"Königliche" krönen sich selbst

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Der LAOLA1-Saloon meldet sich zurück - mit echten Spitzenspielen und solchen, die im Schatten der Top-Ligen über die Bühne gehen. Wir feiern Stars und schimpfen Söldner.

Wir berichten über unsere Legionäre und versorgen euch mit jeder Menge Anekdoten. Diese Woche im Angebot: Königlicher Jubel, das Comeback des Jahres und jede Menge Handgreiflichkeiten.

Top-Spiele

In der Kathedrale des Fußballs, dem altehrwürdigen San Mames in Bilbao, legte Real Madrid sein Meister-Stück ab. Nach dem 3:0-Sieg gegen Athletic (Hier geht's zu den Highlights) haben Ronaldo und Co. endlich Gewissheit - "Campeones!" Für die Highlights des Spiels sorgte ungewollt Cristiano Ronaldo. Ehe der Goalgetter sein 44. Saisontor bejubeln durfte, verschoss er in kläglicher Manier einen Elfmeter und wurde daraufhin von den Bilbao-Fans mit "Bayern, Bayern"-Sprechchören an seinen letzten vergebenen Penalty erinnert. Nach Schlusspfiff geriet der Portugiese zudem mit Javi Martinez aneinander. Das angebliche "Feier nicht zu viel, ich bin Weltmeister und du nicht" quittierte "CR7" mit einer unverkennbaren Geste, in Spanien als "Butifarra" bekannt. Wir schweigen dazu und verbleiben mit einem einfachen "Hala Madrid!"

Heiß her ging es an der Stamford Bridge. Der FC Chelsea verpasste beim 0:2 gegen Newcastle United die Chance, am direkten Konkurrenten um einen CL-Platz vorbeizuziehen. Zum Sargnagel der "Blues" avancierte Papiss Demba Cisse, der beide Treffer (der zweite Marke Tor des Jahres!) erzielte. Doch nicht alle "Magpies" hatten Grund zum Jubeln: Ismael Tiote bekam bei einem Zweikampf John Obi Mikels Ellbogen mit voller Wucht ins Gesicht gedonnert und wurde mit Sauerstoffmaske abtransportiert. "Er erlitt eine 23 cm große Wunde, die mit 400 Stichen genäht werden musste, aber das ist für ihn nur ein Kratzer", scherzte Newcastle-Manager Alan Pardew.

Wir haben uns die Augen gerieben und konnten kaum glauben, was in Montpellier abging. Schön und gut, dass der Titelkandidat gegen Evian nur zu einem 2:2 kam, aber die Nachspielzeit geht definitiv in die Geschichte ein. Nach einem Elfer-Foul an Remy Cabella in der 94. Minute gingen die Spieler aufeinander los. Schiedsrichter Oliver Thual sah sich gezwungen, Rote Karten wie Eislutscher zu verteilen und schickte vier Akteure vom Platz. Damit nicht genug, verschoss Souleymane Camara in der letzten Aktion des Spiels auch noch den Elfmeter.

Fünferkette

Kontroverse der Woche: Das Duell lautet Boulevard-Blatt gegen Fußballverband: "The Sun" brachte nach der Bestellung von Roy Hodgson als neuer Teamchef der "Three Lions" eine Schlagzeile ("Woy gets England Job. Bwing on the Euwos"), in der alle "R" gegen "W" vertauscht wurden, um sich so über Hodgsons Sprachfehler lustig zu machen. Die FA reagierte auf den Affront und warf der Zeitung "schlechten Geschmack und Respektlosigkeit" vor. Wir finden auch, das ist übewtwieben!

Wohltäter der Woche: Gaby Mudingayi kam durch seine Leistungen auf dem Fußball-Platz noch nicht allzu oft in die Schlagzeilen der Gazetten dieser Welt. Durch eine beispielhafte Aktion abseits davon, nun allerdings schon. Der 30-jährige Belgier in Diensten von Bologna kaufte 100 Karten für die Partie seiner "Rossoblu" gegen Genoa und verschenkte sie an Obdachlose. "Ich wache morgens auf und glaube, ich habe in der Lotterie gewonnen. Viele Menschen haben indes alles verloren. Ich glaube nicht, dass sie schlechter als ich wären, einfach nur unglücklicher und alleine. Die Spieleinladung ist nur eine Geste". Eine Geste mit großem Wert. Bravo Gaby!

Comeback der Woche: Eigentlich ist es das Comeback des Jahres. Fabrice Muamba, dessen Herz am 17. März für 78 Minuten zu schlagen aufgehört hat, kehrte am vergangenen Mittwoch ins Stadion seiner Bolton Wanderers zurück. Keine zwei Monate nach dem tragischen Zwischenfall im FA-Cup-Viertelfinale gegen die Tottenham Hotspur betrat der 24-Jährige das Reebok Stadium, um sich bei den Fans für den Support während seiner Leidenszeit zu bedanken. Gegner dort, just wieder die "Spurs". Wer sich eine Gänsehaut holen möchte, dem sei das Kurz-Video wärmstens empfohlen.

Unsitte der Woche I: Erst Mitte April haben wir über diverse Schlägereien bei deutschen Bundesligisten berichtet. Diese Unart hat inzwischen die Landesgrenzen überschritten und schwappte auch auf Italien über. Dort kam es zwischen der Fiorentina und Novara zu einer unfassbaren Szene: Trainer Delio Rossi wechselte Adam Ljajic beim Stand von 0:2 nach 32 Minuten aus, woraufhin dieser sich mit hämischem Applaus und unschönen Worten "bedankte". Rossi brannten sämtliche Sicherungen durch, er stürzte sich auf seinen Schützling und prügelte auf ihn ein. Zwar gelang der "Viola" noch ein Remis, Rossi war jedoch seinen Job los. Gerüchten zufolge soll Ljajic gesagt haben, froh über den Tod der Mutter Rossis zu sein.

Unsitte der Woche II: Gleiches Thema, anderes Land. Sportlich läuft es beim FC Sion alles andere als rund. Der Traditionsklub muss in die Relegation und dabei froh sein, dass Xamax die Lizenz entzogen würde, da ansonsten nach dem massiven Punkteabzug der Abstieg längst fixiert wäre. Bei Serey Die haben sich ob dieses Zustandes ungeahnte Aggressionen angestaut. Diese führten dazu, dass der 27-Jährige direkt nach der 0:1-Niederlage bei Lausanne auf einen Balljungen zuging und diesem ins Gesicht schlug! Wir plädieren für eine lange Sperre.

Schattenspiel

Metalist Kharkiv ist österreichischen Fußball-Fans aus der Europa League durchaus noch ein Begriff. In der heimischen Liga spielen die Ost-Ukrainer lange schon keine wichtige Rolle mehr. Als "einzementierter" Tabellen-Dritter wurde der Sargnagel von Red Bull Salzburg nun aber doch meisterschaftsentscheidend. Da das Heimspiel gegen Shakhtar 1:2 verloren ging und Konkurrent Dynamo Kiew nur 0:0 spielte, hat der Titelverteidiger aus Donetsk nun eine Runde vor Schluss zwei Punkte Vorsprung auf den Hauptstadt-Klub.

Hasenhüttl führte Aalen auf Anhieb in die zweite Bundesliga

Legionär im Fokus

In dieser Saloon-Ausgabe wollen wir uns mit einem höchst erfolgreichen Trainer-Export beschäftigen. Ralph Hasenhüttl, als Spieler u.a. für die Wiener und Salzburger Austria, Lierse SK und den 1. FC Köln tätig, ist inzwischen Übungsleiter beim VfR Aalen. Ein höchst erfolgreicher noch dazu. Ex-Teamspieler Hasenhüttl (acht Länderspiele/drei Tore) führte seine Truppe zum vorzeitigen Aufstieg in die zweite deutsche Bundesliga. Ein Erfolg, der gar nicht hoch genug einzuschätzen ist, war Aalen doch zuletzt in der Saison 1951/52 - damals in der so genannten 2. Division Süd - in der zweithöchsten Spielklasse anzufinden.

"On Fire"

Zugegeben, einfallsreich ist es nicht, Lionel Messi hier zu erwähnen, aber verständlich allemal. Nach seinem Triplepack gegen Malaga (Highlights des Spiels) hält der Argentinier wettbewerbsübergreifend nunmehr bei 68 Toren in dieser Saison und knackt damit die 67 Treffer von Gerd Müller aus der Saison 1972/1973. Zu 46 Toren in La Liga gesellen sich 14 in der Champions League, zwei in der Copa del Rey, drei im nationalen Supercup, eines im UEFA-Supercup und drei bei der Klub-WM. Unglaublich! Umso mehr, wenn man bedenkt, dass "La Pulga" noch weitere drei Spiele bleiben.

"On Ice"

Bei den Wolverhampton Wanderers gibt es schon lange nichts mehr zu lachen. Der letzte Sieg des nunmehrigen Fix-Absteigers der Premier League datiert vom 4. Februar 2012, also nahezu auf den Tag genau vor drei Monaten. Darf es noch etwas deutlicher sein? In den letzten zwölf Runden wurden gleich viele Punkte eingefahren, wie am besagten Tag Anfang Februar - nämlich drei an der Zahl!

Was macht eigentlich … Juan Roman Riquelme?

Spielwitz, Übersicht, Dribblings, Passgenauigkeit - all diese Eigenschaften zeichneten Juan Roman Riquelme aus. Speziell in seiner Zeit beim FC Villarreal zwischen 2003 und 2007 begeisterte der Argentinier (51 Länderspiele/17 Tore) die Fans mit genialen Zuspielen und unglaublichem Auge. Seit 2007 spielt "Romy", inzwischen 33 Lenze zählend, wieder in seiner Heimat - für die Boca Juniors. Noch heute ist er bei "Los Xeneizes" für die magischen Momente zuständig. So zuletzt geschehen in der Nacht auf Donnerstag, als er sein Team in der Copa Libertadores gegen Union Espanola zum 2:1-Erfolg führte. Den Führungstreffer besorgte der Kapitän nach einem herrlichen Spielzug über vier Stationen höchstselbst.

Fußnoten

Regional genial - Die letzte Niederlage Barcas gegen ein Team aus Andalusien im Camp Nou datiert von Dezember 2002 (0:3 vs. Sevilla). Mit dem 4:1 über Malaga halten die Katalanen bei 31 Spielen ohne Niederlage gegen andalusische Vereine.

Müdigkeit - FC Bayern, aufgepasst! Neun der letzten zehn Gegentore, die der FC Chelsea in der Liga kassierte, fielen in der Schlussviertelstunde.

Ausgesiegt - Das 1:1 gegen Real Sociedad war Atleticos erstes Heimspiel, das nach Führung nicht gewonnen wurde.

Jubiläum - Peter Crouch war für das 1.000 Premier-League-Tor dieser Saison zuständig. Blöderweise fabrizierte der Stoke-Stürmer beim 1:1 gegen Everton ein Eigentor.

Triplepack - Jeweils sieben Stück davon haben Lionel Messi und Cristiano Ronaldo in dieser Saison in La Liga erzielt. Am selben Spieltag jedoch nur einmal, am 24. 9. gegen Rayo (Real) bzw. Atletico (Barca).

Frühaufsteher - waren die Jungs von Novara Calcio noch nicht. Jedas Führungstreffer beim 2:2 in Florenz war der erste Saisontreffer, den der Klub in den ersten 15 Minuten eines Serie-A-Spiels erzielte.

Gutes Auge - ein solches kann man Andrea Pirlo wahrlich nicht absprechen. Mit 13 Assists führt er diese Wertung in der Serie A an. Die Führenden weiterer Top-Ligen? Messi & Özil (je 16), Silva (14), Hazard (14) bzw. Ribery & Arango (je elf).

Verlängerung I - "Wetten, dass..?" lässt grüßen! Kein Ligue-1-Spiel wurde länger überzogen als Montpellier-Evian. Satte 8:25 Minuten gab es in der zweiten Hälfte obendrauf.

Verlängerung II - Schiedsrichter Mark Halsey setzte bei Chelsea-Newcastle einen drauf und ließ aufgrund der Tiote-Verletzung sage und schreibe zehn Minuten nachspielen.

Legende - Jose Mourinho war längst eine, schloss nun aber zu anderen auf: Wie Happel, Trapattoni und Ivic hat er in vier unterschiedlichen Ländern den Meistertitel gewonnen.

 

Metall-Arbeiter-Special: Auf Anfrage des Users Liverpool27 haben wir sämtliche Rechercheure und Statistiker beauftragt, die Stangen- und Latten-Bilanz aus den anderen Ligen anzusehen. Mit 19 Fehlversuchen führt Juventus zwar in der Serie A, im internationalen Vergleich ist das aber nichts.

In Deutschland führt Meister BVB die Statistik mit 21 Aluminium-Treffern an. In Spanien hat der entthronte FC Barcelona 25 Mal in La Liga und laut "Mundo Deportivo" in allen Wettbewerben insgesamt 44 (!) Mal angeklopft. Spitzenreiter dürften aber, wie von Liverpool27 richtig vermutet, die "Reds" sein. 26 Mal haben Suarez und Co. ihr Zielfernrohr ein klein wenig zu unscharf eingestellt. Andere Quellen sprechen gar von 30 Mal. Kein Wunder, dass man in der Beatles-Stadt nach dem 0:1 gegen Fulham bereits scherzte: "Liverpool sollte angesichts des FA-Cup-Finals beunruhigt sein, wenn man jetzt schon nicht einmal mehr die Stange trifft."

 

Christian Eberle/Christoph Nister

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