San Mames Barria – Neustart für Athletic Bilbao

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Im Jahr 1913 regierte in Österreich noch Kaiser Franz Joseph.

Zur eben dieser Zeit wurde das Estadio San Mames in Bilbao fertiggestellt und wenig später eingeweiht.

Nach exakt 100 Jahren schließt sich nun ein Kreis. Das älteste Stadion Spaniens schließt seine Pforten und wird Stück für Stück abgetragen.

Niederlage zum Abschied

Mit einem Freundschaftsspiel zwischen Athletic und einer baskischen Auswahl (Ergebnis 0:1) ging am Mittwoch die Ära des als „Kathedrale“ bekannten Bauwerks zu Ende.

Keine andere Arena war seit Anbeginn der spanischen Primera Division 1928 in Gebrauch, keine andere Arena erfreute sich unter Spielern und Trainern solcher Beliebtheit.

„Es war eine Ehre, San Mames in seiner maximalen Ausdrucksstärke zu erleben“, kommentierte etwa Pep Guardiola. Sein Nachfolger auf der Trainerbank des FC Barcelona fasste in wenigen Worten zusammen, was viele dachten: „San Mames ist ein spezielles Stadion.“

Zu Ehren Pichichis

Eine Besonderheit erwartete jede Auswärtsmannschaft bei ihrem ersten Besuch in „La Catedral“. Vor dem Ankick legt zumeist der Kapitän der Gäste unter Beifall der Zuschauer eine Blumenspende vor der Büste Rafael Moreno Aranzadis nieder.

Der ehemalige Stürmer, kurz Pichichi genannt, ist nicht nur Namensgeber für den spanischen Torschützenkönig sondern auch derjenige, der das Stadion mit seinem Tor am 21. August 1913 gegen Racing de Irun „entjungfert“ hat.

Die Tradition soll auch in der neuen Heimstätte der „Leones“, die sich unmittelbar neben der alten befindet, beibehalten werden.

240 Millionen Euro

Das neue San Mames – auf Baskisch: San Mames Barria – ist in Phase eins zu drei Viertel fertiggestellt und bietet vorerst 36.159 Zusehern Platz.

Wenn der Abriss der alten Arena vollendet ist, wird die vierte Tribüne aufgezogen und im Jahr 2015 die End-Kapazität von 53.332 erreicht – knapp 14.000 Zuseher mehr als zuvor.

Mit noch größerem Fassungsvermögen in dem knapp 240 Millionen Euro teuren Neubau soll der Besuch bei englisch anmutendem Ambiente noch unvergesslicher werden.

Saison zum Vergessen

Unvergesslich mag das Gastspiel in Bilbao sein, ungemütlich aber keineswegs. Zumindest war es das in der abgelaufenen Saison nicht.

Gleich acht Heimspiele gingen im San Mames in La Liga verloren. Nur Absteiger Saragossa (zehn Pleiten) wurde noch öfter vor eigenem Publikum bezwungen.

Der Vorjahres-Finalist in der Copa del Rey und der Europa League blickt insgesamt auf eine Horror-Spielzeit zurück, an deren Ende nur der zwölfte Tabellenrang zu Buche steht.

Nichtsdestoweniger wurde Trainer Marcelo Bielsa, der unter anderem vom FC Santos umworben wird, von den Fans der Rücken gestärkt. „Bielsa bleib!“ war nach dem Stadion-Abschiedsspiel lautstark zu vernehmen, „Bielsa, wir stehen zu dir“ auf einigen Spruchkarten zu lesen.

Abschied von drei Stützen

Der argentinische Star-Coach sitzt seit 2011 auf dem Trainerstuhl der Basken, sein Vertrag läuft mit Ende Juni aus. Der 57-Jährige hatte nach einem Zwist mit der Vereinsführung eigentlich schon im vergangenen Juli seinen Rücktritt erklärt, diesen aber wieder zurückgezogen und so den Startschuss für ein turbulentes Jahr gegeben, wie Vereinsmitglied Inigo Gordon gegenüber LAOLA1 erklärt:

„Nach der Geschichte mit Bielsa folgten die Transfer-Theater um Javi Martinez und Fernando Llorente. Zudem wurde mit Abwehrchef Fernando Amorebieta keine Einigung erzielt. Alle drei waren Stützen des Vereins.“

Alle drei spielen fortan woanders. Während Martinez bereits im letzten Sommer zu den Bayern wechselte, treten Llorente (Juventus) und Amorebieta (Fulham) zur kommenden Saison die Position bei ihren neuen Arbeitgebern an.

Neustart im Neubau

Bielsa ließ die verbliebenen Wechselwilligen links liegen und baute auf andere Spieler. Spaniens eigentlicher Teamstürmer Llorente stand nur vier Mal in der Startelf, der Venezolaner Amorebieta kam überhaupt nur zu elf Einsätzen.

„Dazu waren die Spieler nach der langen Europacup-Saison allgemein ausgelaugt und wir mussten zudem einige Verletzungen verkraften“, listet Gordon weitere Motive für den Fall auf.

Mit Hoffnungsschimmer Aritz Aduriz, mit 14 Toren Topscorer der Basken, und der Aussicht auf namhafte Zu- statt Abgänge (mit Betis-Spielmacher Benat soll endlich alles klar sein) könne man aber zumindest positiver auf die Saison 2013/14 blicken.

Und mit einem nagelneuen Stadion ist ohnehin alles für einen Neustart prädestiniert.

Christian Eberle

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