Taktik-Analyse: Guardiola stellt richtig um

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„El Clasico“ ist nicht nur das Duell zweier großen Mannschaften, sondern auch das Aufeinandertreffen der zwei wohl besten Trainer weltweit.

Letztendlich durfte sich wieder einmal Pep Guardiola über einen Erfolg freuen. Jose Mourinho hatte bei der 1:3-Niederlage trotz einer frühen Führung das Nachsehen.

LAOLA1 kennt die taktischen Schlüsselfaktoren, die das Spiel prägten:

  • Reals Pressing zu Beginn des Spiels

Mourinho verzichtete diesmal auf ein Bollwerk mit drei Sechsern im Mittelfeld. Stattdessen vertraute er auf sein Stamm-System 4-2-3-1 inklusive aggressivem Forechecking. Sinnbildlich dafür die Situation vor dem 1:0: Sechs (!) Real-Spieler strömen sofort nach dem Anstoß in die gegnerische Hälfte. Barca-Goalie Victor Valdes wird zu einem Fehlpass gezwungen und ehe sich der Katalane versieht, befördert Benzema die Kugel zum frühen 1:0 in den Kasten. Barcelona schien vom starken Pressing Reals überrascht. In den ersten 20 Minuten waren die Madrilenen stärker, viele Chancen erarbeiteten sie sich einfach durch frühe Ballgewinne. Erst mit Fortdauer der Partie kamen die Katalanen mit dem Fore-Checking besser zurecht. Dies lag auch an einer taktischen Umstellung Guardiolas.

Die Aufstellungen zu Beginn:


  • Guardiolas Umstellung

Nach ungefähr 15 Minuten reagierte Guardiola auf den 0:1-Rückstand und das starke Pressing des Gegners. Der Barca-Trainer wich von seinem 4-3-3 ab und änderte sein System. „Ich habe auf ein 3-4-3 umgestellt. Dadurch haben wir uns mehr Platz verschafft“, meinte der ehemalige Mittelfeldspieler nach der Partie. Guardiolas Schachzug sollte letztendlich das Spiel entscheiden, wie die restlichen Schlüsselfaktoren zeigen.

Die Aufstellungen nach Guardiolas Umstellung


  • Puyol meldet Ronaldo ab

Die Systemumstellung rückte Carles Puyol auf die rechte Abwehr-Seite. Einerseits hatte dadurch Dani Alves mehr Freiheiten in der Offensive (siehe unten), andererseits bekam Cristiano Ronaldo einen neuen Gegenspieler. Der Portugiese wurde von Puyol völlig aus dem Spiel genommen. Der Barca-Kapitän bestritt im gesamten Spiel 14 Zweikämpfe und verlor keinen einzigen davon. Das sah auch  Mourinho. Der Real-Coach stellte Ronaldo deswegen nach der Einwechslung Gonzalo Higuains (68.) auf die rechte Seite. Doch dort konnte der entnervte Superstar ebenso nichts mehr bewirken.

  • Busquets: Defensiver Mittelfeldspieler UND Innenverteidiger

Sergio Busquets fiel im Spiel Barcelonas eine besondere Rolle zu. Bei gegnerischem Ballbesitz spielte der spanische Weltmeister praktisch als zweiter Innenverteidiger neben Pique. Waren jedoch die Katalanen im Angriff, so rückte Busquets ins Mittelfeld vor. Dort bildete er auf seiner angestammten Sechser-Position die erste Anspielstation im Spielaufbau. Eine taktische Meisterleistung des 23-jährigen Eigengewächs. Barca operierte damit mit einer "hybriden Verteidigung", einer Mischung aus Dreier- und Viererkette

  • Alves macht Dampf über rechts

Mit Puyol als Absicherung konnte sich Alves in der Offensive austoben. Der Brasilianer beackerte die gesamte rechte Seite und sorgte damit für die Breite im Barca-Spiel. Bestes Beispiel dafür war die Entstehung des 3:1. Wieder einmal fand Alves über rechts zu viel Raum vor und seine Maßflanke verwertete Fabregas zur Vorentscheidung. Auch defensiv bot der 27-Jährige eine starke Leistung.

  • Sanchez beschäftigt die Abwehr

Normalerweise kennen wir das von Barcelona: Das Sturmzentrum bleibt unbesetzt, damit Messi als „falsche Neun“ mit viel Tempo von hinten kommen kann. Diesmal jedoch hielt Alexis Sanchez konsequent die Spitze. „Alexis machte einen tollen Job. Er beschäftige die Innenverteidiger so sehr, dass wir in anderen Zonen Überzahl herstellen konnten“, lobte Guardiola die Leistung des Chilenen.

  • Der Faktor X

Bei aller taktischen Raffinesse: Wie in jeder Partie spielte im „Clasico“ auch der Faktor Glück eine Rolle. Macht Ronaldo eine seiner zwei Top-Chancen rein, haben die Madrilenen das Momentum auf ihrer Seite. Stattdessen wurden die Katalanen durch Xavis abgefälschten Schuss zum 2:1 mit Selbstvertrauen gestärkt.  „Das zweite Tor von Barca war Glück. Nicht Talent, nicht etwas Anderes, einfach Glück“, merkte auch Mourinho nach dem Spiel an.

Fazit

Letzendlich behielt aus taktischer Sicht wieder einmal Guardiola die Oberhand. Mourinho konnte auf die flexiblen Umstellungen seine Gegenübers nicht reagieren. Sein Team schien am Samstag zu wenige strategische Varianten auf Lager zu haben, um gegen die passsicheren Katalanen zu bestehen. Immerhin konnte Real Barca zu Beginn mit starkem Fore-Checking in Bedrängnis bringen. Dies wird aber wohl nur ein schwacher Trost für den ehrgeizigen Mourinho sein.

 

Jakob Faber/Christian Eberle

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