"Am Ende gleicht sich alles aus"

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Der LAOLA1-Saloon meldet sich zurück - mit echten Spitzenspielen und solchen, die im Schatten der Top-Ligen über die Bühne gehen. Wir feiern Stars und schimpfen Söldner.

Wir berichten über unsere Legionäre und versorgen euch mit jeder Menge Anekdoten. Diese Woche im Angebot: Ein ewig junger 38-Jähriger, der schadenfrohe Asamoah und der arme Filippo.

Top-Spiele

Was wurden die Bayern nach dem 0:1 in Basel kritisiert. Lustlos und ideenlos spielten sie, dazu "Handshake-Gate" zwischen Heynckes und Ribery. Der Franzose war es dann auch, der den FCB gegen Schalke mit zwei Treffern zu einem hochverdienten 2:0-Sieg führte. Viel wichtiger als die drei Punkte: Trainer und Spieler klatschten ab! Friede, Freude, Eierkuchen beim FC Hollywood.

Ein flottes Spiel lieferte uns der AC Milan im Spitzenspiel der Serie A gegen Juventus Turin. Der amtierende Meister aus der Lombardei wollte den Piemontesen endlich die erste Saisonpleite zufügen. Nocerino brachte die Hausherren dann auch in Führung, Muntari erhöhte auf 2:0 und sorgte für eine Vorentscheidung. Naja, er hätte dafür gesorgt. Schiedsrichter Tagliavento wollte für Spannung sorgen und erkannte den Treffer ab. Um die Szene wiedergutzumachen, zählte auch ein reguläres Juve-Tor in Hälfte zwei nicht. Da die Turiner durch Matri doch noch zum 1:1 kamen, halten wir es wie Udo "Ich habe fünf Standardsprüche, die ich immer bringen kann" Lattek: "Am Ende gleicht sich alles aus."

Statt "Boring, Boring Arsenal" hieß es am Sonntag "Crazy, Crazy Arsenal". Nach dem katastrophalen 0:4 gegen Milan und dem Aus im FA-Cup gegen Sunderland schien die Talfahrt ungebremst weiterzugehen. 0:2 lagen die "Gunners" im Nord-Londoner Derby gegen Tottenham bis zur 40. Minute zurück, doch dann legte die Wenger-Elf los: Sagna und van Persie besorgten noch vor der Pause den Ausgleich. Danach dominierte Arsenal nach Belieben. Rosicky und zwei Mal Walcott fixierten den verrückten 5:2-Sieg.

Viererkette

90 Minuten der Woche: Wir scheuen uns auch nicht davor, in den Niederungen der zweiten deutschen Bundesliga nach Kuriositäten zu suchen. Und siehe da, wir wurden fündig. Das Spiel Greuther Fürth gegen Bochum geizte nicht mit Höhepunkten. Nach früher VfL-Führung drehten die Hausherren auf und setzten sich letztendlich klar mit 6:2 durch. Prägende Figur des Spiels war kein Geringerer als Gerald Asamoah. Neben zwei Treffern und einem Assist trat er mit einem Brutalo-Foul an Bochums Aydin, der dabei einen Wadenbeinbruch erlitt, in Erscheinung. Pechvogel des Tages: Kevin Vogt, der völlig unbedrängt ein Eigentor fabriziert und anschließend beinhart von Asamoah ausgelacht wurde. Schadenfreude ist eben doch die schönste Freude.

Youngster der Woche: Hollywood hätte das Drehbuch nicht kitschiger schreiben können. Es war das 900. Spiel von Ryan Giggs im Dress von Manchester United. Nach dem 1:1-Ausgleich (84.) von Norwich sah alles nach einem Remis aus. Doch in der 91. Minute schlug der ewige Giggs wieder einmal zu: Scharfe Hereingabe von Young und der Waliser machte mit seinem berühmten linken Fuß den Siegestreffer. Ein schöneres Jubiläum kann es kaum geben. "Giggsy", mittlerweile 38 Jahre jung, gab am 2. März 1991 als 17-Jähriger sein Debüt – Damals existierte noch die Sowjetunion und Diego Maradona zog beim SSC Napoli weiße Linien. Detail am Rande: Auch das erste Tor machte mit Paul Scholes (37) ein ManUnited-Urgestein. Was würde Sir Alex nur ohne seine Jungspunde tun?

Coach der Woche: Edy Rejas Auftritt hatte etwas von Jörg Haider. Zuerst war er weg, dann blieb er doch, aber nur für ein Spiel und schließlich änderte sich sowieso nichts. Am Mittwoch reichte der Lazio-Trainer per Fax seinen Rücktritt ein. Dann saß er beim Europa-League-Spiel gegen Atletico am Donnerstag trotzdem noch auf der Bank, weil er seine Mannschaft nicht im Stich lassen wollte. Drei Tage und eine klare 1:3-Pleite später war aber sowieso wieder alles Eitel Wonne. "Wir hatten Meinungsverschiedenheiten. Die haben wir nun ausgeräumt. Ich werde bei Lazio bleiben", verlautbarte Reja, der in seiner Vita schon auf die satte Zahl von 21 Trainer-Stationen zurückblicken kann. Streitpunkt sollen Differenzen in der Transferpolitik gewesen sein.

Plakate der Woche: Filippo, der neunjährige Inter-Fan, hat in Italien mit seinem Plakat für Aufregung gesorgt (siehe letzter Saloon). Natürlich ließen Reaktionen auf das Spruchband des Dreikäsehochs nicht lange auf sich warten. Juventus-Fans hatten für ihn einen guten Rat parat: "Filippo: Wechsle die Schule oder wechsle deinen Verein!" Zudem meldeten sich sogar angebliche Schulkollegen des Mobbing-Opfers zu Wort: "Milan, könntet ihr bitte weiterhin gewinnen? Dann können wir uns in der Schule auch zukünftig über Filippo lustig machen." Übrigens kassierte Inter am Sonntag gegen Napoli mit einem 0:1 die nächste Pleite. Der arme Filippo!

Schattenspiel

Olympique Lyon vs. Paris St. Germain: WAS FÜR EIN SPIEL! Die beiden Klubs lieferten sich einen Schlagabtausch vom Allerfeinsten. PSG ging in Front, Lyon drehet das Spiel und führte 3:1 bzw. 4:2. Dank eines Treffers von Guillaume Hoarau in der 94. (!) Spielminute gelang dem Klub aus der Hauptstadt doch noch der Ausgleich zum 4:4-Endstand. Lyon und PSG teilten die Punkte, womit Montpellier zum lachenden Dritten avancierte. Dank eines 1:0-Erfolges über Girondins Bordeaux eroberte der HSC die Tabellenführung.

Legionär im Fokus

Martin Harnik überragt mit seinen Leistungen momentan natürlich alles und jeden. Doch da seine Tore (7 in der Rückrunde - Liga-Höchstwert) mittlerweile schon zur Gewohnheit werden, werfen wir einen Blick in die Türkei. Dort verlor Besiktas das Derby bei Tabellenführer Galatasaray durch ein Last-Minute-Tor von Elmander mit 2:3. Von den ÖFB-Legionären im Dress der "Schwarzen Adler" durfte diesmal nur Veli Kavlak ran. Der Ex-Rapidler gilt als Allzweckwaffe im Mittelfeld, kommt aber fast immer zentral zum Einsatz. Eine Position, für die ihn Peter Pacult seinerseits noch die Anlagen abgesprochen hat. Während Kavlak einen Fixplatz hat, pendeln seine Kollegen Ekrem Dag und Tanju Kayhan zwischen Ersatzbank und Startelf. Letzterer kam zuletzt vermehrt zum Einsatz, war gegen Galatasaray aber nicht im Kader. Besiktas liegt in der Tabelle übrigens auf Rang drei, fünf Punkte hinter dem Zweiten Fenerbahce.

"On Fire"

Beeindruckend, wie Borussia Dortmund von Erfolg zu Erfolg eilt. Seit nunmehr 17 Spielen ist die Truppe von Jürgen Klopp bereits unbesiegt, in der Tabelle liegen sie vier Zähler vor dem ersten Verfolger aus München. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass sie mit drei Punkten Rückstand in die Rückrunde starteten. Seither jedoch läuft es beim BVB wie am Schnürchen. Sechs spiele, sechs Siege, 15:3 Tore.

"On Ice"

LAOLA1 ist mit Spaniens Fußball ja bestens vernetzt. Somit ist es an der Zeit auch auf die Teams zu schauen, die abseits von "La Liga" die Fans im Land des Weltmeisters erfreuen. Obwohl Polideportivo Ejido wohl derzeit eher ausschließlich Trübsal auslöst. Der andalusische Verein mit dem lustigen Wappen wartet seit 25 Runden auf einen vollen Erfolg und liegt mit sieben Punkten aus 26 Spielen an letzter Stelle der Gruppe IV der Segunda Division B. Dabei hatte mit dem Sieg an Spieltag eins inklusive Tabellenführung doch alles so gut angefangen...

Nicht der Bestaussehendste, aber der Beste

Was macht eigentlich … Ali Karimi? 

Viele staunten nicht schlecht, als Felix Magath den Ex-Bayer im vergangenen Winter als Neuzugang auf Schalke präsentierte. Nach nur 27 Minuten in der Bundesliga kehrte der Iraner im Sommer allerdings wieder zu seinem Heimatverein FC Persepolis zurück. Dort fühlt er sich merkbar wohler. Nicht nur, dass er im letzten Bewerbsspiel seinem Team beim 2:2 in Saba mit einem Tor in der 89. Minute einen Punkt gerettet hat, auch der Titel des "beliebtesten Fußballer Asiens" gehört Karimi. Mit deutlichem Vorsprung verwies er da andere Größen wie Farhad Majidi und Yasser Al-Qahtani auf die Plätze. Ach ja...und wenn wir schon beim FC Persepolis sind: Die nach ihrem "unmoralischen" Torjubel suspendierten Kicker Mohammad Nosrati und Sheis Rezaei durften beim Freundschaftsspiel gegen Paykan (1:0) erstmals seit Oktober wieder ran. Auch im Iran wird einem vergeben.

 

Fußnoten

Konditionsschwäche - Tottenham hat ein Drittel aller Gegentore in der Schlussviertelstunde erhalten. Felix Magath wüsste, was zu tun ist. #Medizinbälle

Tormaschine - 110 Spiele hat Cristiano Ronaldo für Real Madrid auf dem Buckel. Seine Ausbeute? Phänomenale 112 Tore. Logisch, dass er beim 1:0-Erfolg über Rayo Vallecano das Goldtor - mit der Ferse! - erzielte.

Durststrecke - Martin Skrtel beendete selbiges des FC Liverpool im Finale des Carling Cups. Sein Treffer war der erste der "Reds" im Wembley seit 1995. Nach einem unglaublichen Elfmeter(ver)schießen (3:2 für Liverpool) gab's sogar noch den Titel zu bejubeln.

Genschwäche - Weil's so schlecht war - noch einmal das Elferschießen im Wembley. Liverpool-Urgestein Steven Gerrard verschoss den ersten Strafstoß, sein Cousin und Gegenspieler Anthony Gerrard den (entscheidenden) letzten.

Bärendienst - Ganze 70 Sekunden hielt es Federico Balzaretti (US Palermo) beim AC Siena auf dem Platz, ehe er für die schnellste Rote Karte in der Serie A in dieser Saison sorgte. Sein Team verlor am Ende 1:4.

Konstanz - Lyon und PSG trennten sich bekanntlich 4:4, das erste Tor der Hausherren erzielte Gomis. Damit ist er der einzige Ligue-1-Knipser, der in den letzten sechs Spielzeiten zweistellig traf.

Strafraumstürmer - Apropos Lyon-PSG. Doppel-Torschütze Guillaume Hoarau hat inzwischen 35 Treffer in Frankreichs höchster Liga erzielt - allesamt innerhalb des 16ers.

Auswärtsmacht - Acht Spiele in Folge ist der HSV in der Fremde ungeschlagen. Seit genau acht Auswärtsspielen sitzt Thorsten Fink auf der Trainerbank. Ganz klar: Purer Zufall!

Pechvögel - Wie viel Pech verträgt ein Team? Jede Menge, wenn es nach dem SV Werder geht. Pizarro sorgte beim 0:1 gegen Nürnberg für den 15. Aluminium-Treffer der Saison. Zum Vergleich: Gladbach hält bei zwei.

Wiederholungstäter - Messis Überraschungsfreistoß besorgte Barca den 2:1-Sieg bei Atletico Madrid. (siehe Video) Überraschend war's, neu nicht. Bereits am 4. Oktober 2008 traf "La Pulga" auf diese Weise. Leidtragendes Team war damals, wie sollte es anders sein, ebenfalls Atletico.

 

Jakob Faber/Christoph Nister/Christian Eberle

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