Ehre, wem Ehre gebührt: Ein Saloon für die Bayern

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"Wir holen die Meisterschaft und den Europacup und den Pokal holen wir noch einmal ..."

Die Fans des FC Bayern besangen es schon über die ganze Saison - und sie sollten Recht behalten.

Die Münchner sind das Team des Jahres und räumten alles ab, was es abzuräumen gab.

Das Triple aus Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal ging in die Geschichte ein, war es doch das erste, das einer deutschen Mannschaft gelang.

Der LAOLA1 Saloon würdigt die überragenden Leistungen der Bajuwaren und widmet dem FCB eine Spezialausgabe.

 

Top-Spiele

Die Vorfreude war riesig. "Das ist ein Gigantentreffen", kommentierte Jupp Heynckes das CL-Halbfinal-Los FC Barcelona. Als "absoluten Knaller" formulierte es Manuel Neuer. Es sollte jedoch nur ein Gigant zu diesem Treffen erscheinen - jener aus München. Barca, von vielen bis dahin als beste Mannschaft der Welt bezeichnet, blieb ein Schatten seiner selbst, wurde im Hin- wie auch im Rückspiel vorgeführt und mit einem Gesamtscore von 7:0 eliminiert. Gemessen am Resultat war es das einseitigste Halbfinale der CL-Historie. Neuer sollte Recht behalten, für die Bayern wurden die Begegnungen mit den Katalanen zum großen Knaller.

Zwei Jahre lang tanzte Borussia Dortmund den Bayern auf der Nase herum. Beide Male ging der Titel in den Ruhrpott, im Vorjahr bekam man zudem im DFB-Pokal-Finale auf die Mütze (2:5). Doch die Bayern schlugen zurück. Und wie. Erst revanchierte man sich im Pokal-Viertelfinale und gewann dank eines Robben-Traumtores mit 1:0, was Uli Hoeneß dazu verleitete, der Welt mitzuteilen, dass die Bayern die "Vormachtstellung" zurückerobert hätten. Und dann war da noch das von deutschen Medien als "Jahrhundert-Finale" gepriesene CL-Endspiel. Die Borussen begannen stark, doch am Ende strahlten die Bayern. Mandzukic und erneut Robben besiegelten den 2:1-Triumph (BVB-Tor: Gündogan/E.) des in diesem Jahr stärksten Teams Europas.


"Wir waren in allen Belangen brutal schlecht", konstatierte HSV-Trainer Thorsten Fink und brachte es auf den Punkt. Seine Mannschaft war Ende März in München vorgeführt und gedemütigt worden. 9:2 triumphierten die Hausherren am Ende und sorgten für den höchsten Bundesliga-Sieg der abgelaufenen Saison. In den Reihen der Münchner waren alle begeistert ... bis auf einen. "Jetzt haben wir vier Gegentore nach Ecken in kurzer Zeit bekommen. Ich bin kein Mahner, ich weise nur daraufhin", motzte Sportvorstand Matthias Sammer.

Viererkette

Hoeneß und der Alaba-Schmäh: Es war der große Lacher bei der FCB-Jahreshauptversammlung im Vorjahr. Präsident Uli Hoeneß berichtete von einem "anonymen Anruf", in dem ihm mitgeteilt wurde, dass "der Ribery und der Alaba immer nachts unterwegs sind". Trainer Jupp Heynckes knöpfte sich den Franzosen vor, Hoeneß fühlte dem Wiener auf den Zahn und bekam zu hören: "Herr Präsident. Wos? Unterwegs? Ich? Ja, wo?" Hoeneß: "Im H'ugo's und im P1!" Alaba: "Do muss i nochdenkn." Am nächsten Tag trafen sich die beiden wieder: "I hob nochdocht. Da muss der Ribery mit am andern Schwoazn unterwegs gwesn sein."

 

Müller und die Gerland-Parodie: Logisch, dass nach dem Pokalsieg die Stimmung ausgelassen war. Thomas Müller war besonders gut drauf und legte in der ARD einen gelungenen Auftritt hin. Der Moderator bat ihn um eine Parodie von Co-Trainer Hermann Gerland und wer die Augen schloss, dachte, es würde tatsächlich der "Tiger" sprechen. Wer uns nicht glaubt, darf sich gerne HIER überzeugen lassen.

 

Hoeneß und die Steuer-Affäre: Die Nachricht schlug am 20. April ein wie eine Bombe. Uli Hoeneß, der Steuersünder. Eine Selbstanzeige wurde publik, Deutschland diskutierte wochenlang über die Verfehlungen des 61-Jährigen, der sich über Jahre hinweg als moralische Instanz präsentierte. Hohn und Spott musste der "Mr. Bayern" über sich ergehen lassen, der Klub stand jedoch stets wie eine Wand hinter dem Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden.

 

Guardiola und der Sensations-Transfer: "Perfekt! Pep Guardiola (41) ab Juli bis 2016 Trainer des FC Bayern!", twitterten die Münchner am 16. Jänner und sorgten damit für einen Paukenschlag. Der Katalane, dem Angebote von zahlreichen europäischen Top-Klubs vorlagen, entschied sich für die Bayern und tritt die Nachfolge von Jupp Heynckes an. Die Bundesliga jubelte, weil Guardiolas Schritt ein Zeichen ihrer Stärke war.

 

"On Fire"

Die Offensive der Bayern zauberte in dieser Saison. Machbar war das allerdings nur durch unglaubliche Defensivarbeit. 21 Liga-Spiele blieb man ohne Gegentor, insgesamt mussten Manuel Neuer und Tom Starke lediglich 18 Mal hinter sich greifen. Ein kleines, aber wesentliches Puzzleteil war Jupp Heynckes' Geschick im Umgang mit den Individualisten Franck Ribery und Arjen Robben. Der 68-Jährige machte den beiden klar, dass ihre Defensivarbeit ein wichtiges Mosaiksteinchen auf dem Weg zum Erfolg sein würde. Er sollte Recht behalten.

 

"On Ice"

Es ist ein Jammern auf hohem Niveau, doch auch in den Reihen des Triple-Siegers gibt es den einen oder anderen Verlierer. Mario Gomez zum Beispiel. Er ging als "Stürmer Nummer eins" (Heynckes) in die Saison und füllte diese Rolle nie aus. Oder auch Luiz Gustavo. Der Brasilianer war in der Hinrunde gesetzt, musste sich im Winter einer Leisten-Operation unterziehen und kam im Frühjahr nicht mehr an 40-Mio.-Mann Javi Martínez vorbei. Oder aber Rafinha und Anatoliy Tymoshchuk, die nur sporadisch zu Einsatzzeiten kamen und von einem Stammplatz weit entfernt waren.

Kuffour ist noch immer glühender Bayern-Fan

Was macht eigentlich ... Samuel Kuffour?

Zwölf Jahre hat es gedauert, ehe der FC Bayern wieder Europas Thron erklomm. Einer der Helden von damals war Samuel Osei Kuffour, genannt "Sammy". Der Ghanaer kickte von 1994 bis 2005 in München und avancierte mit seiner erfrischenden Art schnell zum Publikumsliebling. Unvergessen ist auch sein Knockout gegen Oliver Kahn im Jahr 1999. Im Laufe der Jahre ist es ruhig geworden um den heute 37-Jährigen, der seine Karriere 2009 beendete. In seiner Heimat kümmert er sich um Immobilien, für Benefiz-Spiele reist er auch immer wieder nach Europa. Seine Liebe zum FCB ist nie erloschen. Zuletzt bewies er dies eindrucksvoll als TV-Experte während des Champions-League-Endspiel. Guckst du hier!

Fußnoten 

Jubiläum - Der Pokalsieg bedeutete für Jupp Heynckes den 200. Erfolg als Trainer der Bayern.

Torquote - Jene von Mario Gomez ist kaum zu übertreffen. In der Liga traf er alle 79,72 Minuten, im Pokal sogar alle 22,67 (!).

Solo - Von Saisonbeginn weg dominierte der FCB die Liga, an allen 34 Spieltagen war man Leader. Das gab es erst vier Mal - immer durch die Münchner.

Solo II - 25 Zähler trennten den Meister am Ende von seinem Vorgänger aus Dortmund. Nie zuvor war eine Mannschaft derart überlegen.

Rekord - Im Vorjahr sorgte der BVB mit 81 Zählern für einen Allzeit-Rekord. Zwölf Monate später pulverisierten ihn die Bayern und schraubten die Bestmarke auf 91 hoch.

Siegesserie - Fulminant starteten die Bayern in das neue Jahr. Die ersten 14 Liga-Spiele wurden allesamt gewonnen. Eine derartige "winning streak" gab es noch nie.

Kurios - Toni Kroos spielte bis zu seinem Muskelbündelriss eine überragende Saison, ohne ihn lief es aber - statistisch gesehen - besser. Fehlte der Mittelfeldregisseur, gab es keine Niederlage (18 Siege, 1 Remis).

Eiltempo - 28 Spieltage waren erst rum, da war die Meisterschale bereits in trockenen Tüchern. Nie tütete ein Team die Schale früher ein.

Zeitreise - 1979 stieg Jupp Heynckes bei Borussia Mönchengladbach ins Trainergeschäft ein und war seinerzeit der jüngste Coach in der Bundesliga. 2012/13 krönte er sich 68-jährig zum mit Abstand ältesten Meistertrainer aller Zeiten.


Christoph Nister

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