Echte Männer dürfen weinen

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Er ist wieder da. Das Format aller Formate. Der Grund für einen perfekten Start in die Woche. Der LAOLA1-Saloon.

Wie gewohnt werdet ihr mit Kuriositäten, Zahlenspielen und Neuigkeiten aus den Top-Ligen versorgt.

Diese Woche unter anderem im Angebot: Ein ausgedienter "Teppich", zahlreiche Tränen und ein zurückgekehrtes Lachen.

 

Top-Spiele

Nach dem Last-Minute-Sieg im Schlager gegen Benfica sollte das Gastspiel des FC Porto bei Pacos de Ferreira nur noch zum Schaulaufen werden. Dennoch brauchte es einen mehr als fragwürdigen Elfmeter (alle Highlights im Video), um die "Drachen" Richtung 27. Meistertitel fliegen zu lassen. In Überzahl besorgten Lucho und Torschützenkönig Jackson (mit Nachnamen hat man es in Portugal nicht so) die Tore zum 2:0-Sieg. Viel Trübsal wird bei den Unterlegenen aber nicht geblasen, schließlich darf man als Dritter erstmals um die Champions League miteifern.

Jung gegen alt, hungrig gegen satt, arm gegen reich oder auch Solarenergie gegen Gazprom. Gegensätze wurden vor dem Spiel SC Freiburg gegen Schalke 04 in den deutschen Medien zu Genüge strapaziert. Am Ende hatte der Goliath aus Gelsenkirchen, um auch noch einen biblischen Vergleich heranzuziehen, gegen den David aus dem alten Dreisamstadion das bessere Ende für sich und schnappte sich mit 2:1 das letzte Champions-League-Ticket. Für die Breisgauer aber nur halb so schlimm, birgt doch schon die Europa League genügend Gefahrenpotenzial. Zur Erinnerung: Die letzten beiden Male, als sich Freiburg für den Europacup qualifizierte (1995, 2001), folgte kurz darauf der Abstieg. Kaum auszudenken, was eine Teilnahme in der "Königsklasse" für Folgen nach sich ziehen würde.

Das Spiel Roma gegen Napoli konnte zwar nicht mit großer sportlicher Wertigkeit aufwarten, dafür aber mit einer umso interessanteren Personalie. Schließlich zog SSC-Coach Walter Mazzarri nach vier Jahren einen Schlussstrich unter seine Zeit in Neapel. Als künftiger Arbeitgeber wird allzu oft ausgerechnet die Roma genannt. Insofern könnte der 2:1-Sieg der "Giallorossi" ja schon den ersten Erfolg der Ära Mazzarri in der Hauptstadt darstellen, im übertragenen Sinne zumindest.

Schattenspiel

Nachdem in La Liga die ersten drei Plätze bereits seit geraumer Zeit an Barca, Real und Atletico vergeben sind, lohnt es, einen Stock tiefer zu blicken. Während Tabellenführer Elche trotz des 1:2 in Almeria den Aufstieg bejubeln durfte, lieferten sich Villarreal und Girona ein packendes Duell um den Platz des ersten Verfolgers. Nach dem 4:1 hat das "Gelbe U-Boot" die besten Karten, auch in den letzten drei Runden Platz zwei zu behaupten und dem strapaziösen Aufstiegs-Playoff zu entgehen. Oder wie es Spielmacher Cani beschreibt: "Wenn wir den direkten Aufstieg jetzt nicht schaffen, muss man uns Kopfstöße verpassen."

Dreierkette

Cyber-Attacke der Woche: Die Rivalitäten zwischen den beiden Fußball-Großmächten Sevillas findet in der virtuellen Welt seine Fortsetzung. So stand auf der Website des FC Sevilla unter der Woche in großen Lettern: "Real Betis Balompie, die beste Mannschaft Andalusiens". Einige Zeilen darunter nannte der "Online-Spaßvogel" gleich zwei Verdächtige, ihres Zeichen Stürmer des Klubs: "Verdientermaßen gehackt! Vielleicht war es ja Negredo, vielleicht Baba. Man weiß es nicht." Man wird es wohl auch nie erfahren. Die Seite ist mittlerweile wieder geändert.

Comeback der Woche: Es wird sentimental im Saloon. 540 Tage ist es her, seit Giuseppe Rossi das letzte Mal in einem Pflichtspiel gegen den Ball getreten hat. Das ist in etwa die Zeit, die man in Turin warten muss, bis Nicklas Bendtner einmal ein Tor erzielt, oder in Neapel, bis der Müll abgeholt wird. In Pescara durfte der Stürmer mit amerikanischen Wurzeln beim 5:1-Sieg der Fiorentina ab Minute 64 mitwirken und sezte einen vorläufigen Schlussstrich unter seine von zwei Kreuzbandrissen geprägte Leidensgeschichte. Rossi selbst meldete sich kurz danach via "twitter" zu Wort: "Das Lachen ist zurück." Hoffentlich bleibt es uns lange erhalten.


Abschiede der Woche: Wenn es vorher sentimental wurde, so wird es jetzt noch weitaus sentimentaler (ja, werte Germanisten, über diesen Komparativ lässt sich streiten): Sir Alex Ferguson, David Beckham, Paul Scholes, Jamie Carragher, Michael Owen, Stiliyan Petrov, Jupp Heynckes, Mark van Bommel, um nur einige zu nennen - die Rücktrittswelle im Profi-Fußball ist heuer so groß, dass Don McLean bereits beauftragt wurde, eine neue Hymne zu schreiben. Für die vielen geschundenen Seelen, denen die Idole ihrer Kindheit abhanden gekommen sind - getreu dem Motto: "The day the football died."

Bild der Woche

Die spanischen Kollegen (von denen das Bildsignal und die Inserts kommen) haben sich festgelegt: Real-Verteidiger Fabio heißt nun offiziell "Concentrao"

"On Fire"

Wer sieben Spiele in Folge gewinnt, ist "on fire", wer eine ganze Saison ohne Niederlage absolviert, ist unglaublich. Und wer das schon zum zweiten Mal in den letzten drei Jahren schafft, ist einfach "portonisch". Der FC Porto hat sich sein eigenes Adjektiv verdient, um die Leistungen in der Primeira Liga zu beschreiben. Seit der Spielzeit 2010/11 gelang es lediglich Gil Vicente (!) am 29. Jänner 2012 gegen die "Drachen" im Meisterschaftsbetrieb zu gewinnen. Wir ziehen unseren Hut.

"On Ice"

Während anderswo die Meister gefeiert und Bilanzen gezogen werden, läuft in den Vereinigten Staaten die Meisterschaft auf Hochbetrieb. Obwohl man bei DC United eigentlich eher von Sparflamme sprechen müsste. Der Conference-Finalist der Vorsaison ist mit nur einem Sieg aus elf Begegnungen das schlechteste aller MLS-Teams. Auf den einzigen Sieg am zweiten Spieltag gegen Salt Lake folgten zwei Remis und sieben Niederlagen. Am Wochenende durfte beim 1:1 gegen Kansas City zumindest wieder ein Punkt gefeiert werden. Kommentar von Torschütze Kyle Porter: "Ich glaube, wir sind es einfach leid, zu verlieren." Na dann.

"Der Teppich" hat ausgedient

Was macht eigentlich … Mehdi Mahdavikia

Es ist die Zeit der Abschiede, auch im fernen Persien - heute Iran genannt. Mehdi Mahdavikia hat seine 18 Jahre währende Karriere vor kurzem beendet. Was hierzulande weitgehend unterging, sorgte in seiner Heimat für großes Aufsehen. Der gebürtige Teheraner wählte für seinen Abgang nämlich das Finale des Hazfi-Cups und damit eine Kulisse von knapp 85.000 Zusehern. Seinem Klub, Persepolis, war allerdings kein erfolgreicher Abend beschert - das Match gegen Sepahan - auch als iranischer "Clasico" bekannt, ging mit 2:4 im Elfmeterschießen verloren. "Ich wollte meine Karriere gerne mit einem Pokal beenden. Leider hat das nicht geklappt", zeigte sich auch Mahdavikia enttäuscht. "Der Teppich", wie der Dribbler in Anlehnung an seine sanfte Art zu spielen genannt wurde, kann dennoch auf eine große Laufbahn und Glanzzeiten in Bochum, bei Eintracht Frankfurt und vor allem beim HSV zurückblicken.

Fußnoten 

Jubiläum I - Victor Valdes trug im Spiel gegen Real Valladolid zum 500. Mal das Trikot des FC Barcelona. Der Elfer zum 2:1 von Perez war das 416. Gegentor, das der 31-Jährige einstecken musste.

Jubiläum II - Wieder Barcelona, wieder 500. Diesmal aber wengier erfreulich. Das 0:2 von Espanyol gegen Deportivo war das 500. Auswärtsspiel der "Periquitos" ohne Torerfolg in der Vereinsgeschichte.

Tor(ohne)Erfolg - Mit einer Tordifferenz von +28 hält der FC Liverpool den besten Wert eines Teams, das außerhalb der ersten Sechs der Tabelle landet, seit Einführung der 20er Liga.

Schirilieblinge - Mit 49 zugesprochenen Elfmetern in den letzten fünf Jahren hält der AC Milan den Spitzenwert aller Teams in den Top-5-Ligen.

Schirifeinde - 1860 München bekam in dieser Zweitliga-Saison keinen einzigen Elfmeter zugesprochen. Dies war das letzte Mal 2008/09 der Fall. Schon damals traf es die "Löwen".

Gelbsucht - Mit seiner insgesamt 19. Gelben Karte in dieser La-Liga-Saison zieht Saragossas Cristian Sapunaru im historischen Vergleich mit Diego Simeone, Fernando Gamboa und Pablo Gomez gleich.

Tor-Flut - Fünf Tore in den ersten 18 Minuten, wie beim Duell Gladbach gegen Bayern, bedeutet neuen Bundesliga-Rekord. Die alte Bestmarke lag bei 23 Minuten.

Franzosen-Xavi - Mathieu Valbuena ist der einzige Spieler in der Ligue 1, der in dieser Saison mehr als 1.000 Pässe in der gegnerischen Hälfte gespielt hat.

Top-Joker - Reading-Stürmer Adam Le Fondre stellt mit acht Toren nach Einwechslung einen neuen Bestwert in der Premier League auf.

 

Zum Abschluss und zu Ehren von Sir Alex Ferguson noch drei Fakten zum 5:5 von Manchester United gegen West Bromwich, dem letzten Spiel seiner Karriere:

Alle Zehne - Zehn Tore durfte Ferguson nur zwei Mal in Ligaspielen erleben. Das andere Mal beim 8:2-Sieg gegen Arsenal in der Vorsaison.

Historisch - Das letzte 5:5 gab es in Englands oberster Spielklasse im September 1984 zwischen Newcastle und den Queens Park Rangers.

Ultrahistorisch - Das letzte 5:5 von ManUnited in einem Liga-Spiel gab es im November 1895 in der Division Two gegen Lincoln, damals noch als Newton Heath FC.

 

Christian Eberle

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