei in der Innenverteidigung hinter Laurent Koscielny und Per Mertesacker.

Umso überraschender kam für viele Fans der Wechsel zu den „Blaugrana“. Ein „Bankerlwärmer“ von Arsenal als Verstärkung für Barca? Das ließ viele zweifeln.

Bei genauer Betrachtung machte der Transfer jedoch Sinn. Vermaelen passt perfekt zu den Katalanen. Sowohl von seinen sportlichen als auch von seinen charakterlichen Eigenschaften.

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Das Gegenteil von Ibrahimovic

„Ich fuhr mit meinem Ferrari auf den Parkplatz, da standen aber nur billige Kleinwagen“, berichtete Zlatan Ibrahimovic von seiner Ankunft in Barcelona. Dem exzentrischen Superstar schmeckte die dort gepredigte Bescheidenheit überhaupt nicht. Ein Musterprofi wie Vermaelen liebt dagegen solch ein Umfeld.

Sein erstes Gehalt hat er auf der Bank gebunkert. „Ich gehe nicht raus und werfe mit dem Geld verrückt um mich“, sagt der Sohn eines Installateurs gegenüber der offiziellen Barca-Homepage. Den einzigen Luxus, den er sich gönnt, ist die Mitgliedschaft bei einem Golf-Klub. „Wenn ich meine Karriere beende, will ich Golf spielen. Ich liebe es.“

Auch auf dem Platz entspricht Vermaelen dem Anforderungsprofil des Vereins. Der 29-Jährige ist ein Offensiv-Verteidiger, wie er im Buche steht: Schnell, wendig, passsicher und mit Drang nach vorne. Er will die Bälle abfangen, noch bevor sie beim Stürmer ankommen. Eine Spielweise, die viel Risiko mit sich bringt. Denn verpasst der Abwehrspieler die Kugel, so hinterlässt er im Defensivverbund ein gefährliches Loch.

Torgefährlicher „Verminator“

Vermaelen profitiert davon, mit Ajax und Arsenal schon bei Vereinen mit einer ähnlichen Spiel-Philosophie unter Vertrag gestanden zu sein. „Auch diese Mannschaften wollen lange Bälle sowie körperbetonten Fußball verhindern und stattdessen spielerisch überzeugen, um so viele Tore wie möglich zu erzielen.“

Mit seinem Treffer gegen Malaga trug der Verteidiger ganz persönlich dazu bei. Seine Torgefährlichkeit stellte Vermaelen, der ebenso wie Jan Vertonghen (Tottenham) und Radja Nainggolan (Roma) der Nachwuchsschule von Germinal Beerschot entstammt, bereits bei Arsenal unter Beweis.

In seinem ersten Jahr für die „Gunners“ erzielte er acht Saisontreffer. Dabei profitierte der „nur“ 1,83 m große Defensivspieler von seiner Kopfballstärke. Angesichts seiner enormen Sprungkraft wurde er von den Arsenal-Fans nicht umsonst „Verminator“ getauft.

Gegen Atletico in der Startelf

„Wir wussten von seinen Qualitäten, als wir ihn verpflichtet haben. Unglücklicherweise war er lange Zeit verletzt. Es ist einer dieser Zufälle des Lebens, dass er uns zum Sieg geschossen hat“, meinte Barca-Coach Luis Enrique nach dem 1:0 gegen Malaga.

Nun wartet mit dem Auswärtsspiel gegen Atletico (heute ab 20:30 Uhr im LIVE-Video bei LAOLA1.tvder erste Schlager der neuen La-Liga-Saison auf Vermaelen und Co. Aufgrund der Sperre von Gerard Pique wird der Belgier wieder neben Javier Mascherano in der Startelf stehen.

Endlich kann er nach seiner langen Verletzungspause zeigen, was in ihm steckt. Der vermeintliche Transferflop könnte den Katalanen in dieser Saison noch viel Freude bereiten.

 

Jakob Faber

 

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