Neutralität unmöglich

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Die zwei Seiten der "Clasico"-Medaille

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Der Vorhang ist zugezogen. Diesmal endgültig.

Mit einem 2:2 im Rückspiel (die Partie in voller Länge im Video) des Viertelfinales der Copa del Rey endet der „Copa Clasico“.

Der 2. Akt ist beendet und lässt den "neutralen Beobachter" wunschlos zurück.

Vier Tore, neun Gelbe Karten, ein Ausschluss und Spannung von der ersten bis zur letzten Minute sind die Attribute, die das Spiel zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid geprägt haben.

Doch gibt es überhaupt diesen ominösen "neutralen Beobachter"?

Wenn sich die derzeit wohl zweifellos besten Mannschaften der Welt gegenüberstehen, kann man entweder für die eine Seite sein, oder eben für die andere.

Je nach Präferenz werden dann die spielentscheidenden Momente bewertet.

Genauso sehen es auch die Kollegen im spanischen Fernsehen.

Während Zuseher auf "TV3" etwa den katalanischen Lobgesängen lauschen können, wird auf "Punto Pelota" im Kanal "Intereconomia" Real-Propaganda verbreitet.

"Visca Barca!" oder "Hala Madrid!", der Unterschied liegt im Detail.

LAOLA1 nimmt sich den Pokal-Schlager zum Anlass, um auch den österreichischen Fans die Möglichkeit der subjektiven Berichterstattung Spaniens zu bieten.

Je nachdem, ob man sich nun als "Cule" oder "Merengue" sieht, kann man das 2:2 noch einmal in den Schlüsselszenen Revue passieren lassen.

 

1. Minute – Chance für Higuain

Barca: Nach einem Missverständnis zwischen Dani Alves und Pique kommt Higuain bereits nach 13 Sekunden zum Schuss, schiebt den Ball aber deutlich an Torhüter Pinto und am Tor vorbei.

Real: Während die Barcelona-Spieler noch schlafen, präsentiert sich Real hellwach. Der Wunsch, das 1:2 aus dem Hinspiel zu drehen, lässt sich bereits am Forechecking erkennen, das zur ersten Chance des Spiels führt. Higuain spitzt in einen Rückpass und verfehlt mit seinem Abschluss das Tor nur knapp.

 

Die erste halbe Stunde

Real: Barca ist verängstigt und kommt nicht ins Spiel. Durch das aggressive Pressing kommen die Madrilenen hoch in Ballbesitz und kreieren in Windeseile Torchancen. Ronaldo verzieht zunächst nur knapp, kurz danach trifft er den Ball besser. Da Pinto aber rechtzeitig noch seine Beine zusammenbekommt, darf "CR7" noch nicht jubeln. In Minute 26 steckt den Millionen Real-Fans, dann der Atem, als Özil einen Hammer loslässt, der von der Latte gerade zur Torlinie herabprallt. Nach sechs Wiederholungen lässt sich immer noch nicht genau sagen, ob der Ball nicht doch mit vollem Umfang hinter der Markierung war. Eine Minute später erkämpft sich Higuain wie schon in den ersten Sekunden bravourös einen Ball, kann diesen aber erneut nicht im Tor unterbringen. Von Barca – mit Ausnahme eines Schusses von Messi – ist nichts zu sehen.

Barca: Die Hausherren bemühen sich, das Spiel zu machen, die besseren Chancen finden aber – mit Ausnahme eines sehenswerten Messi-Schlenzers – die Gäste vor. Copa-Keeper Pinto hat aus seinem Fehler beim 0:1 im Hinspiel gelernt und pariert diesmal Ronaldos Schuss mit links (12.). In Minute 26 muss er sich geschlagen geben, hat aber Glück, dass Özils Gewaltschuss nur die Latte trifft. Selbst die sechste Wiederholung des madridlastigen Canal+ beweist, dass der Ball beim Aufprall nicht die Torlinie überschreitet. Eine Minute später beschenkt Pinto Higuain mit einem katastrophalen Fehlpass, bessert seinen Fauxpas aber unmittelbar wieder aus.

Dani Alves trifft zum 2:0 für Barca

45+2. Minute – 2:0 Barca

Barca: Nach dem fälligen Freistoß kommt Dani Alves aus der zweiten Reihe zum Schuss und versenkt den Ball unhaltbar im Kreuzeck. Was für eine Genugtuung nach der vorenthaltenen Gelb-Roten Karte.

Real: Der Barca-Freistoß geht in die Mauer, aus dem Hintergrund nimmt Dani Alves Maß und trifft mit einem Tausend-Gulden-Schuss genau ins Kreuzeck. Hätte er eine Millisekunde früher abgezogen, läge der Ball jetzt auf dem Dach des Camp Nou.

 

54. Minute: Ramos’ vermeintliches Tor

Real: Der Anschlusstreffer für Real wird von Schiedsrichter Teixera Vitienes wegen angeblichen Foulspiels von Ramos an Dani Alves aberkannt. Zu Unrecht. "In England wäre das nicht gepfiffen worden", erklärt ein Experte bei "Punto Pelota".

Barca: Klares Foulspiel von Ramos im Strafraum, der Dani Alves vor dem Kopfball zu Boden zieht. Auf das Kommentar des "Punto Pelota"-Experten hin, kontert ein Barca-Fan: "Wären wir in England, hätte Pepe jetzt mindestens vier Spiele Sperre."

 

68. Minute – 1:2 Real

Real: Zuckerpass vom großartig aufspielenden Özil auf Ronaldo, der geschickt verzögert, Pinto ins Leere springen lässt und sicher ins Tor schießt. Ein überdeutliches Beispiel, wie leicht die Barca-Abwehr doch auszuhebeln ist.

Barca: Kapitän Puyol hebt die Abseitsfalle auf, was Ronaldo ermöglicht, weitgehend unbedrängt den Anschlusstreffer zu erzielen.

 

72. Minute – 2:2 Real

Real: Verdienter Ausgleich für Real durch eine tolle Einzelleistung von Benzema. Der Franzose erläuft sich einen abgeblockten Ball, lupft ihn sehenswert über Puyol und schießt trocken ein. Mourinhos Joker sticht.

Barca: Ein unglücklicher Abwehrversuch von Pique landet direkt vor Benzema, der den Ball zuerst über Puyol und dann ins Tor befördert.

 

Die Schlussphase

Barca: Mit etwas Glück bringt der FC Barcelona dieses 2:2 über die Zeit, findet durch Messi aber auch noch eine Chance auf den Sieg vor. Dass mit Ramos zumindest ein Spieler von Real in Minute 88 das Spielfeld vorzeitig verlassen muss, ist ein kleiner Trost.

Real: Das "Kackometer" des FC Barcelona schlägt voll an. Der Champions-League-Sieger hat die Hose voll. Real versucht alles erdenklich Mögliche, um die Sensation im Camp Nou noch zu schaffen. Schiedsrichter Teixeira Vitienes erweist sich bei diesem Unterfangen als keine große Hilfe. Anstatt einen Elfmeter nach Puyol-Foul an Benzema zu pfeifen, stellt er Ramos vom Platz.

 

Die Schiedsrichterleistung:

Barca: Zwei Attacken an Alexis im Strafraum führen nicht zum fälligen Strafstoß, Lass wird nicht vom Platz gestellt. Eine Tätlichkeit von Pepe an Fabregas bleibt völlig unbeachtet. Alles in allem eine wenig zufrieden stellende Leistung des Unparteiischen-Gespanns.

Schiedsrichter Teixeira bekommt von beiden Seiten sein Fett ab

Real: Handspiel von Busquets und Abidal im Strafraum – beides ungesühnt. Unverständliche Milde gegenüber Aggressor Messi, vorenthaltener Strafstoß für Benzema, aberkanntes Tor, Übertriebene Gelbe Karten für Ramos, dagegen keine einzige Verwarnung gegen Dani Alves trotz vier rüder Attacken. Nicht verwunderlich, dass Iker Casillas nach dem Spiel folgende Worte an den Referee richtete: "Teixeira, geh doch mit ihnen feiern. So viel Blödsinn, so viel Scheiße."

 

Fazit der Trainer:

Pep Guardiola: "Man darf nicht glauben, dass man Real einfach so besiegt. Deshalb hat es für uns jedes Mal eine derart große Bedeutung. In zwei Spielen haben wir eine großartige Leistung gezeigt und sind verdiente Sieger von 180 Minuten."

Jose Mourinho: "Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Ich werde nicht über den Schiedsrichter sprechen, aber einige Spieler haben mir gesagt, dass es hier unmöglich ist zu gewinnen."

 

Jede Medaille hat ihre zwei Seiten. Jeder Clasico ebenso.

 

Aus Barcelona berichtet Christian Eberle

43. Minute – 1:0 Barca

Barca: Messi, wie man ihn kennt. In unnachahmlicher Art tritt er an, entledigt sich seiner Bewacher und spielt einen tödlichen Pass zwischen zwei Real-Spieler durch. Aus dem Hintergrund kommt Pedro, der den verletzten Iniesta ersetzt, angerauscht und verwertet den Ball trocken zum 1:0.

Real: Für einen Moment lässt die Real-Defensive Messi zu viel Raum, dieser zieht zur Mitte und schafft es, den Ball zwischen Arbeloa und Pepe zu Pedro zu spielen. Das 1:0 ist dann nur Formsache. Erste Abseits-Vermutungen bestätigen sich leider nicht.

 

45. Minute – Messi Foul

Real: Böses Revanche-Foul von Messi an Pepe. Ohne Chance auf den Ball tritt er dem Portugiesen von hinten in die Beine. Der Schiedsrichter belässt es bei Gelb. Eine krasse Fehlentscheidung.

Barca: Messi jagt hinter Pepe her und zieht diesem, beim Versuch den Ball zu erreichen, die Beine weg. Gelbe Karte. Kann man geben.

 

45+1. Minute – Lass Foul

Barca: Messi nimmt über links Fahrt auf und wird von Lass brutalst von den Beinen geholt. Der Franzose, schon mit Gelb vorbelastet, entgeht aus unerklärlichen Gründen dem Ausschluss.

Real: Lass kommt gegen Messi zu spät und sieht diesen Tausend Tode sterben. Dass der kleine Argentinier nach seiner Tätlichkeit schon nicht mehr auf dem Platz stehen dürfte, macht weitere Spekulationen belanglos.

 

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