Wen beordert Perez auf den Trainerstuhl?

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Die Gesetze im Trainergeschäft sind gnadenlos, bei Real Madrid noch eine Stufe gnadenloser.

Vor praktisch genau einem Jahr erlöste Carlo Ancelotti die Königlichen mit dem sehnlichst erwarteten zehnten Triumph (La Decima) in der Champions League. Ein titelloses Jahr 2015 später scheint dies nichts mehr wert.

Präsident Florentino Perez sprach ein Machtwort und entließ den italienischen Coach ein Jahr vor Vertragsende, „um neue Impulse zu setzen“.

Doch wer wird jetzt kommende Saison die Impulse setzen?

LAOLA1 gibt den Überblick über die spekulierten Nachfolge-Kandidaten:

Der Top-Favorit

Bereits bevor Ancelottis Entlassung publik wurde, geisterte ein Name immer wieder durch die Medienwelt: Rafael Benitez. Der 55-Jährige ist derzeit bei SSC Napoli engagiert und gilt als Top-Favorit für die Nachfolge des Italieners. Sein Vertrag bei den Süditalienern läuft im Sommer aus. Der Verein wollte seit Oktober mit ihm verlängern, der Spanier spielte lieber auf Zeit – das könnte sich jetzt auszahlen, wenn Real anklopft.

Letztere und die Liga kennt Benitez bestens, spielte er doch acht Jahre (1973-1981) im dortigen Reserveteam. Seine Trainerkarriere begann er zudem als Jugendtrainer der Königlichen. 2002 und 2004 wurde er mit Valencia Meister in der Primera Division. Mit Liverpool schaffte er das legendäre Wunder von Istanbul und gewann (gegen Ancelottis Milan) die Champions League.

Dies ist aber auch genau sein Problem: Kritiker werfen ihm vor, dass seine beste Zeit schon vorbei sei. Die Abenteuer bei Inter, Chelsea und Neapel, mit denen er aktuell die Champions League zu verpassen droht, waren nur von kurzer Dauer.

Nichtsdestotrotz bleibt er der Topfavorit, vor allem die Aussage von Perez, „bereits kommende Woche den neuen Trainer bekanntzugeben“ spricht angesichts der bereits zuvor im Umlauf gewesenen Gerüchte für ihn.

Der Fan-Favorit

Seit Mitte April sein Abschied vom BVB im Sommer bekannt wurde, taucht sein Name auf, sobald ein Top-Klub einen neuen Trainer braucht. Jürgen Klopp ist seit seinem Erfolgslauf mit Dortmund, mit denen er zweimal Meister wurde und sensationell ins Champions-Finale einzog, ein gefragter Mann.

Auch bei den Fans: In einer „Marca“-Umfrage sprachen sich 44 Prozent für den Deutschen aus – Benitez landete mit 8,9% abgeschlagen auf Rang fünf. Und doch hat Letzterer einen entscheidenden Vorteil: Die Sprache, welche Klopps größtes Hindernis darstellt. Nicht umsonst betont Perez, dass es „von Vorteil wäre, wenn der neue Coach Spanisch sprechen kann.“

Und bereits 2014 gab Klopp selbst bekannt, dass er sich nur England als Auslandsstation vorstellen kann, „weil dies das einzige Land ist, dessen Sprache ich kann. Und ich brauche die Sprache für meine Arbeit.“ Ob genau diese extrovertierte Art beim Glamour-Klub Real ankäme, wäre ein anderes Fragezeichen. Weiters plant der 47-Jährige laut übereinstimmenden Medien-Stimmen eine halbjährige Auszeit. Ob er diese für die Königlichen verschieben würde?

In Lauerstellung

Unai Emery gilt zurzeit als einer der renommiertesten Trainer, dabei ist seine Visitenkarte noch gar nicht so lang. Von 2008 bis 2012 führte er Valencia trotz finanzieller Schwierigkeiten konstant drei Mal in Folge auf Platz drei hinter die Arrivierten Real und Barca. Seit 2013 bestätigt er sein Können bei Sevilla. Als Draufgabe gewann er dort 2014 die Europa League und hat am Mittwoch die Chance, diesen Titel gegen Dnjepropetrowsk zu verteidigen.

Der 43-Jährige ist also erfolgreich, spricht Spanisch und kennt die Primera Division -  trotzdem steht er „nur“ in der Lauerstellung. Ob er, dessen Vertrag in Sevilla noch bis 2016 läuft, schon für das Haifischbecken Real bereit ist, ist fraglich. Am meisten spricht aber der Fakt dagegen, dass Emery laut übereinstimmenden italienischen Medienberichten bereits einen Vorvertrag beim AC Milan unterschrieben hat, pikanterweise bei einem anderen Ex-Klub Ancelottis.

Die Überraschung

Neben den oben meist genannten Nachfolge-Kandidaten schweben auch andere Namen in der Gerüchteküche umher. Jorge Jesus ist einer davon.

Der 60-Jährige leitet seit 2009 die Geschicke beim portugiesischen Traditionsklub Benfica Lissabon - und das ziemlich erfolgreich. Drei Mal konnte er den Meistertitel holen, davon die beiden letzten Jahre in Folge. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Regelmäßig wird sein Name mit Topklubs in Verbindung gebracht.

Angesprochen auf Real meint er: „Was ich weiß ist, was ich will und was nicht. Ich will den Anforderungen gerecht werden und so war meine Arbeit in den letzten zehn Monaten. Nachdem diese nun bald abgeschlossen sein wird, werden wir sehen, was passiert. Die Zukunft kennt nur Gott.“ Ist zumindest keine Absage.

Der Lehrling

Dass Zinedine Zidane früher oder später das Traineramt bei den Königlichen übernehmen wird, steht außer Frage, einzig der Zeitpunkt bleibt offen.

Seit 2010 ist die französische Legende fest mit Real verbunden. Zunächst als Lehrling von Jose Mourinho, zwischen 2011-2012 als Sportdirektor, ehe er letzte Saison als Ancelottis Co-Trainer auf der Bank im Bernabeu Platz nahm. Im Sommer übernahm er die zuvor abgestiegene zweite Mannschaft des Vereins, Real Madrid Castilla, und führte sie zu Platz fünf. Nimmt man dazu seine Spieler-Vita, in der er zwischen 2001-2006 fünf Jahre für die Königlichen spielte, gibt es wohl derzeit nicht viele Akteure, welche die Königlichen besser in- und auswendig kennen.

Und doch spricht nicht viel für ihn, zu unerfahren scheint seine Trainer-Vita, erst vor wenigen Wochen erhielt er die „UEFA Pro-Lizenz“, die höchste aller Trainerweihen. Dass der zu „Größenwahn“ neigende Perez einem Lehrling das Vertrauen schenkt, scheint mehr als unwahrscheinlich.

Bereits kommende Woche soll jedenfalls die Entscheidung über Ancelottis Nachfolge fallen. Egal, wer es schlussendlich wird, fest steht: Der Neue muss Titel gewinnen.

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