Die Win-win-win-Situation

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Überragender Lopez stellt Casillas in den Schatten

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Verkehrte Welt bei Real Madrid. Zwei Jahre lang war Diego Lopez die Nummer zwei hinter Iker Casillas.

Doch mittlerweile hat sich das Bild umgedreht. Seit der Genesung seiner Verletzung vor drei Wochen sitzt der fünffache Welttorhüter nur auf der Bank.

Im Tor steht sein ehemaliger Ersatzmann. Und dort begeistert Lopez die Real-Fans mit einer Glanztat nach der anderen. In der Liga wurde mit dem neuen Goalie nur eines von elf Spielen verloren. Auch beim 1:4-CL-Debakel in Dortmund war er der beste Mann am Platz. Alles in allem präsentiert sich Lopez ganz einfach makellos.

Profiteur von Mourinhos Querelen mit Casillas

Dabei wurde der 1,96-m-Hühne im Winter eigentlich nur als Notlösung geholt. Um 3,5 Millionen Euro eiste ihn Real von Sevilla los, als Reaktion auf den Handbruch, den sich Casillas Ende Jänner zuzog.

Dass Lopez trotz Casillas‘ Gesundung weiterhin im Tor steht kommt dennoch nicht überraschend. Denn bekanntlich mag Jose Mourinho die Real-Legende nicht. Da verwundert es kaum, dass der Coach die guten Leistungen von Lopez nützt, um Casillas auf der Bank schmoren zu lassen.

„Wenn Diego so weiterspielt, wird es ganz schwer, ihn wieder aus der Mannschaft zu nehmen“, sagte Mourinho schon zum Zeitpunkt der Rückkehr seines unliebsamen Kapitäns und der Portugiese machte sein Versprechen bzw. seine Drohung wahr.

Casillas pusht Lopez

Casillas nimmt die Situation jedoch gelassen „Diego liefert wirklich gute Leistungen ab. Ich versuche ihn im Training zu pushen. Das hilft ihm, um auf diesem hohen Level zu bleiben.“ Es spricht für den Welt- und Europameister, dass er sich jetzt genauso unterordnet, wie es Lopez zwischen 2005 und 2007 machte.

Damals rückte der nun 31-Jährige von Reals B-Team in die Kampfmannschaft auf. An Casillas war in zwei Jahren jedoch kein Vorbeikommen. Mit guten Leistungen im Cup konnte sich der Mann aus Galizien aber für höhere Aufgaben empfehlen.

2007 verpflichtete ihn Villarreal für kolportierte sechs Millionen Euro. Zunächst musste er hinter dem Uruguayer Sebastian Viera auf Einsätze warten, doch schon bald übernahm Lopez dank seiner überragenden Reflexe und starken Physis den Stammplatz im Tor.

Lopez, der Fast-Weltmeister

Die folgenden Jahre sollten den Höhepunkt seiner Karriere darstellen. Mit Villarreal spielte er im Spitzenfeld der Liga mit, auch zu Champions-League-Ehren kam er.

Zusätzlich schnupperte Lopez trotz starker Konkurrenz am Dress der Nationalmannschaft. Ein Länderspieleinsatz steht ihm zu Buche. Für die WM 2010 war er einer der Kandidaten auf den Platz hinter Casillas und Pepe Reina, doch letztlich entschied sich Teamchef Vicente del Bosque für Barcelonas Victor Valdes.

Doch dann folgte 2011/12 die Wende in der Karriere von Lopez. Villarreal stieg ab, er wechselte zum FC Sevilla. Dort konnte er sich nicht als eindeutige Nummer 1 etablieren. Eine Situation, die für Lopez nicht zufrieden stellend war.

Eine Win-win-win-Situation

Da kam der Anruf Reals in der Winterpause gerade recht. Es war eine Win-win-win-Situation. Für Lopez ergab sich noch einmal die Chance, auf Top-Niveau sein Können zu beweisen. Die „Königlichen“ bekamen einen erfahrenen Torwart, der das Umfeld des Vereins bestens kennt. Und Mourinho holte sich den Keeper, mit dem er Casillas abmontieren konnte.

Eine Situation, die Lopez perfekt für sich nutzte. Es wäre nicht verwunderlich, würde er die Saison als Nummer 1 zu Ende spielen. Was danach passiert, steht allerdings noch in den Sternen.

Momentan sieht alles danach aus, als würde Mourinho im Sommer Madrid verlassen. In diesem Fall wäre der Weg für Casillas  frei. Und Lopez, dessen Vertrag genauso wie jener seines Konkurrenten bis 2017 läuft, müsste wieder auf der Bank Platz nehmen.

Derby im Schatten von Dortmund

Am Samstag steht jetzt aber erst einmal das Madrider Derby (LIVE ab 20 Uhr bei LAOLA1.tv) auf dem Programm. Drei Punkte hat Real Vorsprung auf den Stadtrivalen. In der Tabelle könnte Atletico deswegen zu Real aufschließen.

Dennoch steht das Derby, das gleichzeitig Generalprobe für das Cup-Finale ist, im Schatten des CL-Halbfinal-Rückspiels gegen Dortmund. „Natürlich ist es ein Derby und wir haben eine Serie von 14 Jahren ohne Niederlage zu verteidigen. Aber das Spiel am Dienstag ist mehr in unseren Köpfen, als das am Samstag“, meinte Casillas im Vorfeld der Partie.

Er wird wohl wieder nur auf der Bank Platz nehmen. Denn die lebende Torhüter-Legende sieht gegen Diego Lopez momentan kein Land.

 

Jakob Faber

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