10 Gründe, warum Rayo Vallecano ein Kult-Klub ist

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Real, Barca, Atletico – immer wieder drehen sich die Geschichten zur spanischen La Liga um dieselben Klubs.

Abseits der großen Stars gibt es jedoch auch die heimlichen Helden des spanischen Fußballs.

Spieler, die auf der Straße gegen Sparmaßnahmen der Regierung demonstrieren. Ein Trainer, der selbst gegen den FC Barcelona seinem Offensiv-Fußball treu bleibt. Und Fans, die mit kreativen Plakaten absurde Anstoßzeiten verspotten.

Solche Geschichten schreibt in Spanien vor allem ein Klub – Rayo Vallecano. Der Verein aus dem Madrider Vorstadtviertel ist Kult.

LAOLA1 kennt zehn wissenswerte Dinge über den „spanischen FC St. Pauli“, für den einst auch Toni Polster kickte:

>>>Rayo Vallecano vs. Real Madrid - Mittwoch, 22 Uhr im LIVE-Video bei LAOLA1.tv<<<

 

  • SLUM VON MADRID

Früher hingen hier Wäscheleinen zwischen heruntergekommenen Bauten, die Straßen waren dreckig und die Menschen arm. Der Stadtteil Vallecas galt als Slum von Madrid. Mittlerweile haben sich die Lebensbedingungen gebessert, doch noch immer rühmt sich das Viertel im Süden der Hauptstadt als Arbeiterhochburg. Auf zwei Dinge sind sie ganz besonders stolz: Den Widerstand, den der erst in den 1950er-Jahren eingemeindete Stadtteil gegen die Franco-Diktatur leistete und den Fußballklub, der den Namen des Viertels trägt – Rayo Vallecano.

  • WER NICHT HÜPFT, IST EIN FASCHIST

Diese sozialistische Tradition macht sich auch innerhalb der Fan-Szene bemerkbar. Die Rayo-AnhängerInnen stellen ihre linke Gesinnung im Stadion offen zur Schau. Sie schwenken Che-Guevara-Fahnen und organisieren Anti-Rassismus-Initiativen. „Wer nicht hüpft, ist ein Faschist“, singen die Bukaneros genannten Rayo-Ultras gerne. Nicht umsonst werden die Fans oft mit jenen des FC St. Pauli verglichen. Auch die Musikgruppe Ska-P zählt zu den regelmäßigen BesucherInnen im Stadion. Die Band hat dem Klub mit "Como un Rayo" eine Vereinshymne geschrieben.

  • BESUCH VON DEN SIMPSONS

Den Bukaneros sind nicht nur Faschisten ein Dorn im Auge, auch die TV-freundlichen Anstoßzeiten der Liga schmecken den Fans überhaupt nicht. Vor allem gegen späte Match-Termine und Spiele am Montagabend richtet sich der Protest. Dabei gehen die Bukaneros durchaus kreativ vor. Simpsons-Plakate (siehe Diashow) sind ebenso ein probates Mittel wie Tickets, die ausschließlich mit Cent-Münzen gekauft werden. Unterstützung bekommen sie in ihrem Anliegen von Trainer Paco Jemez. „Die Anstoßzeiten sind eine verdammte Sauerei!“, polterte dieser zuletzt.

  • INSOLVENZ

Vor vier Jahren stand der Verein kurz vor dem Aus. Nachdem die frühere Eigentümer-Familie in Folge der Finanzkrise bankrott ging, musste auch der Klub Insolvenz anmelden. Die Spieler verzichteten damals auf Gehälter, damit  wenigstens den Vereins-MitarbeiterInnen ihr Gehalt ausgezahlt werden konnte. Ausgerechnet in dieser schwierigen Saison gelang der Aufstieg in die oberste Spielklasse. Seitdem wird unter neuer Führung vorsichtiger gewirtschaftet. Das Insolvenzverfahren wurde mittlerweile erfolgreich abgeschlossen. Der Klub steht auf gesunden Beinen. Als zweitärmstes Team der Liga (unmittelbar hinter Aufsteiger SD Eibar) gelingt es Rayo jedes Jahr aufs Neue, sich von der Abstiegszone fern zu halten.

  • KULT-COACH PACO JEMEZ

Großen Anteil am sportlichen Erfolg hat Trainer Jemez. Der 44-Jährige gilt als irrer Angriffs-Dogmatiker, von dem sich sogar Pep Guardiola begeistert zeigt. In Marti Perarnaus Buch „Herr Guardiola“ bezeichnet der Bayern-Coach seinen Vallecano-Kollegen als einen der wenigen Trainer, der das von ihm verehrte „offensive Positionsspiel“ (= den Gegner in dessen eigener Hälfte mit viel Ballbesitz dominieren) pflegt. Jemez nimmt sich zudem in der Öffentlichkeit kein Blatt vor den Mund. Beispielsweise bezeichnete er es als „peinlich“, dass Zinedine Zidane die zweite Mannschaft Reals trainiert, obwohl dieser keine dafür nötige Trainer-Lizenz besitzt.

  • SPIELER GEHEN DEMONSTRIEREN

Nicht nur die Fans sorgen bei Rayo mit Protesten für Aufsehen, auch die Spieler sind Demonstrationen nicht abgeneigt. Im März 2012 nahm die gesamte Mannschaft an einem General-Streik teil, um gegen die Sparmaßnahmen der Regierung ein Zeichen zu setzen. Anstatt zu trainieren, schlossen sich die Fußball-Profis dem Demonstrationszug an. „Das ist die richtige Entscheidung, wir stehen alle dahinter“, sagte der damalige Torwart Joel Robles, der aktuell bei Everton im Kader steht.

  • WOHNUNG FÜR 85-JÄHRIGE

Das Image vom volksnahen Arbeiterklub stellte Rayo erst im letzten Dezember unter Beweis, als der Verein eine 85-jährige Dame vor der Obdachlosigkeit bewahrte. Der Pensionistin Carmen Martinez wurde aufgrund der Schulden ihres Sohnes die Wohnung gepfändet. Die Vallecano-Anhängerin stand kurz vor ihrem Ruin, doch ihr Herzensklub leistete Hilfe. „Wir wollen nicht einfach tatenlos zusehen, sondern handeln“, erklärte Trainer Jemez. Gesagt, getan. Der 85-Jährigen wurde eine neue Wohnung gesucht, für die nun der Verein die Miete zahlt. „Wenn ich Paco sehe, dann bekommt er 40 Küsse von mir“, bedankte sich die überglückliche Frau Martinez.

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  • ARM, ABER GUT

Cristiano Ronaldo verdient in einem Jahr ungefähr doppelt so viel Geld, wie Rayo Vallecano für alle Ausgaben zusammen zur Verfügung steht. Medienberichten zufolge soll das Budget des Madrider Vorstadtklubs bei acht Millionen Euro liegen. Damit würde der Verein nicht einmal in der österreichischen Bundesliga vorne mitmischen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, setzt man auf viele Leih-Spieler. Mit Gael Kakuta (Chelsea), Lica (Porto) und Leo Baptistao (Atletico) gehören einige davon zu den wichtigsten Leistungsträgern. Top-Torjäger Alberto Bueno, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, wird derzeit von einigen Klubs umworben.

"Gewinnen nur zum Zwecke des Gewinnens interessiert mich nicht.“

  • DAS OFFENSIV-DOGMA

Alles oder Nichts! Diese Devise gibt Jemez seiner Mannschaft vor jedem Spiel mit auf den Weg. Unentschieden interessieren ihn nicht. Von 113 Partien mit Paco auf der Bank endeten nur 15 mit einem X. „Ein Remis nützt dir im Abstiegskampf nichts“, erklärte der Coach zuletzt gegenüber „UEFA.com“. Der auf viel Ballbesitz und hohes Pressing ausgelegte Angriffs-Fußball bringt Rayo viele Punkte in Spielen gegen direkte Konkurrenten. Gegen individuell stärker besetzte Teams geht der Schuss allerdings oft nach hinten los. Jemez nimmt das aber gerne in Kauf: „Ich will, dass mein Team gut spielt. Gewinnen nur zum Zwecke des Gewinnens interessiert mich nicht.“

  • NÄCHSTER BARCA-TRAINER?

Am 21. September 2013 geschah etwas Historisches: Zum ersten Mal seit fünfeinhalb Jahren hatte der FC Barcelona in einem Spiel wieder weniger Ballbesitz als der Gegner. Und das nicht gegen irgendein Star-Ensemble, sondern beim Aufeinandertreffen mit dem Underdog aus Vallecas. Trotzdem verlor Rayo die Partie mit 0:4. In keinen anderen Duellen zeigt sich der Idealismus von Trainer Jemez so treffend wie gegen Barca. Immer hält sein Team mit den großen Katalanen spielerisch mit, dennoch kassierte es in den letzten sechs Partien 26 Tore gegen die „Blaugrana“. In der Hauptstadt Kataloniens zeigt man sich dennoch sehr beeindruckt von Jemez' ungebrochenem Angriffsgeist. Ob der konzeptionellen Ähnlichkeiten wird er gar schon als möglicher zukünftiger Barca-Coach gehandelt.

 

Jakob Faber

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