Bales undankbare Rolle als zweite Geige

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Hohe Erwartungshaltung, Druck und Kritik.

Auf all das war Gareth Bale bei seiner Ankunft in Madrid vorbereitet. Die stolze Summe von 91 Millionen Euro trug ihr Übriges dazu bei.

Eineinhalb Jahre sind seither vergangen. Der 25-jährige Waliser schlug ein wie eine Bombe, sammelte mit Champions League, Copa del Rey, Klub-WM und UEFA-Super-Cup vier Titel.

Zudem wurde das angsteinflößende Trio „BBC“ (Bale, Karim Benzema, Cristiano Ronaldo) ins Leben gerufen. Und trotzdem umgibt den Flanken-Torpedo ein langer Schatten.

Rückendeckung statt Vorwürfe

Das bisher Geleistete rückte vor allem zu Jahresbeginn in den Hintergrund. Pfiffe für den arbeitswütigen Offensivspieler waren keine Seltenheit mehr.

Etwa als er böse Blicke von Ronaldo erntete, ihm Egoismus vorgeworfen wurde und die Chancenverwertung zu wünschen übrig ließ.

Trotz des 4:1-Erfolgs gegen Real Sociedad am vergangenen Wochenende hält die Kritik an, die Skeptiker rücken Bale vor dem richtungsweisenden Nachtrag gegen den FC Sevilla (Mittwoch, ab 20:45 Uhr im LAOLA1-Livestream) auf die Pelle.

„Ich will nicht mehr von ihm. Er hat eine großartige Partie gespielt. Klar, er hat ein paar Gelegenheiten vergeben, aber er hat auch eine starke Vorlage für Benzema gegeben“, nahm ihn Trainer Carlo Ancelotti in Schutz und stärkte seinem Leistungsträger den Rücken.

„Dürfen nicht vergessen, was er letztes Jahr leistete“

Zehn Treffer und fünf Vorlagen in 17 Spielen hat er bereits auf seinem Konto. Durch die Sperre von Ronaldo scheinen sich aber noch mehr auf Bale eingeschossen zu haben.

Plötzlich steht der zweitteuerste Kaderspieler im Fokus, nicht der Weltfußballer, der dem Treiben auf dem grünen Rasen von der Tribüne aus zuschauen muss.

„Bale tut alles, um der Mannschaft zu helfen. Wir dürfen nicht vergessen, was er letztes Jahr leistete, dass er in drei Endspielen traf. Er spielt eine fantastische Saison und macht seine Sache sehr gut. Und es gibt keine Zweifel: Wenn Cristiano, Benzema und Bale fit sind, werden sie immer spielen“, prophezeite Ancelotti bei der Pressekonferenz.

Die Pfiffe nach vergebenen Großchancen blendete der Italiener aus, und riet im gleichen Atemzug auch seinem Schützling, sich dadurch nicht beunruhigen zu lassen.

Die richtige Entscheidung von Real?

Das Thema zieht so weite Kreise, dass sich auch Mitspieler und Klub-Ikonen damit befassen und Partei für den Waliser ergreifen.

„Bale ist ein ambitionierter Spieler, der uns viel bringt. Letztes Wochenende (Anm: 2:1 gegen Cordoba) war es er, der uns praktisch die drei Punkte bescherte. Gegen Sociedad legte er einen Treffer auf. Er ist für uns sehr wichtig“, unterstützte ihn Daniel Carvajal, der auf der rechten Außenbahn zumeist hinter dem Flügelflitzer absichert.

In der spanischen TV-Show „El Chiringuito“ ging man sogar der Frage nach, ob die Verpflichtung des knapp 100-Millionen-Mannes überhaupt Sinn gemacht habe.

Ex-Madridista Guti hat dazu eine klare Meinung: „Real Madrid lag damit nicht falsch. Bale befindet sich sicher unter den zehn Besten der Welt. Er ist ein Spieler der Zukunft. Wir werden ihm Zeit geben.“

Die zweite Geige

Formtief hin oder her. Bale tat sich auch keinen Gefallen damit, dass er auf den Vorwurf der Eigensinnigkeit stur reagierte und dadurch die Gemüter weiter erhitzte.

„Ich spiele das Spiel auf meine Weise“, ließ er wissen. Unüberlegt müsste man meinen, schließlich genießt Bale trotz aller erbrachten Leistungen bei weitem noch nicht den Status eines Ronaldos.

Schließlich geht es darum, im aufgrund der Klub-WM verschobenen Nachtragsspiel den Vorsprung auf Barcelona und Atletico auf vier bzw. sieben Punkte auszubauen und einen wichtigen Schritt in Richtung Meistertitel zu setzen.

Bale fühlt sich diesem Druck trotz allem gewachsen. „Er ist weitaus größer als bei anderen Vereinen. Hier zu sein fühlt sich an, als würde man ständig mit dem Mikroskop beobachtet werden.“

Das wird sich so schnell nicht ändern. Hohe Erwartungshaltung, Druck, Kritik sowie die alles überstrahlende Ablösesumme von 91 Millionen Euro werden ihm auch künftig das Leben schwer machen.


Alexander Karper

 

>>>REAL MADRID vs. FC SEVILLA, Mi., 4.2., 20:45 Uhr LIVE auf LAOLA1.tv<<<

Diesem werden Fehler oftmals sofort verziehen, so auch sein Blackout, das ihm zwei Spiele Sperre einbrachte. Die heraufbeschworene Rivalität wird von beiden heruntergespielt. Vielmehr habe sich Bale damit abgefunden, bei Real wohl auf ewig die zweite Geige zu spielen.

„Es war mir vor meinem Wechsel hierher schon bewusst, dass er derjenige ist, der im Mittelpunkt steht. Man muss nur auf seine Statistiken schauen, er ist unglaublich. Cristiano ist der größte Protagonist und ich respektiere das. Auf wie neben dem Platz habe ich ein großartiges Verhältnis zu ihm“, merkte der Betroffene erst kürzlich in einem Interview mit dem britischen „Sport Magazine“ an.

Der Druck als treuer Wegbegleiter

Wenn am Mittwoch der FC Sevilla im Bernabeu gastiert, müssen die Königlichen noch einmal ohne ihren Leader auskommen. Darum werden die Blicke noch kritischer auf Bale gerichtet werden.

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