Juan Carlos’ Real gegen Felipes Atletico

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Wie der Vater so der Sohn.

Dieses Sprichwort trifft oftmals auch auf die Sympathie zu einem Fußballklub zu. Wenn Papa Rapid-Fan ist, hält auch sein Spross mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den Hütteldorfern.

Patrilinearen Support – oder so ähnlich – würden Soziologen dieses Phänomen nennen.

Dass der Nachwuchs aber manchmal auch nicht den Wünschen der Eltern folgt, kommt ebenso vor. Auch in den besten Familien. Und in königlichen.

Royales Familien-Duell

Spaniens König Juan Carlos I. ist bekennender Fan von Real Madrid, Kronprinz Felipe hingegen drückt dem Lokalrivalen Atletico die Daumen.

Das Finale der Copa del Rey (Freitag, ab 21 Uhr LIVE auf LAOLA1.tv) wird also auch zum königlichen Familien-Duell.

In einem Bewerb, der von Alfonso XIII., dem Großvater des aktuellen Regenten, im Jahr 1903 initiiert wurde, ist das durchaus passend.

„Geh scheißen, Junge!“

Der heute 75-jährige König ist seit seiner Jugend Anhänger der „Blancos“, wie eine Anekdote aus der Saison 1960/61 unterstreicht.

Zur Glanzzeit von Klubikone Alfredo Di Stefano kam der damalige Vizepräsident Raimundo Saporta „mit einem großen Blonden in die Kabine, von dem er sagte, dass er in Zukunft viel zu sagen haben würde“, wie sich der Argentinier Jahre später erinnerte.

Sein Gegenüber sprach den Ausnahmestürmer nach einem seiner schwächeren Spiele forsch an: „Ey, viel ist das ja nicht, was du heute bietest“, worauf Di Stefano antwortete: „Geh scheißen, Junge!“ Der heutige Real-Ehrenpräsident hatte Juan Carlos nicht erkannt.

Stadion statt Erholung

Der Monarch verzieh dem Star der Mannschaft diesen Fehltritt aber gerne, der Liebe zu seinem Verein tat dies keinen Abbruch.

Als am 27. Februar dieses Jahres feststand, dass die beiden Stadtrivalen das Endspiel austragen werden, hatte der passionierte Jäger sein Kommen zugesagt. Und das, obwohl es zu diesem Zeitpunkt um seinen Gesundheitszustand alles andere als gut bestellt war.

Ein Bandscheibenvorfall zog Anfang März eine Operation nach sich. Trotz einer kolportierten Ruhephase von sechs Monaten tauchte Spaniens Nummer eins überraschend beim Champions-League-Halbfinal-Rückspiel Reals gegen Dortmund im Estadio Santiago Bernabeu auf. Die Sehnsucht nach seinem Klub war größer als die Räson.

Während von den Spielern des Rekordmeisters vor allem Sergio Ramos und Kapitän Iker Casillas große Wertschätzung beim König genießen, gibt es auf der anderen Seite neben Klub-Präsident Enrique Cerezo auch einen Kicker Atleticos, der den Blaublütler besonders beeindruckt: Radamel Falcao.

Ein rot-weißes Herz

Sohn Felipe weiß den Kolumbianer ohnehin zu schätzen, ist er doch Ehrenpräsident der „Rojiblancos“.

Trotz seiner offen bekundeten Sympathie für den 1903 gegründeten Verein versucht sich der 45-Jährige als diplomatischer Staatsmann.

Als sich etwa im vergangenen Jahr Atletico und Athletic Bilbao im Europa-League-Finale gegenüberstanden, antwortete der Adelige auf die Frage, wer gewinnen solle: „Heute gibt es keinen Zweifel. Heute haben wir ein rot-weißes Herz.“

Rot und weiß sind die Vereinsfarben beider Klubs.

Am Freitagabend dürfte der Thronfolger aber ebenso wie viele Atletico-Fans auf ein Ende der seit Oktober 1999 währenden Derby-Unserie hoffen.

Ob im Stadion oder zu Hause. Felipe hat sein Beisein im Finale nämlich noch nicht bestätigt. Mutter Sofia hingegen schon.

Über die Klub-Vorliebe der Königin ist allerdings weniger bekannt.


Christian Eberle

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