Ein "Familien-Mitglied" ist gefragt

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Es sollte eine Ära werden, tatsächlich war es aber nicht mehr als ein Zwischenspiel.

Gerardo Martinos Tage als Trainer des FC Barcelona dürften mit Saisonende schon wieder gezählt sein.

Der Argentinier, der im Sommer den Job bei jenem Verein, der in seinem Selbstverständnis „mehr als ein Klub“ ist, angetreten hat, vermochte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht zu erfüllen.

Sollte nicht noch ein Wunder geschehen, bleiben die erfolgsverwöhnten Katalanen in dieser Saison ohne Titel.

„Ich habe keine zweite Chance verdient“

„Uns ist es nie gelungen, wie die beste Version des FC Barcelona auszusehen. Wir waren weit von dieser Art des Fußballs entfernt“, stellte Martino nach dem enttäuschenden 2:2 gegen Getafe fest.

Dass er dafür verantwortlich gemacht wird, ist ihm klar: „Es gibt Zeiten, in denen man die Erwartungen nicht erfüllt und ich sehe keine Notwendigkeit, nach einer zweiten Chance zu fragen, weil ich sie nicht verdiene.“

Martino weiß, was nun kommt. Die Zukunft des FC Barcelona wird ohne ihn stattfinden, er bleibt eine Randnotiz im dicken Geschichtsbuch des Vereins.

Guardiolas überlebensgroße Fußstapfen

Ein neuer Mann muss her. Einer, der die überlebensgroßen Fußstapfen, die Pep Guardiola bei seinem Abgang vor fast zwei Jahren hinterlassen hat, ausfüllen kann.

Tito Vilanova konnte es nicht – weil es seine Gesundheit nicht zuließ. Martino konnte es nicht – aus vielerlei Gründen. Ein Team, dessen Leistungsträger den Zenit zum Teil schon überschritten haben. Eine Konkurrenz, die plötzlich nicht mehr nur aus dem „königlichen“ Teil Madrids besteht. Und viele Kleinigkeiten in der Spielanlage, in der Kaderzusammenstellung.

Nachdem der Versuch mit dem „Trainer von außen“ fehlgeschlagen ist, besinnt sich die Klub-Führung offenbar auf das, was in den vergangenen Jahren das effektivste Rezept war – ein Mann, der den Verein bestens kennt, ein „Familien-Mitglied“, soll ihn wieder auf die Siegerstraße bringen.

Er hat es im kleinen Rahmen schon bewiesen

Luis Enrique war bereits im vergangenen Sommer ein ganz heißer Kandidat, doch Martino erhielt den Vorzug. Nun scheint die Zeit Enriques gekommen zu sein, seine Bestellung als neuer Barca-Coach wird von diversen spanischen Medien als fix angesehen.

Dass der 43-Jährige als Guardiolas Nachfolger reüssieren kann, hat er im kleinen Rahmen bereits bewiesen. 2008 übernahm er von Pep das B-Team der Katalanen, in seinem zweiten Jahr fixierte er den Aufstieg in die zweite Liga. Im Aufstiegsjahr führte er die Barca-Talente in der Segunda Division gar auf den dritten Platz, durfte aber logischerweise nicht im Aufstiegsplayoff mitspielen.

Lehrgeld und gute Arbeit

Anschließend folgte ein Lehrjahr in der Serie A. Die neuen US-Eigentümer der Roma hatten den 62-fachen Teamspieler dazu auserkoren, die Revolution bei den „Giallorossi“ zu leiten. Enrique zahlte viel Lehrgeld, musste einige Rückschläge einstecken und verabschiedete sich nach einem Jahr schon wieder.

Dass er auch auf Profiebene ausgezeichnete Arbeit abliefern kann, stellt der Mann aus Gijon, der von 1996 bis 2004 über 300 Spiele für Barca bestritten hat, aktuell bei Celta Vigo unter Beweis.

Der Klub, der in der vergangenen Spielzeit erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt fixierte, verpflichtete Enrique, nachdem klar war, dass er bei Barca keine Chance erhalten würde. Der neue Coach kam und vertrieb sofort das Abstiegsgespenst aus der galicischen Hafenstadt.

Puyol als Co-Trainer?

Wenn der ehemalige Mittelfeldspieler den Barca-Job übernimmt, steht ihm eine schwere Aufgabe bevor. Denn bei den Katalanen scheint ein größerer Umbruch unumgänglich. Neue Spieler, titelhungrige Spieler sollen dem Team ein neues Gesicht geben.

Einer der Altstars könnte aber weiterhin an Bord bleiben. „Marca“ spekuliert damit, dass Carles Puyol, einer von Enriques besten Freunden, Co-Trainer werden könnte.

Und Martino? Der darf sich zumindest darüber freuen, dass er als möglicher Argentinien-Teamchef nach der Weltmeisterschaft gehandelt wird. Lionel Messis Segen dürfte er haben.

Harald Prantl

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