Der Haken am Engagement von Messias Lim

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Mehr als 2.000 Menschen warten vor dem Estadio Mestalla. Endlich fährt die Limousine vor. Aus dem Wagen steigt ein Mann, den sie in Valencia als Messias feiern. Er soll den Klub in eine neue goldene Ära führen. Die Fans skandieren seinen Namen, es wird gekreischt, sie jubeln ihm zu.

„Benvingut Peter“, heißt es später auf einer Choreografie im Stadion. Gemeint ist nicht etwa ein neuer Trainer oder eine prominente Spieler-Verpflichtung. Die Valencia-Anhänger begrüßen den neuen Eigentümer ihres Vereins – Peter Lim.

Der 1,7 Milliarden Euro schwere Unternehmer aus Singapur hat am 25. Oktober 2014 für 94 Millionen Euro 70 Prozent der Klub-Aktien gekauft. Ausländische Investoren werden nicht allerorts so freundlich empfangen wie in Valencia. Man denke nur an die Querelen der US-amerikanischen Glazer-Dynastie bei Manchester United oder das Beispiel RB Leipzig.

Doch Lims pompöser Empfang hat einen guten Grund.

Verein steuerte auf den Kollaps zu

Denn der Geschäftsmann übernahm nicht nur den FC Valencia, sondern auch dessen Schulden. Dabei handelt es sich nicht gerade um Peanuts: Insgesamt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf stolze 200 Millionen Euro.

Die spanische Immobilienkrise hat ihre Spuren hinterlassen. Eigentlich wollte der Klub das mitten in der Stadt gelegene alte Stadiongelände um 400 Millionen Euro verkaufen, um damit Altlasten zu tilgen und eine neue Arena mit 70.000 Plätzen zu bauen.

Doch der spanische Bau-Boom nahm 2008 ein jähes Ende. Valencia fand keinen Käufer für das alte Stadion und blieb auf den Schulden sitzen. Aufgrund der finanziellen Probleme wurde 2009 der Bau des „Nou Mestalla“ gestoppt. Anstatt einer rosigen Zukunft samt neuer Arena, die 2010 hätte fertig werden sollen, steuerte der Klub auf den absoluten Kollaps zu. Jahr für Jahr musste der UEFA-Cup-Sieger 2004 die besten Spieler, wie David Villa oder David Silva, abgeben. Die satten Transfererlöse flossen direkt zu den Gläubigern.

Fans protestieren für Lim

„Der FC Valencia kann zum jetzigen Stand keinen einzigen Euro mehr bezahlen“, sagte Präsident Amadeo Salvio am 24. Jänner dieses Jahres. 8000 Leute waren zu einer Mitglieder-Vollversammlung ins Mestalla gekommen. Salvio präsentierte ihnen die seiner Meinung nach einzige Möglichkeit, wie der Verein noch zu retten wäre: Der Verkauf an einen ausländischen Investor.

Am Ende des Abends war der Deal beschlossene Sache. Im Mai wurde Lim als neuer Eigentümer vorgestellt, doch die Gläubiger-Bank Bankia stimmte dem Deal noch nicht zu. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge. Der Unmut der Fans wuchs. Schließlich gingen die Anhänger der „Che“ sogar auf die Straße, um für den neuen Eigentümer zu protestieren. Das sollte sich am Ende bezahlt machen.

Lim gemeinsam mit Präsident Salvio auf der Tribüne

Warum tut Lim das?

Es scheint so, als hätte Lim das Paradies auf Erden nach Valencia gebracht. Doch was sind die Motive hinter seinem Engagement? Ist der Superreiche nur ein Philanthrop, der den Valencia-Fans etwas Gutes tun will?

Mitnichten. Hinter Lims Übernahme steht auch ein Geschäftsinteresse. Das Stichwort lautet „Third Party Ownership“. Seine Firma Meriton hält nämlich nicht nur Anteile am FC Valencia, sondern auch an diversen Spielern. Im Jänner kaufte Lim um 55 Millionen Euro die Rechte an den Benfica-Profis Gomes, Rodrigo und Joao Cancelo, um die drei im Sommer von Portugal nach Spanien zu transferieren. Auch die von Benfica an La Coruna respektive Monaco verliehenen Profis Ivan Cavaleiro und Bernado Silva sind im Besitz von Lims Holding.

Es ist kein Zufall, dass alle genannten Spieler vom portugiesischen Rekordmeister kommen. Dort treibt der berüchtigte Spielerberater Jorge Mendes sein Unwesen. Mendes, der auch Cristiano Ronaldo vertritt, arbeitet mit Lims Unternehmen intensiv zusammen.

Spekulation mit Spieler-Aktien

Das Kalkül hinter dem Handel mit Spielerrechten ist klar: Firmen, wie jene von Lim, investieren in aufstrebende Talente, um sie anschließend teuer weiterzuverkaufen. Als berühmtestes Beispiel hierfür gilt Doyen Sports und deren Schützling Falcao (siehe hier).

Lims Einstieg in dieses Geschäft macht Sinn, verdankt er doch nahezu sein gesamtes Vermögen gewinnbringenden Spekulationen. Schon 2010 versuchte der passionierte Sportfan einmal, einen Fußballklub zu kaufen. Damals blitzte er jedoch beim FC Liverpool ab.

Vor dem Spiel gegen Elche wurde das Umschuldungsabkommen zwischen Bankia und Lims Unternehmen, der Meriton Holdings Limited, endlich unterzeichnet. „Er kam hierher wie das Licht in die Dunkelheit. Sein guter Wille wird Valencia die Ressourcen geben, um auf einem höheren Level mitzuspielen“, frohlockt Journalist Pascual Calabuig. Dessen Kollege Conrado Valle meint gar: „Valencia hat jemanden wie ihn gebraucht. Die Leute fühlen, dass er den Fußball liebt.“

Mit Lims Geld zurück in eine golden Ära

Nach dem 3:1-Erfolg über Elche schaute der Messias selbst sogar in der Kabine vorbei. Als Einstandsgeschenk erhielt jeder Spieler ein Miniaturmodell des 12C-Sportwagens von McLaren – alle Objekte handgefertigt und je 10.000 Euro wert. An der britischen Autofabrik hält Lim ebenfalls Anteile.

„Ich bin glücklich, dass ich ihn endlich kennenlernen durfte. Er ist sehr begeistert und freut sich darauf, Valencia endlich wieder unter den besten Mannschaften in Europa zu sehen“, erklärt Mittelfeldspieler Dani Parejo euphorisch. Passend zur Aufbruchsstimmung spielt auch die Mannschaft momentan äußerst erfolgreichen Fußball.

Vor dem Spiel gegen Bilbao am Sonntag (ab 19 Uhr LIVE bei LAOLA1.tv) liegt das Team des portugiesischen Trainers Nuno Santo in der Tabelle nur einen Punkt hinter Leader Real auf Rang zwei. Auch dafür ist gewissermaßen Lim verantwortlich.

Transfers im Sommer

Mit seinem Geld holten die „Fledermäuse“ im Sommer - schon vor Lims offiziellen Engagement - prominente Neuzugänge wie Alvaro Negredo (ManCity), Andre Gomes und Rodrigo Moreno (beide Benfica) sowie den deutschen Weltmeister Shkodran Mustafi (Sampdoria).

„Wir haben gewusst, dass uns Juan Bernat (FC Bayern, Anm.) und Jeremy Mathieu (FC Barcelona, Anm.) verlassen werden“, meint Sportdirektor Rufete. Deswegen habe man sich gezielt nach Verstärkungen umgesehen.

„Aber ich glaube nicht, dass Valenica nun reich ist. Das ist nicht das Konzept unseres Klubs. Was man braucht, sind Zeit, ein gutes Umfeld und harte Arbeit. Verpflichtungen, wie jene von Negredo sind das Zusammenspiel aus einem Plan und dem Geld von Peter Lim.“ Ohne Lim wäre der Negredo-Transfer nicht zustande gekommen, gibt Rufete zu.

Nun ist beim FC Valencia die Übernahme gelungen. Der Verein bietet Lim die ideale Plattform, um die Produkte seiner Holding potenziellen Interessenten zu präsentieren. Im Mestalla sollen seine Spieler-Aktien ihren Wert steigern, indem sie sich fußballerisch weiterentwickeln.

Außerdem sichert sich Lim, dem nicht nur 25 Ferraris, sondern auch diverse Manchester-United-Themen-Bars gehören, mit dem Kauf der „Che“ rechtlich ab. Schon seit längerem versucht die FIFA gegen den Handel mit Spielerrechten vorzugehen. Die sogenannte „Third Party Ownership“ soll verboten werden. In diesem Fall kann die Meriton Holding ihre Geschäfte einfach über den FC Valencia weiterlaufen lassen. Die Investitionen würden sich weiterhin rentieren.

Die Sache könnte einen Haken haben

Lims Übernahme des FC Valencia hat die Verantwortlichen in der spanischen Hafenstadt von längst vergangenen Zeiten träumen lassen. Zeiten, in denen die „Fledermäuse“ bis ins Finale der Champions League vorgestoßen sind. Die Fans bejubeln den Geschäftsmann aus Singapur. Sogar das längst zur Ruine verkommene neue Stadion will Lim bis 2019 fertigstellen lassen.

Wie die meisten Sachen könnte jedoch auch diese einen Haken haben. Valencia muss aufpassen, nicht einfach zum Farmteam von Lims Meriton Holding zu werden. Wie gefährlich das Spiel mit finanzkräftigen Investoren aus dem Ausland ist, zeigt das Beispiel aus Malaga.

Dort verlor Klubeigentümer Al Thani schnell wieder das Interesse am Geschäft mit dem Fußball. Das führte zu Zwangsverkäufen von Spielern und indirekt zur Sperre der UEFA aus allen internationalen Bewerben aufgrund des Financial Fair Play. Valencia darf nicht Malaga werden.

 

Jakob Faber

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