Torres: Von der Witzfigur zum Hoffnungsträger

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Dieser Empfang muss wie Balsam für die Seele gewesen sein.

Endlich weg von all dem Spott, der ihm entgegen schlug. Keine Scherze auf seine Kosten mehr, über die sie in England voller Schadenfreude gelacht hatten.

Stattdessen ein Jubelmeer aus 40.000 Personen, die ihn bei seiner offiziellen Präsentation am Sonntag als Helden feierten. Fernando Torres ist zurück in seinem Wohnzimmer, im Estadio Vicente Calderon. Dort trifft er am Mittwoch (20:45 Uhr, LIVE bei LAOLA1.tv) in der Copa del Rey mit Atletico auf den Stadtrivalen Real.

Es ist die erste Partie, für die „El Nino“ spielberichtigt ist und in dieser wird er gleich in der Startelf stehen - das wurde von Atletico schon bestätigt.

Der verlorene Sohn kehrt zurück. Jener Bursche, der 2007 ausgezogen war, um die Fußballwelt zu erobern. Mittlerweile hat er alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Dennoch verkam er nach seinem 58-Millionen-Euro-Transfer zu Chelsea zur Witzfigur. Ein zweifelhafter Ruf haftet ihm an: Er gilt als Stürmer, der keine Tore mehr schießt.

>>>Copa del Rey: Atletico vs. Real, Mittwoch ab 20:45 Uhr im LIVE-Video<<<

Beide Seiten profitierten vom Abgang

Bei seinem Heimatklub will Torres nun neu durchstarten. „Als 24-Jähriger hatte ich die schwierigste Entscheidung meiner Karriere zu treffen. Ich musste den Verein lassen, sodass sich beide Seiten entwickeln konnten“, meinte der heute 30-Jährige bei seiner Vorstellung als Neuverpflichtung.

Nun fühlt sich Atleticos neue Nummer 19 in seiner Entscheidung bestätigt: „Der Klub hat sich hervorragend entwickelt und auch ich habe einige Titel geholt. Aber ich will noch mehr gewinnen und das kann ich hier tun.“

Tatsächlich ist bei den „Rojiblancos“ seit dem Verkauf von Torres um 38 Millionen Euro an Liverpool kein Stein auf dem anderen geblieben. Damals, im Jahr 2007, hatte Atletico seit acht Jahren nicht mehr gegen Real gewonnen. Von einem Meistertitel war man ob der Dominanz Reals und Barcelonas Lichtjahre entfernt.

Mittlerweile hat sich das Blatt jedoch gewendet. Atletico ist regierender Titelträger in Spanien, für Real wurde man längst zum Gegner auf Augenhöhe. Zudem hat Atleti in den letzten Jahren zwei Mal die Europa League gewonnen und stand in der letzten Saison im Finale der Champions League.

Der Mann, der sich für einen Großteil dieser Erfolge verantwortlich zeichnet, ist auch der Hauptgrund für die Torres-Rückholaktion: Diego Simeone.

Simeone setzt auf den Rückkehrer

Den Atletico-Coach verbindet eine Freundschaft mit Torres, seitdem sie von 2003 bis 2005 gemeinsam im Estadio Vicente Calderon aufliefen. Simeone wollte den Angreifer schon im Sommer nach Madrid lotsen, doch letztlich wurde Torres von Chelsea an Milan verliehen.

Im Winter bot sich ihm nun aber erneut die Möglichkeit Torres zu verpflichten, also schlug er zu. „Ich bin sehr glücklich über seine Rückkehr. Nicht nur, weil wir dem Klub damit ein Stück Identität zurückgeben konnten, sondern auch, weil seine Fähigkeiten der Mannschaft zu Gute kommen“, so der Argentinier. Seinem ehemaligen Teamkollegen will er dennoch keinen Freifahrtschein ausstellen: „Er muss mit Antoine Griezmann, Mario Mandzukic und Raul Jimenez um seine Daseinsberechtigung im Team kämpfen.“

Simeone ist überzeugt davon, dass Torres momentan weitläufig unterschätzt wird. Der Erfolgscoach will das Beste aus dem (ehemaligen) Weltklasse-Stürmer herausholen und seinen ramponierten Ruf aufpolieren. Doch nicht jeder in Madrid sieht dieses Potenzial in ihm. Vor dem Transfer gab es auch viele kritische Stimmen.

Warum eigentlich Torres?

Schließlich ging man für den verlorenen Sohn ein ungleiches Tauschgeschäft ein. Im Gegenzug für Torres gab Atletico Alessio Cerci an Milan ab. Ein vielseitiger Offensiv-Spieler, den man sich im Sommer 16 Millionen Euro kosten ließ. Der 28-Jährige konnte sich in seinem halben Jahr zwar nicht durchsetzen, von vielen Seiten wurde ihm aber großes Potenzial attestiert.

Statt Cerci holten die „Rojiblancos“ mit Torres einen Angreifer, der sich seit drei Jahren in einem Formtief befindet. Für Milan schoss er in zehn Einsätzen nur ein Tor. Zudem ist der 30-jährige Mittelstürmer weniger flexibel einsetzbar als sein italienischer Vorgänger in der Atletico-Offensive.

Diese Fakten geben den Kritikern Rückenwind.  Deswegen warf Simeone alles in die Waagschale, um seinen Freund und Wunschspieler verpflichten zu dürfen. Laut dem gut vernetzten „AS“-Journalisten Javier Matallanas musste der Erfolgstrainer den Vereinsverantwortlichen versprechen, mindestens bis zum Ende der nächsten Saison bei Atletico zu bleiben, damit diese ihr Einverständnis zum Torres-Transfer gaben.

Jahr

Mannschaft

Titel

2002

Atletico

Segunda Division

2008

Spanien

Europameister

2010

Spanien

Weltmeister

2012

Spanien

Europameister

2012

FC Chelsea

FA Cup

2012

FC Chelsea

Champions League

2013

FC Chelsea

Europa League

Wie wird Torres eingesetzt?

„El Cholo war sehr wichtig für meine Rückkehr. Ich weiß, dass er noch immer so hingebungsvoll arbeitet wie damals als Spieler. Hoffentlich kann ich schnell von ihm lernen und bald in der Mannschaft sein, wenn er mich braucht“, sagt Torres.

Wie Simeone seinen Neu-Einkauf nutzen will, ist noch unklar. Früher zeichnete „El Nino“ seine Spritzigkeit aus, sie machte ihn zu einem gefährlichen Torjäger.  Seitdem er vor der WM 2010 zwei Mal am Knie operiert wurde, hat er jedoch viel von seiner Schnelligkeit verloren. Deswegen musste Torres seine Spielweise umstellen. Mittlerweile arbeitet er mehr für seine Mannschaft und geht im Sturm weite Wege. Genau so eine Spielweise liebt Simeone. Er verlangt von seinen Spielern, jedes Match so zu bestreiten „als wäre es ein Finale“.

Gut möglich also, dass der Argentinier Torres als arbeitenden Stürmer einsetzt, der im Pressing für Druck und im Angriffsspiel für offene Räume sorgen soll.

Vielleicht bringt Simeone seinen Ex-Kollegen sogar dazu, wieder Tore zu schießen. In der Copa gegen Real (Mittwoch, 20:45 Uhr, LIVE bei LAOLA1.tv) wird Torres dazu die Gelegenheit haben. Mit dem Erzrivalen hat „El Nino“ noch eine Rechnung offen, denn noch nie feierte er mit Atletico gegen die „Königlichen“ einen Sieg.

 

Jakob Faber

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