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Mourinhos langer Schatten

Wo Jose Mourinho ist, ist der Erfolg.

18 Titel hat der Portugiese in seiner Laufbahn gewonnen. Ganz abgesehen von diversen persönlichen Auszeichnungen.

Dementsprechend schwierig ist es auch, in die Fußstapfen des 48-Jährigen zu treten.

Egal, ob der FC Porto, Chelsea oder Inter Mailand – die Nachfolger des „Special One“ hatten so ihre liebe Not mit den hohen Erwartungen ihrer Arbeitgeber.

 

FC Porto:

Mourinhos Amtszeit: 5. Jänner 2002 bis 30. Juni 2004

Mourinhos Titel: Champions-League-Sieger 2004, Meister 2003 und 2004, Cupsieger 2003, Supercup-Sieger 2003

Nachdem Mourinho sensationell in der Königsklasse triumphierte, kehrte er der iberischen Halbinsel den Rücken. Als Nachfolger wurde Luigi Del Neri präsentiert. Das Engagement des Italieners stand unter einem ganz schlechten Stern. Nach nur einem Monat im Amt wurde er entlassen – ohne mit dem Team auch nur ein Pflichtspiel bestritten zu haben. Seine Trainingsmethoden wurden angezweifelt, zudem soll er bei einigen Einheiten gar nicht zugegen gewesen sein. Victor Fernandez übernahm den Platz auf der Porto-Bank. Ende Jänner 2005 war auch er wieder Geschichte, weil er in der Liga hinter den Erwartungen zurückblieb. Bis Saisonende schwang dann Jose Couceiro das Zepter. Der Portugiese verpasste die Titelverteidigung und trat anschließend zurück. Erst mit Co Adriaanse kehrte einigermaßen Ruhe ein – der Niederländer hielt es von Juli 2005 bis August 2006 beim FC Porto aus.

 

Chelsea FC:

Mourinhos Amtszeit: 1. Juli 2004 bis 20. September 2007

Mourinhos Titel: Meister 2005 und 2006, FA-Cupsieger 2007, Ligacupsieger 2005 und 2007, Community Shield 2005

Während seiner Amtszeit in London stieg Mourinho endgültig zum Startrainer schlechthin auf, einzig der Gewinn der Champions League blieb ihm mit den „Blues“ verwehrt. Nach der einvernehmlichen Trennung im September 2007 herrschte Unruhe im Verein, zeitweise war sogar von einer „Meuterei“ der Spieler die Rede. Der Israeli Avram Grant wurde als neuer Coach installiert, erfreute sich aber zu keiner Zeit großer Beliebtheit. Acht Monate später wurde Grant entlassen, nachdem er im Finale der Champions League an Manchester United gescheitert war und auch die Meisterschaft nicht gewinnen konnte. „Nach jeweils zwei Titeln pro Saison in den vergangenen drei Jahren, gab es diese Saison also null Titel, deshalb spreche ich von einer wirklich schlechten Saison“, ätzte Mourinho. Luiz Felipe Scolari setzte sich auf die Bank – für sieben Monate. Schwache Leistungen wurden ihm zum Jahresbeginn 2009 zum Verhängnis. Ray Wilkins übernahm interimistisch, ehe Guus Hiddink die Saison beendete.

 

Inter Mailand:

Mourinhos Amtszeit: 2. Juni 2008 bis 28. Mai 2010

Mourinhos Titel: Champions-League-Sieger 2010, Meister 2009 und 2010, Cupsieger 2010, Supercupsieger 2008

Nachdem Mourinho mit den Mailändern 2010 praktisch alles, was es zu gewinnen gab, gewonnen hatte, sah er die Zeit gekommen, um weiterzuziehen. Real Madrid wurde seine nächste – und bislang letzte – Station. Rafael Benitez trat in die Fußstapfen des Erfolgstrainers – doch sie waren zu groß. Einige peinliche Niederlagen und Uneinigkeit mit Klub-Boss Massimo Moratti sorgten dafür, dass einen Tag vor dem Heiligen Abend 2010 die Trennung vollzogen wurde. Der unerfahrene Leonardo sollte die Saison beenden – in der Liga allerdings hinter Erzrivale AC Milan. Im Sommer wurde Gianpiero Gasperini als neuer Trainer präsentiert. Doch der Italiener wurde nach nur fünf Spielen schon wieder gefeuert. Das 3-4-3-System, das er einführte, griff überhaupt nicht. „Es ist offenkundig, dass der Trainer die Mannschaft nicht mehr im Griff hat“, begründete Moratti die Entlassung.


Harald Prantl

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