Ohne Zweifel ohne Chance

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Die Mängel-Liste des FC Barcelona

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Der FC Barcelona scheiterte im Halbfinale der Copa del Rey an Real Madrid. So viel ist bekannt.

Schlimmer noch als das Ausscheiden für den Titelverteidiger ist allerdings die Art und Weise.

Die Gastgeber waren im Camp Nou (abgesehen vom Ballbesitz) in allen Belangen unterlegen und vermittelten über 90 Minuten betrachtet kaum den Eindruck, ins Finale einziehen zu können.

„Es ist ein großer Rückschlag“, machte Cesc Fabregas stellvertretend nach Spielende keinen Hehl aus der allgemeinen Enttäuschung.

Bevor es am Samstag unter geänderten Vorzeichen in La Liga erneut zum prestigeträchtigen Duell kommt, blicken wir auf fünf Mängel bei den Katalanen, die das 1:3 gnadenlos aufzeigte.

>>> Real vs. Barca, Sa., ab 15:30 Uhr, LIVE auf LAOLA1.tv <<<

 

Ohne Trainer:

Tito Vilanova fehlt Barca. „Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, dass uns seine Abwesenheit nicht weh tut. Es ist nicht einfach, aber wir müssen damit klarkommen“, bestätigt Andres Iniesta. Der etatmäßige Übungsleiter befindet sich aktuell in New York, um sich wegen seines Krebsleidens behandeln zu lassen. Stellvertreter Jordi Roura tut sein Bestes, ist aber der Beweis dafür, dass die Aussage „Ein jeder kann Barca trainieren“ nicht vorbehaltlos zu unterschreiben ist. Ohne dem 45-Jährigen fachliche Kompetenz abzuschreiben oder ihn gar zum Schuldigen der jüngsten Niederlagen zu machen, den Cheftrainer adäquat ersetzen kann er nicht.

Ohne Plan:

„Wir spielen von der ersten Minute an auf Angriff. Wir können gar nicht auf ein 0:0 spielen.“ Was von Dani Alves im Vorfeld des Copa-Clasico als Marschrichtung ausgerufen wurde, stellt das vorbildliche Credo des FC Barcelona dar, erwies sich letztendlich aber als fatal. Trotz der günstigeren Ausgangsposition durch das 1:1 im Hinspiel resultierte der erste Gegentreffer der „Blaugranes“ aus einem Real-Konter – und das nach 12 Minuten. Für eine Mannschaft, die den Gegner eigentlich kommen lassen kann, bedenklich. Während sich andere Vereine auf Barca einstellen und akribisch nach Schwachstellen suchen, hat man beim Tiki-Taka-Team manchmal das Gefühl, dass ihnen der Kontrahent egal ist. Diese System-Treue führt zugleich zum nächsten Punkt.

Ohne Systemvarianten:

Der FC Barcelona hat keinen Plan B. Wenn gegen dicht gestaffelte Verteidigungsreihen mit dem Kurzpassspiel kein Durchkommen zu erreichen ist, stockt die katalanische Angriffs-Maschinerie. Dieses Problem ist schon seit den Champions-League-Niederlagen gegen Inter (2010) und Chelsea (2012) bestens bekannt. Auf mögliche Lösungsansätze und taktische Alternativen, wie von Tito Vilanova bei dessen Amtsantritt verkündet, wartet man bisweilen vergeblich. Eine Offensive ohne echten Stürmer und Aufstellungsvarianten mit „Falscher Neun“ oder „Falscher Zehn“ zeugen von hoher taktischer Finesse, offenbaren aber genau in den Push-Situationen der K.o.-Phasen ihre Schwächen.

Ohne Abwehr-Alternativen:

An dieser Stelle soll zunächst klar gesagt werden, dass Carles Puyol weiterhin einer der besten Innenverteidiger der Welt ist. Sein Einsatzwille, seine Kopfballstärke und sein Stellungsspiel sind hervorragend – seine Geschwindigkeit und seine Fitness aber nicht mehr. Angel di Maria hat dies vor dem zweiten Gegentor mit Hilfe des rutschigen Bodens in brutaler Klarheit enthüllt. Der Argentinier profitierte wie auch Cristiano Ronaldo oder Mesut Özil von den großen Räumen, die sich im Konter ergeben und jeden Abwehrspieler in von ihm ungeliebte Eins-gegen-Eins-Situationen zwingen. Eine schnellere Alternative zum Kapitän für Aufeinandertreffen mit Reals Speed-Abteilung sucht man im Kader der Katalanen allerdings vergeblich. In der Innenverteidigung klafft seit Jahren eine Lücke, die weder teure Neuverpflichtungen (Stichwort: Chygrynskiy) noch umfunktionierte Mittelfeldspieler oder Nachwuchshoffnungen a la Marc Bartra und Andreu Fontas schließen konnten.

Ohne Messi:

In diversen Foren und Internet-Medien kursierte bereits eine Vermisstenmeldung nach Lionel Messi, der nach dem Aufwärmen im Camp Nou nicht mehr gesehen ward. Dies ist natürlich übertrieben, spiegelt aber die marginale Rolle wieder, die „La Pulga“ im Clasico einnahm. Gegen die Madrilenen kann dies einer Erkältung geschuldet sein, für die Partien davor gibt es jedoch weniger Ausreden. Wer die Leistung des argentinischen Superstars in den letzten Wochen mit jenen des vergangenen Jahres vergleicht, wird eine Abnahme zugestehen müssen. Dies ging aber in all dem Hype um die Anzahl der Ligaspiele mit Torerfolg unter. Ein Messi in wenig bestechender Form ist eben immer noch gut genug für Treffer. Was Kritik auf höchstem Niveau, wenn nicht gar Majestätsbeleidigung entspricht, muss angesichts seiner Blässe just in den entscheidenden Spielen gegen Milan und Real und der allgemeinen Abhängigkeit Barcas von seiner Nummer 10 ("Messidependencia") erlaubt sein.

 

Ob diese fünf Punkte Momentaufnahmen sind, die nach der nächsten Gala bereits als Humbug abgetan werden, wird sich zeigen.

Erste Gelegenheit dazu gibt es ja schon am Samstag.

>>> Real vs. Barca, Sa., ab 15:30 Uhr, LIVE auf LAOLA1.tv <<<

Christian Eberle

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