"Die Liga ist eine Schweinerei"

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Del Nidos Kampf gegen die Ungerechtigkeit

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"Diese Liga ist die größte Schweinerei der Welt!"

Diese Worte aus dem Mund von Jose Maria del Nido, seines Zeichens Präsident des FC Sevilla, erschüttern die spanische Medienlandschaft.

Dass einem Vereins-Verantwortlichen angesichts der Übermacht von Real Madrid und des FC Barcelona schon einmal die Nerven durchgehen, ist verständlich. Aber nach nur einem Spieltag?

Zwei-Klassen-Gesellschaft Spanien

Auslöser für die harten Worte ist die Dominanz der beiden Groß-Klubs, die sich bereits in der ersten gespielten Runde offenbarte. Real Madrid gewann bei Real Saragossa 6:0, der FC Barcelona fertigte Champions-League-Starter Villarreal im eigenen Stadion 5:0 ab.

"Mich würde interessieren, wie viele Fernseh-Zuschauer in der 75.Minute von Saragossa gegen Madrid noch dabei waren", stellt del Nido die Spannung eines derartigen Liga-Spiels in Frage.

Der FC Sevilla gewann zwar seine Auftaktpartie gegen Malaga mit 2:1, konkurrenzfähig sieht man sich dennoch nicht.

Schottische Verhältnisse

Nachdem "La Liga" in den letzten beiden Jahren zum elitären Zweikampf verkam, ziehen viele schon Vergleiche mit der schottischen Premier League, wo sich ebenso nur zwei Vereine in steter Regelmäßigkeit den Titel ausmachen.

Bruno Soriano, Mittelfeldspieler von Villarreal, fasst in der spanischen "Mundo Deportivo" die Bipolarität der Liga in Worte: "Vor zwei, drei Jahren war es noch möglich, mit dem FC Barcelona mitzuhalten, aber jetzt ist das fast unmöglich. Wir müssen unsere eigene Liga spielen."

Eine eigene Liga, deren Spitzen-Position am Ende höchstens Platz drei und somit zumindest die direkte Qualifikation für die Champions League mit sich bringt.

Auf Pump aufgebaut

Dass die übrigen Vereine der spanischen Primera Division so an Boden verlieren, hat in erster Linie ökonomische Gründe. Als bestes Beispiel kann der FC Valencia herhalten.

Während sich Real und Barca mit namhaften Spielern verstärkten, musste der letzte Meister, der nicht aus Barcelona oder Madrid kam, mit Juan Mata einen weiteren Weltmeister ziehen lassen, um seine  Schuldlast weiter abzubauen.

Zwar schreibt man sowohl im Santiago Bernabeu, als auch im Camp Nou seit Jahren rote Zahlen, die Gewissheit darüber, zur Not von der Politik gerettet zu werden, macht ein gesundes Wirtschaften aber obsolet.

Ungleiche Verteilung

"Wir spielen in einer Dritte-Welt-Liga, in der zwei Vereine die Fernsehgelder der anderen unterschlagen", spielt der gereizte Sevilla-Präsident auch auf die Ungerechtigkeit bei der Verteilung der Rechte-Einnahmen an.

Während sich die beiden Groß-Klubs das größte Stück des TV-Kuchens abschneiden, krebsen die großteils hoch verschuldeten kleineren Teams am Rande der Existenz herum.

Von fairem Konkurrenzkampf kann also keine Rede sein. Der Wunsch nach "Financial Fair Play" und einer gleichmäßigen Distribution der Gelder wird auch in Spanien immer lauter.

Kein Verständnis für Kritik

Auf Seiten der beiden "Angeklagten" herrscht hingegen wenig Verständnis. "Wenn Herrn del Nido die Liga nicht gefällt, soll er sich eine andere suchen", antwortet Nationalteam- und Real-Verteidiger Sergio Ramos auf die Kritik aus Sevilla.

In Barcelona weist man indessen auf die lange Tradition von Dominanz hin. Xavi Munoz, Redakteur von "Mundo Deportivo", nennt etwa den Zeitraum zwischen 1960 und 1980, in dem Real Madrid nicht weniger als 14 Meistertitel für sich entscheiden konnte. Wer könnte also dem FC Barcelona seine aktuelle Dominanz verbieten?

Allzu lange sollte man sich den Vorwürfen aber nicht verschließen. Eine Umfrage, ob die Überlegenheit Reals und Barcas "La Liga" schaden würde, ging ziemlich eindeutig aus.

Knapp 80 Prozent sagen ja.

 

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Christian Eberle

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