Wenn der Zeugwart zum Cheftrainer wird

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Er ist wieder da. Das Format aller Formate. Der Grund für einen perfekten Start in die Woche. Der LAOLA1-Saloon.

Wie gewohnt werdet ihr mit Kuriositäten, Zahlenspielen und Neuigkeiten aus den Top-Ligen versorgt.

Diese Woche unter anderem im Angebot: Ein handfester Skandal, eine Geschmacklosigkeit und ein Zeugwart in der Rolle des Cheftrainers.

Top-Spiele

Der Titel wird so gut wie sicher stadtintern von City zurück zu United wandern, da trifft es sich für den baldigen Ex-Meister umso besser, wenn man dem verhassten Rivalen im direkten Duell ein Schnippchen schlagen kann - noch dazu auswärts in Old Trafford. City ging im Manchester-Derby als 2:1-Sieger vom Platz und verkürzte damit den Rückstand auf den überlegenen Tabellenführer bei sieben austehenden Partien auf zwölf Punkte. Die "Citizens" waren über weite Strecken das gefährlichere Team und gingen in einer temporeichen Partie durch Milner (51.) in Führung. Uniteds Ausgleich fiel durch ein Eigentor von Kompany (59.). In der Schlussphase sorgte der eingewechselte Aguero (78.) für den entscheidenden Treffer. Dieser Sieg war wohl Balsam für die Seele.

 

Derby-Time auch in Rom, wo sich leider einige unbelehrbare Fans schon vor dem Anpfiff bei Randalen gegenseitig demonstrierten, wie wenig sie voneinander halten. Auf dem Feld trennten sich die beiden Rivalen schiedlich und friedlich mit 1:1. Hernanes brachte Lazio schon in der 16. Minute in Führung. Der Torschütze vergab aber in der 49. Minute einen Elfmeter nach Handspiel im Strafraum, womit die Gäste die Vorentscheidung verpassten. Niemand Geringerem als Roma-Kapitän Francesco Totti war es vorbehalten, den Ausgleich per Elfmeter zu erzielen (57.). Den im Prinzip schon obligatorischen Platzverweis gab es natürlich auch. Die Gelb-Rote Karte für Lazios Biava war der 15. Ausschluss in den letzten zehn Römer Derbys.

 

Mit vier Siegen in Serie war der AC Milan nach Florenz gereist, um gegen die "Viola" auf fünf zu erhöhen. Montolivo (14.) brachte die "Rossoneri" früh auf Kurs, ein Platzverweis gegen Tomovic (39.) spielte den Lombarden ebenfalls in die Karten. Als dann auch noch Flamini auf 2:0 erhöhte (62.), war der Käse gegessen. Dachten zumindest die Gäste, die fortan fahrlässig agierten und die vermeintlich sicheren drei Punkte noch aus der Hand gaben. Zwei Elfmeter-Tore durch Ljajic (66.) und Pizarro (73.) bescherten der Fiorentina ein kaum noch für möglich gehaltenes 2:2 und kosteten Milan im Kampf um Platz zwei wertvolle Zähler.

Schattenspiel

Von diesem Spiel werden die Spieler noch ihren Enkeln erzählen. In der Süper Lig kam es zwischen Galatasaray und Mersin Idman Yurdu zu unglaublichen Szenen. Bereits nach drei Minuten ging der Außenseiter durch Burhan in Front, eine halbe Stunde war gespielt, da wurde "Galas" Nounkeu mit Rot des Feldes verwiesen. Das Rahmenprogramm beinhaltete Lattentreffer und Riesenchancen im Überfluss, zudem wurde Trainer-Legende Fatih Terim auf die Tribüne verwiesen. Das Ganze war allerdings nicht mehr als die Ouvertüre für Durchgang zwei.

In diesem handelten sich auch die Co-Trainer Hasan Sas und Ümit Davala - beide Teil der WM-Mannschaft von 2002 - "Platzverweise" ein, sodass der komplette Trainerstab die Coaching Zone verlassen musste. "Du bist der Chef!", schrie Terim dem Zeugwart schließlich entgegen, nachdem dieser plötzlich in der Verantwortung stand. Ebenfalls erwähnenswert: Einige Dummköpfe stürmten den Rasen, wurden aber von den Spielern sowie vom Ordnungspersonal rasch besänftigt. Ach ja: Ganz nebenbei drehte der Rekordmeister das Spiel trotz Unterzahl und gewann nach Treffern von Melo (Elfmeter) und Drogba (2) mit 3:1.

Mou, das hast du nicht verdient

Viererkette

Geschmacklosigkeit der Woche: Jose Mourinho mag ein Exzentriker sein. Ein Selbstdarsteller. Auch ein zu sehr von sich eingenommener Fußballlehrer. Was sich jedoch ein paar Idioten in Madrid geleistet haben, geht weit über den guten Geschmack hinaus. "Heil Mou" stand auf einem Transparent vor dem Stadion geschrieben, dazu wurden die Antlitze Mourinhos und Adolf Hitlers abgebildet. Hintergründe und Täter sind vorerst unbekannt. Wir hoffen inständig, dass die Schwachköpfe eruiert und zur Rechenschaft gezogen werden.

 

Händedruck der Woche: Für gewöhnlich dient das Händeschütteln als Begrüßungsritual. In der deutschen Frauen-Bundesliga kam es dabei zu einem Eklat. Freiburg-Trainer Milorad Pilipovic war im Spiel gegen den VfL Wolfsburg ohnehin schon gereizt, als Schiedsrichterin Christina Biehl beim Stand von 1:1 auch noch fünf Minuten nachspielen ließ. Endgültig aus der Haut fuhr er, als seine Mädels in der "Verlängerung" auch noch das 1:2 kassierten. Pilipovic war außer sich und drückte Biehls Hand bei der Verabschiedung derart heftig, dass diese laut eigenen Aussagen starke Schmerzen davontrug und ein Hämatom erlitt. Das Sportgericht "zweifelt nicht an den Aussagen der Schiedsrichterin", sperrte den Trainer für drei Spiele und legte diesem zusätzlich 500 Euro Strafe auf. Ein handfester Skandal ...

 

Balotelli der Woche: Unser hoch geschätzter "Super-Mario" hat wieder zugeschlagen - im übertragenen Sinne. Der AC Milan bestritt die Anreise zum Spiel in Florenz mit dem Zug. In diesem herrschte Rauchverbot, was Balotelli so gar nicht in den Kram passte. Vermeintlich clever schlich er sich auf die Toilette, um dort seiner Lust nach einem Glimmstängel nachzukommen. Zu seinem Pech wurde er nicht nur von einem Bahn-Beamten erwischt, auch Vize-Präsident Adriano Galliano bekam Wind von der Angelegenheit. Er ließ dem 22-Jährigen ausrichten, er dürfe sich auf eine (weitere) Geldstrafe einstellen.

 

Missbrauch der Woche: Ein Aufschrei ging durch Europa, als die WM 2010 in Südafrika begann und während der Spiele 90 Minuten lang ein nerviger Dauerton zu hören war. Vuvuzelas zeichneten dafür verantwortlich, dass TV-Sender reagierten und Filter installierten, um den Zusehern das Konsumieren der WM-Begegnungen angenehmer zu gestalten. Ein südafrikanischer Fan hat die Funktion dieses Blasinstruments nicht ganz verstanden und es beim Aufeinandertreffen der Kaizer Chiefs mit den Golden Arrows schlichtweg missbraucht. Nach einer umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung stürmte er aufs Feld, um den Unparteiischen mit seiner Vuvuzela zu vermöbeln.

Bild der Woche

Eric Abidal ist zurück!

"On Fire"

Nicht etwa die Torfabriken aus Eindhoven (88 Saisontreffer) oder Amsterdam (70) stellen den torgefährlichsten Spieler der Eredivisie, sondern Vitesse Arnheim. Sein Name? Wilfried Bony. Der 24-jährige Ivorer trifft aus allen Lagen und ist maßgeblich daran beteiligt, dass sein Klub im Titelkampf mitmischt. 29 Mal schlug es in 26 Spielen beim Gegner ein, bewerbsübergreifend hält er bei 36 Volltreffern in 35 Einsätzen. Besonders beeindruckend: In jeder der letzten acht Liga-Begegnungen hinterließ er bleibenden Eindruck in Form von Toren (insgesamt 13).

 

"On Ice"

Drei Punkte Rückstand auf Leader PSG, Tabellenplatz zwei, mitten im Titelkampf. Für Olympique Lyon lief die Saison gut - bis zum 26. Spieltag. Seither ist der Erfolg der Mannschaft von Rémi Garde überschaubar. 1:1 bei Stade Brest, 0:0 gegen "OM", 1:4 beim SC Bastia, 1:2 gegen den FC Sochaux und nun auch noch ein 0:1 bei Stade Reims. "Les Gones" sind ins Trudeln geraten und müssen nun sogar um die Teilnahme am internationalen Geschäft bangen. Nach 31 Spieltagen ist man auf Rang vier abgerutscht, der immerhin noch die Europa-League-Quali bedeuten würde. Die nachfolgenden Klubs aus Lille und Nizza liegen jedoch lediglich noch einen bzw. zwei Zähler zurück.

 

Was macht eigentlich … David James?

Auf 53 Länderspiele mit den "Three Lions" hat er es gebracht, zum wenig ehrhaften Spitznamen "Calamity James" ebenso. Zudem hat sich David James seine Sporen in klangvollen Vereinen wie Liverpool, Aston Villa, West Ham oder Manchester City verdient. Im zarten Alter von 42 Jahren dachte er sich: Höchste Zeit für etwas Neues! Gesagt, getan. Der englische Torhüter unterzeichnete erst vor wenigen Tagen einen Kontrakt beim isländischen Erstligisten IBV Vestmannaeyjar. Dort dient der nicht selten als Fliegenfänger titulierte Evergreen unter seinem ehemaligen Mitspieler Hermann Hreiðarsson.

Fußnoten - Bayern-Special

Oldie but Goldie - Jupp Heynckes ist seit Samstag ältester Meistertrainer der Bundesliga-Geschichte. "Don Jupp" zählt 68 Lenze und pulverisiert die bisherige Bestmarke von Willi Multhaup, der beim Titel des SV Werder 1964/65 61 Jahre alt war.

Ewigkeit - Apropos Heynckes. Der Fußballlehrer stellte eine zweite Rekordmarke auf. 23 Jahre zwischen seinem letzten Meistertitel und dem aktuellen bedeuten die größte Zeitspanne in 50 Jahren Bundesliga-Geschichte.

Eilzugstempo - Früh wie nie fixierten die Münchner die 23. Schale. Bereits nach 28 Spieltagen war die Liga entschieden. Auch bislang hielten die Bayern den Rekord, 1972/73 und 2002/03 standen sie nach 30 Spielen als Titelträger fest.

Abwehrriegel - 13 Gegentreffer in 28 Spielen. Manuel Neuer und seine Vorderleute steuern einer neuen Bestmarke entgegen, kassierten sie doch pro Spiel im Schnitt nur 0,46 Tore. Der Bestwert liegt bei 0,62 aus der Saison 2007/08. Gehalten ebenfalls von den Bayern, als noch Oliver Kahn das Tor des FCB hütete.

Serie I - Mit acht Siegen en suite starteten die Bajuwaren in die Saison - Bundesliga-Rekord.

Serie II - Bei elf Erfolgen hintereinander halten Alaba und Co. aktuell. Einen derartigen Lauf gab es ebenfalls noch nie.

Punkterekord - Hält jener des BVB nach deren Super-Saison 2011/12 etwa nur ein Jahr? Die Dortmunder sammelten 81 Zähler (Schnitt 2,38 pro Spiel), die Bayern haben schon jetzt 75 (Schnitt 2,68) auf der Habenseite.

 

Fußnoten

Unserie - Inter Mailand hat seine letzten drei Heimspiele verloren. Eine solche Unserie unterlief den Lombarden zuletzt in der Saison 1955/56.

Ausnahme - Erstmals überhaupt hat Atalanta beide Gastspiele in Mailand (Inter, AC) für sich entschieden.

Serientäter - Über zehn Spiele erstreckt sich die Tor-Serie des Robert Lewandowski bereits. Damit hat er mit Klaus Allofs gleichgezogen und nur noch Gerd Müller vor sich. Dieser traf in 16 Spielen am Stück.

Allrounder - Per Nilsson ist nicht nur bester Zweikämpfer (64 Prozent) des 1. FC Nürnberg, mit fünf Treffern ist der Abwehrspieler auch torgefährlichster "Clubberer".

Einsam - An der Spitze thront Luis Suarez, was die Ballkontakte in des Gegners Strafraum betrifft. 350 hat der Liverpool-Goalgetter zu Buche stehen. Auf Rang zwei folgt Rickie Lambert (Southampton), allerdings mit Respektabstand (190).

Unüberwindbar - Saragossa, Levante, Bilbao, Betis und nun auch Atletico verzweifelten am Abwehrbollwerk Getafes. Der Madrider Vorstadtklub blieb nie zuvor fünf Spiele ohne Gegentreffer.

Makellos - Spielt der BVB mit Mitchell Langerak, ist den Schwarz-Gelben der Sieg gewiss. Der 24-Jährige hat eine 100%ige Quote in der Bundesliga.

Jubiläum - Filipe Luis absolvierte am Wochenende gegen Getafe sein 200. Spiel in La Liga. Ein weitere runde Marke muss vorerst verschoben werden: Durch die Torsperre der Madrilenen - siehe weiter oben - wartet Radamel Falcao noch auf Treffer Nr. 200 als Profi.

 

Christoph Nister

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