TP Mazembes populistischer Robin Hood

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Für die einen ist Moise Katumbi Chapwe ein moderner Robin Hood.

Für die anderen ist er doch nur ein populistischer Politiker, der auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist.

Nur in einem Fall sind sich alle einig: Der Gouverneur der Provinz Katanga in der Demokratischen Republik Kongo ist ein Segen für den Fußball in seiner Heimat.

Denn sein Klub TP Mazembe ist drauf und dran, zum besten Verein Afrikas zu werden. Nicht nur das, Katumbi will seine „Raben“ auch abseits des Kontinents zu einem großen Namen machen.

Afrikas Vorreiter

Beim Afrika-Cup 2013 ist die Mannschaft auf jeden Fall schon die Nummer eins. Fünf ihrer Spieler laufen für die DR Kongo auf, fünf für Titelverteidiger Sambia – kein anderer Klub der Welt stellt so viele Kicker für das Turnier in Südafrika ab.

„TP Mazembe ist der afrikanische Vorreiter“, stellt Jerome Champagne gegenüber der „BBC“ klar. Der französische Diplomat war jahrelang Direktor für internationale Beziehungen bei der FIFA und ist nunmehr Berater des Vereins.

„Es geht darum, dem Rest der Welt mitzuteilen, dass Afrika nicht dem Untergang geweiht ist. Afrika ist in Bewegung – mit neuen Anführern, die engagiert, effizient, ehrlich und hart arbeitend sind“, so Champagne.

Unterstützung aus dem Exil

Zu diesen Anführern zählt eben Katumbi. Der 48-Jährige ist ein steinreicher Mann.

Sein jüdischer Vater, Nissim Soriano, flüchtete unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg von der italienisch besetzten, griechischen Insel Rhodos in die damalige belgische Kolonie Kongo und heiratete dort eine Einheimische.

Vier Jahre vor Katumbis Geburt 1964 wurde der Kongo unabhängig, ein Jahr danach putschte Joseph Mobutu und errichtete in weiterer Folge eine Schreckens-Diktatur. Katumbis Familie ging ins Exil nach Sambia.

Katumbi mit einem seiner geliebten Panama-Hüte

Die Philosophie, die der Kongolese verfolgt, besteht darin, so wenig Rohmaterial wie möglich sofort zu verkaufen, sondern es zuerst im eigenen Land zu verarbeiten. Das schaffte unzählige neue Arbeitsplätze.

Diesen Weg schlägt der Mann, der als künftiger Präsident der DR Kongo gilt und in Lubumbashi schon jetzt nur „Prezo“ gerufen wird, auch im Sport ein. Die fußballerischen Rohdiamanten sollen nicht sofort verkauft, sondern erst einmal bei TP Mazembe geschliffen und verfeinert werden.

„Wir produzieren schon seit langem gute Talente, aber es war niemand hier, der nachhaltig in sie investiert hat“, sagt er. Katumbi hat das geändert.

Anständige Gehälter

Zwischen 3.000 und 5.000 US-Dollar (umgerechnet 2.000-3.800 Euro) sollen die Kicker des kongolesischen Vereins im Durchschnitt pro Woche verdienen. Hinzu kommen noch Siegprämien.

Eine Geschichte aus der afrikanischen Champions League klärt über die Relationen auf. Als die „Raben“ gegen Dynamo Harare aus Simbabwe spielten, versprach Katumbi der Mannschaft im Falle eines Sieges einen Bonus von insgesamt 250.000 US-Dollar. Das gesamte Jahresbudget des Gegners betrug indes gerade einmal 200.000 US-Dollar.

Dort baute der junge Mann mit dem Faible für Panama-Hüte nicht nur ein Vermögen auf, sondern engagierte sich auch schon für den Fußball in seiner Heimat. Immer wieder unterstützte er TP Mazembe finanziell.

Vom Investor zum Gouverneur

1997 wurde er mit großer Mehrheit zum Klub-Präsident gewählt, dabei durfte er zu diesem Zeitpunkt das Land noch immer nicht betreten. Telefonisch rekrutierte Katumbi Spieler und erreichte mit dem Klub aus Lubumbashi, der zweitgrößten Stadt des Landes, 2000 mit dem Double die ersten Erfolge.

2003 änderte sich die politische Lage und der Businessmann kehrte endlich heim. „Ich bin zurück, um dieses Land wieder aufzubauen und zum Wohlergehen der Menschen“, verkündete er damals.

Seither hat Katumbi viel Geld investiert. Feldbau-Projekte schafften Jobs und von ihm errichtete Spitäler, Schulen und Straßen verbesserten die Infrastruktur. Die Menschen dankten es ihm, als sie ihn im Februar 2007 zum ersten demokratisch gewählten Gouverneur der Provinz Katanga machten. „Sie vertrauen mir, weil ich Geschäftsmann gewesen bin und viel in Sozialleistungen investiert habe“, sagt er.

Nicht verkaufen, sondern verfeinern

Als Politiker setzte er einen gesetzlichen Mindestlohn von 100 US-Dollar im Monat durch. Doch der größte Coup gelang Katumbi im Berg- und Minenbau. Seine diesbezügliche Rolle in der an Kupfer, Kobalt, Uran und Eisenerz überaus reichen Region ist undurchsichtig, aber groß.

Regis Laguesse in der brandneuen Akademie

Zudem eröffnete der Verein im Jänner 2012 die „Katumbi Football Academy“. Dort sollen künftig die neuen Didier Drogbas und Samuel Eto’os produziert werden. Die Nachwuchsschule sei „auf einem Level mit jeder Top-Akademie in Europa“,  so der Klub-Boss.

Leiter der Ausbildungsstätte ist Regis Laguesse. Der Franzose arbeitete jahrelang gemeinsam mit Jean-Marc Guillou in der äußerst erfolgreichen Akademie in der ivorischen Hauptstadt Abidjan, wo zahlreiche Superstars das Kicken lernten (zur LAOLA1-Story).

Große Erfolge

Der Erfolg hat sich jedenfalls schon vor der Eröffnung der Akademie eingestellt. 2009 und 2010 gewann TP Mazembe die afrikanische Champions League. Zudem musste sich der 1939 von Benediktiner-Mönchen gegründete Verein bei der Klub-WM 2010 erst im Finale Inter Mailand geschlagen geben.

2011 wurde der Klub trotz kontroverser Diskussionen wegen angeblichen Betrugs von der afrikanischen Königsklasse ausgeschlossen, ehe er bei seinem Comeback in der abgelaufenen Spielzeit erst im Semifinale an Esperance Tunis scheiterte.

Ein langer Atem

Katumbi investiert indes munter weiter. „Er hat die Vision und er hat die Geduld. Und Zeit ist so wichtig im Fußball“, sagt sein Berater Champagne.

Einen langen Atem benötigt der Investor auch für das, was viele als sein eigentliches Ziel ansehen: Präsident der Demokratischen Republik Kongo zu werden. Denn noch hat Joseph Kabila, den er bisher unterstützt hat, die Zügel fest in der Hand.

TP Mazembe kann das nur recht sein. Denn der Erfolg des Vereins fördert Katumbis Popularität. Bloomfield erklärt: „In Katanga wählen sowieso 90 Prozent für ihn, aber so will er auch an den Rest des Kongos eine Message schicken. Er will als reicher, menschenfreundlicher Führer, der Straßen und Krankenhäuser baut, gesehen werden.“

Ein populistischer Robin Hood eben.


Harald Prantl

„Er ist gewillt, das auszugeben, was es braucht, um das beste Team in Afrika zu besitzen. Er ist wie Roman Abramovich – er hat viel Geld, mag Fußball und will dort sein Geld reinstecken“, sagt Steve Bloomfield, früherer Afrika-Korrespondent der britischen Tageszeitung „The Independent“.

Dass da so mancher europäischer Verein nicht mithalten kann, beweist eine Anekdote von Nick Neururer, österreichischer Spielervermittler, der seit vielen Jahren in Afrika unterwegs ist. Der Tiroler hat österreichischen und deutschen Klubs Spieler aus Sambias Afrika-Cup-Siegermannschaft von 2012 angeboten, kein Verein konnte ihnen aber das bieten, was sie bei TP Mazembe verdienen.

Infrastrukturelle Verbesserungen

Katumbi investiert nicht nur in Spieler, sondern auch in die Infrastruktur. 2011 bezahlte er dem Klub ein Flugzeug mit 140 Sitzplätzen. Angesichts der weiten Strecken, die während der afrikanischen Champions League zurückzulegen und für weniger reiche Teams mit kräfteraubenden Anreisen verbunden sind, ein Riesenvorteil.

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