Der Cowboy schießt nicht mehr so scharf

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Er wirkt unzufrieden.

Die Mimik lässt kaum darauf schließen, dass sein Klub die Tabelle in "La Liga" weiterhin souverän anführt.

Ausbleibende Pfiffe von den Schiedsrichtern kommentiert er mit abfälligen Gesten anstatt mit dem sonst üblichen süffisanten Lächeln.

Irgendetwas scheint bei Cristiano Ronaldo im Jahr 2012 verändert.

Der Zweite bei der Wahl zum "Weltfußballer des Jahres" konnte sich in den letzten Spielen kaum in Szene setzen. Ein kleines Formtief, das den Portugiesen zu einem ausgesprochen ungünstigen Zeitpunkt heimsucht.

Am Mittwoch, dem 18.1., um 22 Uhr, kommt es zu Akt 1 des "Copa-Clasicos", dem Hinspiel des Viertelfinales in der Copa del Rey zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona.

Erst ein Treffer 2012

In den vier bisherigen Spielen des Jahres – zwei in der Meisterschaft, zwei im Cup –zeichnete der Träger des "Goldenen Schuhs" nur für einen Treffer verantwortlich, bezeichnenderweise den letzten beim 5:1-Heimsieg über Granada. Für einen Goalgetter seines Formats deutlich zu wenig.

Mehr als die fehlende Torausbeute beunruhigt aber die passive Präsenz des Superstars auf dem Platz. Seinen Dribblings fehlt die Durchsetzungskraft, seinen Schüssen die Präzision.

Im letzten Spiel gegen den RCD Mallorca ließ er zwar in Minute 75 einen Hammer an die Latte los, ansonsten konnte er Keeper Aouate aber kaum gefährden.

Lahmer Westernheld

Emblematisch für die kleine Krise ist Ronaldos Performance bei Freistößen. In den letzten beiden Spielzeiten versenkte er insgesamt 13 Gewaltschüsse für die "Königlichen" im Tor des Gegners.

Allein seine breitbeinige Pose, ähnlich eines Western-Helden, vor dem eigentlichen Abschluss brachte bei manchem Torhüter die Knie zum Schlottern.

Angesichts der diesjährigen Bilanz können die Schlussmänner in Spanien aber beruhigt sein. 37 Mal trat "CR7" zum Freistoß an, 37 Mal landete der Ball nicht da, wo er eigentlich hin sollte.

"Pichichi" unter Vorbehalt

Die aktuelle Torschützenliste führt der Portugiese mit 21 Treffern zwar weiterhin souverän an, ein näherer Blick genügt aber, um diese Dominanz zu relativieren.

Während der Zweitplatzierte Lionel Messi nur zwei seiner 19 Tore per Elfmeter erzielt hat, war Ronaldo sieben Mal vom Punkt erfolgreich.

Dies entspricht einem Drittel seines Tor-Kontos. An Treffern aus dem Spiel gemessen liegt somit Ronaldos argentinischer Teamkollege Gonzalo Higuain gleichauf.

"Schau dir die Statistiken von anderen fundamentalen Spielern in den anderen Teams an, die in fünf Jahren nicht so viele Treffer erzielen, wie Cristiano in einem", fordert Real-Coach Jose Mourinho ein wenig Respekt vor dem Welt-Torjäger.

Ist Ronaldo überspielt?

Der portugiesische Star-Trainer steht aber im Zentrum der Kritik, wird er doch für den Einbruch mitverantwortlich gemacht.

Ronaldo sei überspielt, stehe zu viele Minuten unnötigerweise auf dem Feld und bekomme zu wenige Ruhepausen, lauten die Vorwürfe an "The Special One".

Abgesehen von den letzten beiden unwichtigen Partien der Champions-League-Gruppenphase und dem Rückspiel des Cup-Sechzehntelfinales gegen SD Ponferradina stand Ronaldo in jedem Spiel am Feld und wurde nur je einmal ein- und ausgewechselt.

"Copa-Clasico" als Ventil

In Summe ergibt das 2.358 Minuten, denen der 26-Jährige langsam Tribut zu zollen scheint.

Dass Mourinho seinem großen Star aber ausgerechnet im kommenden Spiel eine Pause gönnt, ist wohl nicht anzunehmen. Schließlich kommt mit Barca der große Rivale ins Estadio Santiago Bernabeu.

Und seine Krise, wenn man auf diesem Niveau überhaupt von einer solchen sprechen kann, ausgerechnet im "Copa-Clasico" zu beenden, ließe sämtliche Kritiker genauso schnell wieder verstummen, wie sie aufgetaucht sind.

>>> Real Madrid – FC Barcelona, 1. Akt: 18. 1. 2012, 22 Uhr <<<

Christian Eberle

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