"Ich will nach ganz oben"

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"Ich habe überall meine Tore gemacht"

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 „Es ist ein gutes Gefühl, weil dahinter jahrelange harte Arbeit steckt.“

Martin Pusic weiß den Moment des Erfolges zu schätzen. Mit 17 Toren kürte sich der Wiener in der letzten Saison zum Torschützenkönig in der Alka Superligaen und holte mit seinem Klub Midtjylland als Draufgabe den dänischen Meistertitel.

Der 27-Jährige befindet sich definitiv auf dem Erfolgsweg. Ein Weg, der ihn in den letzten vier Jahren zu nicht weniger als sechs Stationen führte.

Midtjylland soll dabei nicht die letzte bleiben, wie Pusic im Gespräch mit LAOLA1 verrät: „Ich habe noch hohe Ziele vor mir, ich will es bis ganz nach oben schaffen.“

Lieblingsposition Sturm

Im Jahr 2011 verließ der frühere Nachwuchsspieler der Vienna und Austria Wien die österreichische Fußballlandschaft. Von Zweitligist Altach wechselte der damals 23-Jährige in die englische Championship zu Hull City.

Acht Monate danach folgte der Schritt nach Skandinavien zu Valerenga, nur ein halbes Jahr später zum norwegischen Liga-Konkurrenten Fredrikstad. Ein Wechsel, der sich auszahlen sollte und gleichzeitig einen Grund für die vielen Transfers darstellt.

„In Österreich habe ich ab meinem 12. Lebensjahr als schneller Linksfuß im Mittelfeld gespielt, aber meine Lieblingsposition war immer im Sturm. Erst nachdem ich zu Fredrikstad wechselte, bin ich erstmals als richtiger Stürmer eingesetzt worden.“

Der Knoten platzt

Der Klub musste zwar am Saisonende absteigen, doch Pusic hatte seine Chance genutzt. Nach fünf Toren in gerade mal 10 Spielen klopfte im Jänner 2013 Esbjerg fB an.

„Überall, wo ich war, habe ich meine Tore gemacht. Jeder will sich weiterentwickeln und deswegen habe ich in so kurzer Zeit so viele Transfers gemacht.“

Diesen Worten entsprechend wechselte er schließlich nach neun Treffern in der Hinrunde 2014/2015 zu Jahresbeginn zum Tabellenführer Midtjylland. Mit acht Toren leistete Pusic seinen Beitrag zum ersten Meistertitel der Klubgeschichte.

Auf Okoties Spuren?

Die dadurch gewonnene Torjägerkrone soll ihm nun früher oder später den Sprung in seine Lieblingsliga ermöglichen: „Die Deutsche Bundesliga ist ein großes Ziel von mir. Es wäre ein Traum für mich dort zu spielen. Nicht nur wegen der Sprache, auch wegen der Stadien, der Kultur, wie dort der Fußball geschätzt wird.“

Seine Visitenkarte mit 17 Saisontoren und seine Fähigkeit als „mitspielender Stürmer, der nicht nur vorne steht, sondern auch mit Pässen seine Mitspieler bedienen kann“ sollen ihm diesen Schritt erleichtern.

Letzteren traut ihm auch Jens Kragh Iversen, dänischer Sportjournalist beim „Nordschleswiger“ zu: „Er war von Anfang an, auch bei Esbjerg, ein voller Erfolg. Er ist einer der absolut besten Spieler der Superligaen und ich glaube, wenn er seine Entwicklung fortsetzt, könnte er auch in einer besseren Liga spielen.“

Okotie hinterließ bleibenden Eindruck

Iversen fügt als Vergleich ÖFB-Stürmer Rubin Okotie an, der sich 2014 bei SönderjyskE in ähnlicher Torlaune (11 in 15 Spielen) zeigte: „Dessen Weg könnte auch Pusic durchaus machen.“

Konkrete Angebote liegen zwar nicht vor, „aber ich weiß ja selbst auch als Spieler: Wenn du Tore machst, Torschützenkönig und Meister wirst, wird es sicherlich Mannschaften geben, die Interesse zeigen.“

Große Aufgaben warten

Sein Vertrag bei Midtjylland läuft jedenfalls noch bis Ende 2017. Gegenseitiges Verständnis prägt die Zusammenarbeit.

„Die Sache ist, der Verein weiß, dass ich bereits 27 bin und eine gute Saison hinter mir habe. Ich denke, wenn jetzt das richtige Angebot für mich und den Verein kommt, kann man über einen Transfer nachdenken“

Bis dahin gilt aber die volle Aufmerksamkeit seinem aktuellen Arbeitgeber. Reizvolle Aufgaben gibt es genug. Am Samstag steht gegen Viborg das erste Meisterschaftsspiel auf dem Programm.

Bereits am Dienstag startete die Mission Champions League in der zweiten Qualifikationsrunde beim Debüt von Neo-Coach Jess Thorup mit einem 1:0-Heimsieg gegen den Amateurklub Lincoln Red Imps FC aus Gibraltar. Wird man der Favoritenrolle („Wir sollten das schaffen“) gerecht, würde in Runde drei der Sieger des Duells APOEL Nikosia (CYP) gegen FK Vardar (MKD - Hinspiel 0:0) warten.

Pusic blickt gelassen darauf: „Mir ist es eigentlich völlig egal, welche Mannschaft wir zugelost bekommen. Wenn wir in die Champions League wollen, müssen wir sowieso gegen gute Gegner gewinnen und unsere Leistung zeigen. Für jeden Spieler ist es interessant, sich in solchen Spielen zu präsentieren.“

Hoffnung auf Nationalteam

Neben einem Transfer sollen gute Leistungen auch einen weiteren Traum erfüllen: Pusic liebäugelt noch immer mit seinem ersten Länderspieleinsatz.

Der kroatische oder österreichische Verband kämen für den früheren ÖFB-Nachwuchsspieler infrage. Bisher „gab es aber zu keinem Nationalteam Kontakt.“

So gesehen meldete sich mit Bosnien das „falsche Team“: „Die haben angerufen, weil meine Eltern in Herzegowina geboren sind. Ich habe aber keinen Reisepass.“

Obwohl Länderspieleinsätze „wichtig für die Karriere wären“, zeigt sich Pusic aber gefasst: „Ich will mich jetzt gar nicht so sehr darauf konzentrieren. Was kommt, kommt.“

Wegbegleiter

So kam auch Daniel Royer. Der Ex-Austrainer wechselte im Sommer zu Midtjylland. „Wir teilten uns im Trainingslager das Zimmer. Der Schmäh läuft.“

Pusic ist von den Qualitäten seines neuen Teamkollegen auf und neben dem Platz überzeugt: „Daniel ist charakterlich ein Top-Mensch, ein super Junge und besitzt fußballerisch sehr hohe Qualität. Ich freue mich, dass er jetzt da ist. Im Training hat man schon gesehen, dass das Zusammenspiel miteinander sehr gut klappt. Ich glaube, er ist eine Bereicherung für die Mannschaft.“

Bereichert wird das Leben von Martin Pusic zudem von oberster Stelle „Seit ich begonnen habe an Gott zu glauben, geht meine Karriere nur noch vorwärts. Der Glaube ist neben meiner Familie und Freundin das Wichtigste für mich.“

Wohin führt der weitere Weg?

Diese wichtigsten Bezugsmenschen sollen ihn auch auf seinem weiteren Karriere-Pfad unterstützen.

Dass er die letzten Jahre so oft transferiert wurde („In Skandinavien wird viel kraftmäßig gearbeitet, in Österreich mehr technisch“), stört Pusic nicht: „Der Norden war eine sehr gute Erfahrung. Ich habe mich persönlich weiterentwickelt. Es war gut für mein ganzes Leben.“

Und diese Entwicklung ist noch keinesfalls abgeschlossen.

„Ich glaube, ich bin im besten Fußballer-Alter und habe viel Erfahrung. Wenn ich fit bin, habe ich jetzt noch fünf, sechs gute Jahre vor mir.“

Scheint so, als würde Martin Pusic unbeirrt seinen Weg weitergehen.

 

Andreas Gstaltmeyr

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