Zwischen Leo Messi & Freddy Adu

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Ödegaard: Was macht ihn zum Jahrhunderttalent?

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Martin Ödegaard hat in den letzten Wochen unzählige Kilometer zurückgelegt.

Manchester, Liverpool, London, Amsterdam, München, Barcelona und Madrid standen auf seiner Reise-Agenda.

Die besten Fußballklubs der Welt breiteten dem 16-Jährigen den Roten Teppich aus. Teilweise wurde der Norweger sogar mit dem Privatjet abgeholt.

Ödegaard hatte die Qual der Wahl. Über Wochen hinweg rätselte die Fußball-Welt, wohin das Wunderkind vom Strömsgodset IF wechseln wird. Nun soll er sich für Real Madrid entschieden haben.

Zwischen Lionel Messi und Freddy Adu

Der Teenager wandelt auf einem schmalen Grat. Einerseits wird er aufgrund seiner herausragenden Fähigkeiten schon jetzt mit Lionel Messi verglichen. Als jüngster Nationalspieler, der jemals in einem EM-Qualifikationsspiel zum Einsatz kam (15 Jahre, 300 Tage), eilt ihm ein ausgezeichneter Ruf voraus.

Dieses Image kann aber auch schnell zur Bürde werden. Die Karrieren von Freddy Adu oder Bojan Krkic sind warnende Beispiele. Genauso wie Ödegaard galten sie als Jahrhunderttalente, doch irgendwann blieben sie in ihrer Entwicklung stecken.

Krkic hat es immerhin noch zu Stoke City geschafft. Adu dagegen befindet sich nach einem Kurzzeit-Engagement beim serbischen Erstligisten Jagodina schon wieder auf Vereinssuche. Dabei unterschrieb der 25-jährige US-Amerikaner bereits vor elf Jahren seinen ersten Profi-Vertrag.

„Ich habe noch nie einen Spieler mit so viel Potenzial gesehen“

Das Adu-Schicksal soll Ödegaard erspart bleiben. Er eifert momentan sowieso eher Messi nach. Die Spielweise des Blondschopfes erinnert stark an den kleinen Argentinier. Beide sind Linksfüße, haben einen tiefen Schwerpunkt und lieben es, von der Seite nach innen zu dribbeln.

Ebenso wie Messi präsentiert sich der Teenager torgefährlich, hat gleichzeitig aber auch den richtigen Blick für die Mitspieler. Der tödliche Pass gehört zu seinen größten Stärken. Fünf Tore und sechs Assists sammelte der 16-Jährige in seinen ersten 24 Spielen für Strömsgodset.

Ödegaard gemeinsam mit seinem Vater bei Reals Copa-Spiel

Seinen nächsten Schritt, den bevorstehen Wechsel ins Ausland, plante der Liverpool-Fan sehr sorgfältig. Vater Hans-Erik redete dabei natürlich ein gewichtiges Wörtchen mit. Gemeinsam mit Berater Tore Pedersen klapperten die Ödegaards Europas Top-Vereine ab. Ein weiteres Jahr bei seinem Heimatverein kam für ihn nicht in Frage, das würde seine unaufhaltsame Entwicklung zum Weltklasse-Fußballer nur unnötig verlangsamen.

„Ich habe auch Cristiano Ronaldo, Andres Iniesta und Wayne Rooney im Alter von 16 gesehen. Jeder von ihnen musste den Schritt wagen, um dort hinzukommen, wo sie heute sind“, meint Ödegaard, dessen Vertrag bei Strömsgodset bis Dezember 2015 läuft. Den norwegischen Erstligisten wird er wohl um eine Ablösesumme zwischen vier und acht Millionen Euro verlassen dürfen.

Real ist wohl das nächste Ziel

Nun soll er kurz vor einer Unterschrift bei Real Madrid stehen. Der Youngster saß beim Copa-del-Rey-Hinspiel gegen Atletico auf der Tribüne, in den Tagen davor hatte er bei Ronaldo und Co. mittrainiert.

Am Rande der Wahl zum Weltfußballer zeigt sich der Portugiese beeindruckt vom Kurzzeit-Trainingsgast: „Er hat eine große Karriere vor sich und muss jetzt eine wichtige Entscheidung treffen, aber ich habe sofort großes Potenzial bei ihm erkannt.“

„Für sein Alter ist er unglaublich. Er weiß erstaunlich viel über Fußball und seine technische Fähigkeiten sind fantastisch“, sagt Norwegens 82-facher Internationaler Morten Gamst Pedersen über den Youngster, der in der Offensive nahezu jede Position bekleiden kann. „Ich habe noch nie einen Spieler mit so viel Potenzial gesehen.“

Sein ehemaliger Trainer Ronny Deila, mittlerweile bei Celtic unter Vertrag, bezeichnet ihn angesichts seiner Anlagen als einen „untypischen Norweger“. Schließlich waren die Skandinavier bisher vor allem für stämmige Hühnen, wie Tore Andre Flo oder John Carew, bekannt. Ödegaard passt nicht nur aufgrund seiner Größe (1,76 m) überhaupt nicht in dieses Schema. Trickreich, schnell und unberechenbar schwebt er über den Rasen. „Er ist ein besonderer Spieler. Seine Arbeitseinstellung ist großartig, er will sich immer weiterentwickeln“, meint Deila.

Talent gepaart mit Fleiß

Ödegaards Entwicklung zum jüngsten norwegischen Nationalspieler (15 Jahre, 253 Tage) aller Zeiten kommt nicht von ungefähr. Von früh auf wurde der Junge aus Drammen von seinem Vater gefördert. Hans Erik Ödegaard schnürte einst in über 300 Spielen für Strömsgodset und Sandefjord selbst die Fußballschuhe. Mittlerweile arbeitet er als Co-Trainer beim Tippeligaen-Aufsteiger Mjondalen.

Ödegaard Senior gilt als Verfechter moderner Trainingsmethoden. Davon profitiert nicht zuletzt sein eigener Sohn. Seit seinem siebenten Lebensjahr wird Martin von seinem Vater trainiert. Im Mittelpunkt stand dabei stets die Arbeit mit dem Ball. Dribblings, Technik und das Gespür für die freien Räume versuchte der alte Herr seinem Filius beizubringen. Offensichtlich mit Erfolg.

„Mein Vater hat niemals vom Gewinnen gesprochen. Das einzige, was für ihn zählte, war die kontinuierliche Entwicklung und Verbesserung meiner Fähigkeiten. Das Training sollte immer Spaß machen, ohne Stress und Angst“, erzählt Ödegaard begeistert von den Übungen, die er im Ausmaß von bis zu 20 Stunden pro Woche absolvierte.

Herausragendes Talent gepaart mit unbändigem Fleiß – das macht den jungen Norweger aus. Selbst heute noch arbeitet der Teenager vier bis sechs Stunden pro Woche alleine am Trainingsplatz.

Ein intelligenter Junge

Bei Interviews merkt man Ödegaard sein junges Alter kaum an. Der 16-Jährige beantwortet Fragen im Stile eines Erwachsenen: Noch etwas schüchtern, aber stets höflich, wortgewandt und selbstbewusst. Die Gefahr, aufgrund der zahlreichen Erfolge im jungen Alter abzuheben, scheint bei ihm nicht zu bestehen.

Laut der "Drammens Tidende", einer Zeitung aus Ödegaards Heimatstadt, erhält der 16-Jährige bei den "Königlichen" einen mit jährlich 2,25 Mio. Euro dotierten Dreijahres-Vertrag. Spätestens ab dem Sommer soll er seinen Platz in Reals Profi-Kader sicher haben. Sogar ein Trikot, nämlich das mit der Nummer 16, ist für den Norweger reserviert. Damit die Entscheidung leichter fällt, bot Real seinem Vater Hans-Erik einen Trainer-Job in der Nachwuchsabteilung an.

Nach dem Besuch in Madrid hält sich das Mega-Talent mittlerweile wieder in Norwegen auf. Ödegaard musste zurück zur Schule. Wo er in Zukunft seine Hausaufgaben macht, steht trotz aller Spekulationen noch immer nicht hundertprozentig fest.

Das Jahrhunderttalent steht vor dem wichtigsten Schritt in seiner Karriere. Er weiß, wie viel auf dem Spiel steht. Messi oder Adu? Ödegaard wird seinen eigenen Weg gehen.

 

Jakob Faber

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