Malagas gut geölter Motor

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Ignacio Camacho - Malagas Mittelfeld-Motor

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Real, Barcelona, Valencia, Atletico und Sevilla. Die fünf Top-Teams in La Liga sind nur durch vier Punkte getrennt.

Bald könnte die Luft an Spaniens Spitze noch dünner werden. Denn still und heimlich hat sich der FC Malaga auf den sechsten Platz vorgekämpft.

Nach einem schwachen Saisonstart mit nur einem Sieg aus den ersten sechs Spielen, gewann die Truppe von Javi Gracia zuletzt fünf Partien in Folge. Einer der Protagonisten des Erfolgslaufes an der Costa del Sol: Ignacio „Nacho“  Camacho (nicht verwandt und nicht verschwägert mit Real-Legende Jose Antonio Camacho).

Ein Zweikämpfer vor dem Herrn

Der 24-Jährige ist der Antreiber im zentralen Mittelfeld der Süd-Spanier. Camacho bekam nicht das Talent eines Messis oder eines Ronaldos mit in die Wiege gelegt, er ist vielmehr ein „akribischer Arbeiter“, wie man heutzutage gerne sagt.

>>> Atletico Madrid - FC Malaga, Sa., 22.11., 16 Uhr, LIVE bei LAOLA1.tv <<<

Sein gutes Positionsspiel und seine physische Präsenz machen Camacho zu einem top Zweikämpfer. Der Mittelfeldspieler gewann an den ersten elf Liga-Spieltagen 109 Duelle. Kein anderer Spanier in La Liga kommt an diesen Wert auch nur annähernd heran.

Der Herr der Lüfte

Besonders in der Luft ist Camacho so gut wie unbezwingbar. Der 182-cm-Mann ist nicht gerade als Torjäger verschrien, aber mit sieben Kopfballtreffern in den vergangenen drei Saisonen führt er in dieser Statistik die teaminterne Wertung an.

Dass sein bisher einziges Tor in der laufenden Spielzeit ebenfalls mit „Köpfchen“ geschah (nachzusehen HIER - ab 2:07 Minuten) ist also alles andere als eine Überraschung.

Wie es sich für einen spielintelligenten Sechser moderner Prägung gehört, beherrscht er auch das Passspiel und ist so ein wichtiges Element im Spielaufbau.

Ab in die „Seleccion“

Camachos Leistungen blieben auch Vicente Del Bosque nicht verborgen. Spaniens Nationaltrainer berief den Malaga-Profi für das Länderspiel-Doppel gegen Weißrussland und Deutschland erstmals in den Kader der „Seleccion“ ein.

„Das habe ich überhaupt nicht erwartet“, war Camacho, der beim 0:1 gegen den Weltmeister in Hälfte zwei debütierte, nach seiner Einberufung baff. Er vergaß aber auch nicht, sich artig bei seiner Mannschaft zu bedanken.

„Das ist nicht nur eine Anerkennung meiner Arbeit, sondern auch eine Auszeichnung für den FC Malaga“ erklärte er gegenüber „La Opinion de Malaga“.

77 Liter Oliven-Öl

Worte, die bei den Fans gut ankommen. Beim Publikum der "Boqueneros", was übersetzt Anchovis bedeutet, ist Camacho aufgrund seiner Art ohnehin sehr beliebt und wird geschätzt.

So wurde der 24-Jährige vom Fanclub der Stadt Archidona zum Spieler der Saison 2013/14 gewählt.

Diese Auszeichnung geht traditionellerweise mit einem besonderen Geschenk einher: Dem Eigengewicht aufgewogen in Olivenöl. Im Falle von Camacho machte das immerhin 77 Liter aus.

Ein Aufstieg in Schritten

Camachos Aufstieg war alles andere als kometenhaft, sondern, ganz seinem Spielstil entsprechend, ein Produkt harter Arbeit.

In Saragossa geboren, schloss sich der Sohn eines Profifußballers im Teenager-Alter der Jugend Atletico Madrids an.

Auch gegen Messi wird "gezweikämpft"

Dort sorgte er zwar bei den Profis mit einem Doppelpack gegen Huelva einen Tag vor seinem 18. Geburtstag früh für Furore, konnte sich aber in weiterer Folge nie wirklich in der Startelf der „Rojiblancos“ etablieren und wechselte schließlich im Dezember 2010 für kolportierte 1,5 Millionen Euro zum FC Malaga.

Das Wecken von Begehrlichkeiten

Auch bei den Blau-Weißen brauchte Camacho eine gewisse Anlaufzeit. Gegen Ende der Saison 2011/12 schenkte ihm der damalige Trainer Manuel Pellegrini immer öfter das Vertrauen, Camacho rechtfertigte dieses Vertrauen mit guten Leistungen, auch in der Champions League, wo sich Malaga bis ins Viertelfinale kämpfte.

Pellegrinis Nachfolger Bernd Schuster war gegenüber dem Mittelfeldspieler skeptisch eingestellt, kam aber über kurz oder lang nicht an ihm vorbei. Als Javi Gracia diesen Sommer übernahm, war Camacho sowieso nicht mehr aus der Anfangsformation wegzudenken.

Konstant starke Vorstellungen am Platz erzeugen selbstverständlich Aufmerksamkeit. So sollen unter anderem Liverpool, Arsenal, Porto und Napoli an Camacho interessiert sein.

Das madrilenische Doppel

Besonders das Napoli-Gerücht hält sich hartnäckig, weil Camachos Berater Antonio Sanz sich auch um die Angelegenheiten von Michu, der erst zu dieser Spielzeit aus Swansea nach Süditalien kam, kümmert.

Bisher widerstand Camacho allen Offerten, verlängerte im Frühjahr sogar seinen Vertrag bis 2019.

Aber der 24-Jährige konzentriert sich ohnehin lieber auf das Fußball-Spielen. Mit Atletico und Real warten in den nächsten Runden zwei echte Brocken auf Malaga. Die Auswärts-Partie im Calderon am Samstag (16 Uhr - LIVE bei LAOLA1.tv) ist für Camacho zugleich eine Rückkehr an alte Wirkungsstätte.

Die alte Wirkungsstätte

Falls er überhaupt jemals darüber verbittert war, den Durchbruch bei Atletico nicht geschafft zu haben, so hat er seinem alten Arbeitgeber längst verziehen, immer wieder betont er die tollen Erinnerungen an seine Zeit beim Hauptstadtklub.

„Ich fühle noch immer viel Zuneigung gegenüber Atletico, wenn ich ins Calderon zurückkehre, weil ich viele Jahre hier verbracht habe. Ich glaube nicht, dass Atletico mich groß vermisst, schließlich haben sie auch ohne mich die Meisterschaft geholt“, spuckt Camacho auf der PK vor der Begegnung mit seinem Ex-Klub wie gewohnt keine großen Töne.

Das Spiel wird er aber angehen wie jedes andere auch: Mit vollem Einsatz und ohne Kompromisse.



Máté Esterházy

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