Die Stunde der "Bad Boys"

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Er ist wieder da. Das Format aller Formate. Der Grund für einen perfekten Start in die Woche. Der LAOLA1-Saloon.

Wie gewohnt werdet ihr mit Kuriositäten, Zahlenspielen und Neuigkeiten aus den Top-Ligen versorgt.

Diese Woche unter anderem im Angebot: Zahlreiche "Bad Boys", "Ikone" Balotelli und die Rückkehr einer "Alten Dame".

 

Top-Spiele

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. So oder so ähnlich dachten Juventus Turin und der AC Milan, als das Spitzenspiel der Serie A angepfiffen wurde. Abwarten, keine dummen Fehler begehen, nur kein unnötiges Risiko eingehen - entsprechend chancenarm gestaltete sich vor allem die erste Hälfte. Früh entwickelte sich das Gefühl: Es gewinnt, wer das erste Tor schießt. Schlussendlich sollte es auch so kommen. Nach einem weiten Pass von Pirlo ging der für den verletzten Abbiati eingewechselte Amelia ungeschickt in einen Zweikampf mit Asamoah und verschuldetete einen Elfmeter, den Vidal unwiderstehlich im Kreuzeck versenkte. Das 1:0 (57.) war zugleich der Endstand. Wer jetzt noch Zweifel am 29. Scudetto der "Bianconeri" hat, ist nicht mehr zu helfen.

 

  Auch wenn es seit geraumer Zeit seltsam anmutet, das Wort Spitzenspiel mit dem FC Liverpool in Verbindung zu bringen - wir wagen dann doch den Versuch, schließlich hatte die Begegnung mit dem FC Chelsea im wahrsten Sinne des Wortes Biss (dazu später mehr). Die Gäste aus dem Westen Londons erwischten den besseren Start, Oscar bescherte den "Blues" das 0:1 (26.). Liverpool bewies jedoch Kampfgeist und glich durch Sturridge aus (52.). Per Handelfmeter stellte Hazard den alten Abstand wieder her (57.), doch die "Reds" wollten nicht klein beigeben. Es bedurfte allerdings 97 Spielminuten, ehe die Stimmung an der Anfield Road ihren Siedepunkt erreichte: Per Last-Second-Tor sorgte Suarez, der zuvor den Elfmeter verschuldete, für den 2:2-Endstand.

 

Schattenspiel

Den Glanz vergangener Tage besitzt das Derby zwischen Benfica und Sporting Lissabon nicht mehr, eine gewisse Strahlkraft übt das Spiel jedoch weiter aus. Der favorisierte Rekordmeister, in dieser Saison - wie Verfolger Porto - noch immer ungeschlagen, wurde seiner Rolle von Beginn an gerecht. Die "Aguias" (Adler) gingen dank Salvio nach 36 Minuten in Führung. Das finanziell marode Sporting (nur Platz acht in der Liga) zeigte sich bemüht, doch mit dem 2:0 (75.), das zugleich den Endstand markierte, war das Ding durch. Der Treffer durch Lima war allerdings ein Schmankerl der Klasse "Tor des Jahres". Gaitan düpierte gleich zwei Gegenspieler, ließ einen Doppelpass mit Salvio folgen und servierte schlussendlich Lima den Ball so perfekt, dass dieser volley vollenden konnte.

Viererkette

Dieb der Woche: Josip Gaspar hat sich als Aktiver in 420 Spielen für Dinamo Zagreb einen guten Ruf erarbeitet, um ihn mit einer dummen Aktion als Trainer zu ruinieren. Lange war unklar, warum der 40-Jährige bei NK Precko, einem unterklassigen Klub, entlassen wurde. Nun herrscht Gewissheit. Der gewichtige Gaspar entwendete zunächst die Geldbörse eines Spielers, um anschließend mit dessen Kreditkarte 36 Ein-Liter-Flaschen Jägermeister zu erwerben. Dank einer Überwachungskamera kam ihm die Polizei schnell auf die Schliche. Just in jenem Moment, als Gaspar Nachschub besorgen wollte, klickten die Handschellen.

 

Biss der Woche: Kratzen, zwicken, beißen - für gewöhnlich sind es Abstiegskandidaten, die mit solchen Methoden ums Überleben kämpfen. Luis Suarez muss sich diesbezüglich keine Sorgen machen, über sein Verhalten sehr wohl. Nach kurzem Gerangel biss er Gegenspieler Branislav Ivanovic beim 2:2 Liverpools gegen Chelsea aus heiterem Himmel in den Arm. Nicht das erste Blackout des 26-Jährigen, bei dem die Grenzen zwischen Genie und Wahnsinn immer mehr verwischen. Bereits 2010 - seinerzeit in Diensten von Ajax Amsterdam - biss er einen Gegenspieler, zuletzt schlug den Chilenen Gonzalo Jara in einem Länderspiel ins Gesicht. Nicht zu vergessen der Rassismus-Skandal um Patrice Evra oder ein handfester Streit mit einem Mitspieler zu Ajax-Zeiten. Ein echter "Bad Boy" eben.

 

Bild der Woche:

Willkommen zurück in der Bundesliga, liebe Hertha!


Skandal der Woche: Uli Hoeneß, die "Stimme des Volkes", der Gut-Mensch, der Retter vieler Vereine. Ja, Uli Hoeneß hat Dreck am Stecken. Die Steuerfahnder ermitteln gegen den Bayern-Präsidenten, Grund dafür soll ein Konto des 61-Jährigen in der Schweiz sein. Hoeneß hat Gerüchten zufolge mehrere Millionen Euro hinterzogen. Doch das ist nicht der Punkt, denn belogen und betrogen haben schon viele Promis. Es geht vielmehr darum, welche Werte er über Jahre vermittelte. Aussagen wie "Mir ist inzwischen egal, ob ich 20, 50 oder 100 Prozent steuern zahle. Mir geht es um die kleinen Leute" oder "Es ist doch unklug, (...) denn irgendwann kommt (...) alles heraus. Und es kann doch nicht der Sinn der Sache sein, ins Gefängnis zu wandern, nur um ein paar Mark Steuern zu sparen", sind es, die uns "kleine Leute" stören. Hoeneß hat stets polarisiert, doch er wirkte immer authentisch und glaubwürdig. Diese Kredibilität hat er nun verloren und wird sie für kein (Steuer)Geld der Welt zurückgewinnen.

 

Balotelli der Woche: Und nun die Antithese zu all den Schreckensmeldungen aus der Welt des Fußballs. Wir sind ja so stolz auf unseren Mario. Seit Beginn des Saloons behandeln wir den "Bad-Boy" wie unseren Ziehsohn und verfolgen seinen Werdegang mit Argusaugen. Mit Tränen in den Augen können wir sagen: "Super-Mario" hat es geschafft. Das "Time Magazine" hat zwar Bundeskanzlerin Angela Merkel aus seinem Ranking der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt eliminiert, dafür aber Balotelli in diesen erlesenen Kreis integriert. Der 22-Jährige wurde als "Ikone" aufgenommen. Und womit? Mit Recht!

 

"On Fire"

Lange Zeit war der FC Southampton mittendrin, statt nur dabei, was den Abstiegskampf in der Premier League betraf. Davon kann inzwischen kaum noch eine Rede sein, sind die "Saints" doch seit nunmehr sechs Spielen en suite ungeschlagen. Die Tabelle spuckt das Team von Mauricio Pocchettino auf Rang zwölf aus. Speziell auswärts präsentiert sich Southampton wie ausgewechselt. Drei Mal in Folge blieb man nun schon ohne Gegentreffer, nachdem zuvor 34 in 14 Spielen zu Buche standen. Und offensiv? Da macht Rickie Lambert mit bereits 14 Treffern auf sich aufmerksam.

 

"On Ice"

Der Rekord von Otto Rehhagel ist greifbar nah, doch er wackelt gehörig. Seit 13 Jahren und 11 Monaten ist Thomas Schaaf beim SV Werder nun schon im Amt, nach neun sieglosen Spielen in Folge gerät er jedoch zunehmend in die Kritik. "Wenn ich im Wege stehen sollte, dann gehe ich gerne zur Seite", bot er den Bremern sogar seinen Rücktritt an. Der Klub plant - vorerst - weiter mit ihm, sodass Rehhagels Bestmarke für den längstdienenden Werder-Trainer (14 Jahre, 2 Monate, 29 Tage) nach wie vor möglich ist. Spielt der SVW jedoch auch in den nächsten Wochen so desaströs wie zuletzt gegen Wolfsburg, muss man bei den Nordlichtern umdenken. Mut macht vielleicht das grün-weiße Pendant aus Österreich. Auch Rapid hatte neun Spiele kein Glück, um im zehnten Anlauf voll zu punkten. Der Gegner hieß allerdings Wr. Neustadt - auf Werder wartet indes Leverkusen.

 

Was macht eigentlich … Theofanis Gekas?

Auch auf seine alten Tage hat der Grieche das Toreschießen nicht verlernt. Gekas, der in seiner Karriere u.a. für Panathinaikos, den VfL Bochum, Leverkusen, Portsmouth, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt und UD Levante die Schuhe schnürte, fungiert derzeit als "Überlebensversicherung" für seinen Arbeitgeber, den türkischen Erstligisten Akhisar Belediyespor. Dieser kämpft ums nackte Überleben, liegt in der Süper Lig auf Rang 15 und damit gerade so über dem Strich. Auch oder vor allem dank Gekas, der beim überraschenden 4:1-Heimsieg über Besiktas einen Doppelpack schnürte und bereits bei zehn Saisontreffern hält. Angesichts des klaren Erfolges ist es auch verschmerzbar, dass der Hellene einen Hattrick verpasste, in dem er einen Elfmeter versemmelte.

Fußnoten 

Frühstarter- Acht seiner zwölf Bundesliga-Tore in dieser Saison erzielte Marco Reus in der Anfangsviertelstunde. Der BVB hat in den ersten 15 Minuten bereits 15 Treffer verbucht - mit Abstand Ligaspitze.

Rom-Spezialist - Der Siegtreffer gegen Lazio war Antonio di Natales zwölftes Serie-A-Tor gegen die "Biancocelesti". Öfter traf er nur gegen deren Stadtrivalen AS Roma (13).

Ballverliebt - Der 1:0-Sieg des FC Barcelona war das 301. Spiel in Folge, in dem die Katalanen mehr als 50 Prozent Ballbesitz vorzuweisen hatten. Zuletzt zog man in dieser Kategorie 2008 den Kürzeren - gegen Real.

Premiere - Die Niederlage gegen Juve bedeutete für Milan die erste Serie-A-Pleite in diesem Jahr. Damit ist nur noch der FC Bayern aus den Top-Vier-Ligen ungeschlagen.

Ewigkeit - Lang, lang, ist's her: Zlatan Ibrahimovic hält inzwischen bei 27 Saisontreffern in der Ligue 1. Zuletzt gelangen Jean-Pierre Papin vor 21 Jahren derart viele Tore.

Last Minute - Luis Suarez' Ausgleichstreffer gegen Chelsea (Minute 97) war der späteste in dieser PL-Saison.

Schiedsrichter-Lieblinge - Juventus wurden bereits zehn Elfmeter in dieser Saison zugesprochen. Kein Klub aus den Top-Ligen bekam mehr.

 

Christoph Nister

 

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