Die "Sturm-Diva" als Botschafter

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Ein Franzose als "Entwicklungshelfer" in China

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Häufig hat Sturm-Diva Nicolas Anelka für negative Schlagzeilen gesorgt. Nun ist der französische Ex-Internationale als Vorbild für Chinas Jugend auserkoren.

Mit seinem leicht verblassten Glanz soll der Wandervogel im von Korruptionsskandalen und Wettmanipulationen erschütterten chinesischen Fußball neue Begeisterung entfachen.

"Es ist wie mit der gesamten Öffnung Chinas", sagte Club-Besitzer Zhu Jun, der auch an Anelkas Chelsea-Kollegen Didier Drogba interessiert ist.

"Wir müssen das Gute aus anderen Ländern importieren, um für uns daraus zu lernen."

Gut bezahlte "Entwicklungshilfe"

An der Stamford Bridge reichte es für Anelka in dieser Saison nur noch zu Kurz-Auftritten, die sportliche Entwicklungshilfe lässt sich der Franzose nun fürstlich entlohnen.

Nach Medienberichten soll der 32-Jährige von Jänner an in den kommenden zwei Jahren umgerechnet rund 234.000 Euro pro Woche verdienen.

Ein hoher Preis, den Geschäftsmann Zhu mit der gesellschaftlichen Bedeutung des Angreifers begründet: "Die Ankunft eines solch hochklassigen Fußballstars wie Anelka wird die Hoffnungen der jungen Menschen vergrößern und ihnen ein Vorbild geben, dem sie folgen können", erklärte Zhu der Nachrichtenagentur Reuters.

100 Millionen teure Skandalnudel

Bisher produzierte Anelka in seiner wechselhaften Karriere jedoch häufig auch wenig nachahmenswerte Schlagzeilen.

Bei der WM 2010 beschimpfte er Teamchef Raymond Domenech wüst, wurde nach Hause geschickt und für 18 Länderspiele gesperrt.

Weit mehr als 100 Millionen Euro zahlten seine bisherigen Clubs, darunter Paris St. Germain, Arsenal, Real Madrid und Fenerbahce, alleine an Ablösesummen.

Legendär ist seine Flucht vor Journalisten im Kofferraum seines Wagens, nachdem er 2000 bei Real Madrid wegen eines Trainingsstreiks kurzzeitig verbannt worden war.

Begeisterung im Milliarden-Staat

Seine neuen Teamkollegen freuen sich aber auf Anelka, der in der abgelaufenen Champions-League-Saison in neun Spielen für Chelsea siebenmal traf.

"Es ist unmöglich, nicht begeistert zu sein", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua Shenhuas Kapitän Yu Tao.

Anelka werde "der größte Star" in der Geschichte der chinesischen Liga, es sei "ein Meilenstein sowohl für Shenhua als auch den chinesischen Fußball".

Auf den Spuren von Gascoigne und Jancker

Ausländische Topstars sind bisher ein seltenes Gut in der Chinese Super League. Das Gastspiel von Paul Gascoigne im Spätherbst seiner Karriere endete aus gesundheitlichen Gründen früh.

Auch der deutsche Ex-Rapid-Stürmer Carsten Jancker kehrte enttäuscht von Shenhua zurück und klagte über gekaufte Spiele.

Nachdem in einem Korruptionsskandal 2010 drei Spitzenfunktionäre festgenommen wurden, schaltete sich sogar Staatschef Hu Jintao ein und begrüßte das "harte Durchgreifen".

Chinas nächster "Sprung nach vorne"

Mit finanzieller Macht will der Weltranglisten-72. und einmalige WM-Teilnehmer nun den Anschluss an die globale Spitze schaffen.

Als neuer Nationalcoach verdient der Spanier Jose Antonio Camacho geschätzte acht Millionen Dollar im Jahr, und auch Drogba soll dem Lockruf des Geldes erliegen.

"Wenn er zu uns kommen will, werden wir ihn definitiv willkommen heißen", sagte Shenhua-Boss Zhu.

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