Rakitic & Modric: Kroatische Strippenzieher im Clasico

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Am besten, man hat sie beide in seinen Reihen.

Das dachte sich Kroatien-Teamchef Niko Kovac und stellte nach einem Jahr im Amt das System der kroatischen Nationalmannschaft erst kürzlich nur ihretwegen um.

Auf Vereinsbasis hätte es beinahe ebenfalls zum gemeinsamen Schaulaufen der beiden zentralen Strippenzieher kommen können.

Doch wie es das Schicksal so wollte, stehen sich nun beide am kommenden Samstag (ab 17:30 Uhr im LAOLA1-Livestream) im „Clasico“ gegenüber: Luka Modric und Ivan Rakitic.

Barcelona statt an der Seite von Modric

Zwar blicken die beiden Mittelfeld-Strategen bereits auf direkte Duelle zurück, als Rakitic noch das Trikot des FC Sevilla trug.

Seinen Freund und Kollegen nun jedoch seit Sommer bei Erzrivale FC Barcelona zu sehen, ist für den seit 2012 für Real Madrid agierenden Modric Neuland.

Der zweieinhalb Jahre jüngere Neo-Katalane (26) hatte nach seiner herausragenden Saison in Sevilla – gekrönt durch den Europa-League-Triumph – die Qual der Wahl: Real oder Barca? Wie sich Rakitic schlussendlich entschied, ist bekannt.

„Mir hätte es gefallen, wenn er nach Madrid gekommen wäre“, trauerte Modric damals in der katalanischen „Sport“ der Bereicherung für die Königlichen nach, gratulierte seinem „Landsmann“ jedoch zum Wechsel zu einem absoluten Top-Klub.

Vom „Schweizer“ zum kroatischen Barca-Star

Beim Stichwort „Landsmann“ unterscheiden sich die Wege der beiden ähnlichen Spielertypen. Während Modric in Zadar geboren und bei Dinamo Zagreb für die große internationale Bühne ausgebildet wurde, stammt Rakitic aus der Schweiz.

In Möhlin im Kanton Aargau geboren, startete der Allrounder beim FC Basel seine Weltkarriere und setzte auf Klubebene bis heute keinen Fuß nach Kroatien.

So lief er sogar für die Schweizer U21-Auswahl, allerdings in keinem Bewerbsspiel, auf, ehe er sich aufgrund der emotionalen Verbundenheit ins Heimatland seiner Eltern für Kroatien entschied. Die unterschiedliche Wertschätzung der beiden Spielertypen in Kroatien ist somit leicht erklärt.

„Ich weiß auch, dass man mich in Spanien ein bisschen mehr schätzt, als in meinem Land. Das ist einfach so. Ich werde alles dafür tun, um akzeptiert zu werden und das Vertrauen von meinen Mitspielern und meinem Coach zu haben. Der Rest wird auf dem Platz gemacht“, meinte Rakitic im Vorfeld der WM 2014 im Trainingslager in Bad Tatzmannsdorf.

Barcelonas Glücksgriff

Trotzdem ist er ebenso wie Modric in der Nationalauswahl unverzichtbar. Während Modric bei Real in den vergangenen zwei Jahren zum heimlichen Chef avancierte, feierte auch sein Gegenüber bei Barcelona trotz anfänglicher Skepsis von außerhalb einen gelungenen Einstand.

Ivan Rakitic

Luka Modric

Verein

FC Barcelona

Real Madrid

im Klub seit

Juli 2014

August 2012

Position

Zentrales Mittelfeld

Zentrales Mittelfeld

Alter

26

29

Liga-Einsätze 2014/15

7

7

Tore 2014/15

2

1

Assists 2014/15

1

2

Mehr noch. Während Reals Kroate den Rhythmus vorgibt, ist auch Rakitic am besten Wege zur Schaltstelle zu werden.

Mit im Schnitt 77,9 Pässen pro Spiel rangiert er ligaintern an dritter Stelle und bringt 91 Prozent an den Mann (Zum Vergleich: Modric mit 68 Pässen im Schnitt, 89,9 Prozent an den Mann). Eine eindrucksvolle Quote, die beweist, dass der Neuzugang das alles andere als leicht zu erlernende Spiel der Katalanen sofort verinnerlicht hat.

Rakitic spult unzählige Kilometer ab, ist stets anspielbar, überzeugt im Defensivspiel mit Zweikampfstärke und glänzt am anderen Ende des Platzes mit Torgefahr. Kein Wunder, dass die Skeptiker längst verstummten.

Rakitic als Xavis Erbe?

Sein Durchbruch hat auch mit der neuen Rolle des langjährigen Leaders Xavi Hernandez zu tun.

Dieser fand sich zu Beginn der Saison nur auf der Bank wieder, während Rakitic, flankiert von Andres Iniesta und abgesichert von Sergio Busquets, Akzente setzte.

In den letzten Spielen kam der Spielmacher der alten Schule zwar vermehrt zum Einsatz, meist jedoch an der Seite des ersten Kroaten bei Barcelona seit Robert Prosinecki (7/1995-1/1997), der von 1991 bis 1994 auch das Trikot Reals trug.

Rakitic, im Europa-League-Finale gegen Benfica zum „Man of the Match“ gewählt, steht somit nicht umsonst für den im Sommer von Neo-Trainer Luis Enrique eingeleiteten Umbruch in Katalonien.

Modric gibt Reals Rhythmus vor

Ähnlich wie der neue Barcelona-Akteur ist auch Modric bei Real universell einsetzbar, vorrangig jedoch etwas defensiver als sein Freund in der Zentrale anzufinden.

Der mittlerweile 29-Jährige kam bei den Madrilenen nicht so schnell aus den Startlöchern, fristete unter Jose Mourinho lange Zeit ein Reservisten-Dasein, ehe er spätestens unter Carlo Ancelotti seine wahren Fähigkeiten entfalten konnte.

Seitdem bestimmt er am Platz, wie schnell gespielt wird. Nicht umsonst wurde er in La Liga für die drei besten defensiven Mittelfeldspieler der vergangenen Saison nominiert.

In der noch jungen Spielzeit harmoniert das Zusammenspiel mit Toni Kroos von Spiel zu Spiel besser, da Ancelotti trotz Fehlstarts an seiner defensiven Achse festhielt.

Gekommen, um zu bleiben

Im August verlängerte Modric seinen Vertrag vorzeitig um ein Jahr bis 2018, im September übertraf er die Bestmarke von Davor Suker (109) und ist aktuell mit 117 Pflichtspielen kroatischer Rekordspieler beim weißen Ballett.

Modric ist gekommen, um zu bleiben. So wie Rakitic, der mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet wurde und erst am Anfang einer langen Schaffenszeit steht.

Im Clasico dürfen die beiden unter Beweis stellen, welches der beiden rivalisierten Teams den besseren kroatischen Strippenzieher an Land gezogen hat.

Für Kroatien werden Modric und Rakitic dann wieder Seite an Seite die Kohlen aus dem Feuer holen. Ein Luxus, der nicht zu unterschätzen ist.


Alexander Karper

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