Zeit des Erwachens?

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Die neue Indian Super League startet heute Sonntag in ihre erste Saison.

Zahlreiche Stars konnten nach Südasien gelockt werden, um dem "tiefschlafenden Riesen" unter die Arme zu greifen.

Doch was passiert in Indien genau? Wer steckt hinter der Liga? Und wie läuft sie ab?

LAOLA1 klärt auf:

Das Format

Die Regular Season, die von 12. Oktober bis 10. Dezember ausgetragen wird, umfasst 14 Runden, alle acht Teams spielen je zwei Mal gegeneinander. Die vier besten Mannschaften qualifizieren sich anschließend für die Playoffs. Die Halbfinale werden in Hin- und Rückspielen ausgetragen. Anschließend steigt am 20. Dezember das Finale, das in nur einem Spiel entschieden wird.

Die Spieler

Zahlreiche namhafte Kicker haben die lukrativen Angebote aus Indien angenommen. Darunter auch Alessandro del Piero, David Trezeguet, Nicolas Anelka und Fredrik Ljungberg. Marco Materazzi und David James agieren jeweils als Spielertrainer. Der prominenteste Coach ist der Brasilianer Zico. Insgesamt spielen 94 Legionäre bei den acht Teams. Das Durchschnittsalter der Fremdarbeiter beträgt 29,8 Jahre. Mit James (44), Materazzi (41) und Robert Pires (40) sind drei Spieler dabei, die ihren 40. Geburtstag bereits hinter sich haben. 71 weitere Spieler (Inder und Legionäre) sind 30 Jahre oder älter. Lediglich sechs Teenager sind Bestandteil der Mannschaften. Die Kader-Zusammenstellung ist streng reglementiert. In jedem Kader müssen sieben Legionäre stehen, davon mindestens einer mit Länderspielerfahrung. Zwei Legionäre konnten die Vereine selbst verpflichten, die weiteren wurden mittels Draftverfahren zugelost. Außerdem müssen 14 indische Kicker in jedem Kader stehen, mindestens vier davon aus der Stadt, in der der jeweilige Verein beheimatet ist. Kurioses Detail am Rande: Gleich drei verschiedene Stadien sind nach Jawaharlal Nehru, Indiens erstem Ministerpräsident, benannt.

Die Eigentümer

Ein illustrer Haufen hat sich die Franchise-Rechte an den acht Vereinen gesichert. Diese Rechte konnten nicht einfach erworben werden, sie wurden an die Höchstbietenden vergeben. Rund 30 Gebote sollen eingegangen sein. Von noch aktiven und ehemaligen Cricket-Stars über Bollywood-Sternchen bis hin zu namhaften Geschäftsleuten ist alles dabei. Auch europäische Fußballklubs mischen mit. Atletico de Kolkota gehört – wie der Name unschwer erahnen lässt – zum Teil Atletico Madrid. 15 Prozent des Pune City FC befinden sich indes in Besitz der AC Fiorentina. Der Chennaiyin FC kooperiert mit Inter Mailand, wenngleich die „Nerazzurri“ nicht als (Mit-)Eigentümer aufscheinen.

Der Hintergrund

Im Dezember 2010 hat der indische Fußball-Verband einen Vertrag mit Reliance Industries, Indiens größtes Privatunternehmen (Petrochemie und Textilien) und der IMG, einem US-amerikanischen Sportmarketing-Konzern, unterzeichnet. Der Kontrakt sicherte den beiden Konzernen für die kommenden 15 Jahre praktisch alle Rechte in Sachen Sponsoring, Werbung, Franchising und Medienpräsenz einer indischen Fußball-Liga zu. Der Verband erhielt im Gegenzug sieben Milliarden Rupien, rund 90 Millionen Euro. Die ambitionierten Pläne, eine neue Liga auf die Beine zu stellen, stellten sich zunächst jedoch als schwer umsetzbar heraus. Bereits 2012 sollte die erste Meisterschaft beginnen, Stars wie Fabio Cannavaro, Robbie Fowler und Hernan Crespo konnten für die Liga gewonnen werden, doch finanzielle Schwierigkeiten machten den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Auch der Start der nun beginnenden Saison war ursprünglich für den Jänner 2014 geplant, musste aber nach hinten verschoben werden. Mittlerweile konnten jedoch zahlreiche Sponsoren gewonnen werden. Zudem wird die Medienpräsenz eine in Indien noch nie dagewesene sein. TV-Verträge mit diversen Anstalten sorgen dafür, dass rund 85 Prozent der indischen Fernseh-Zuseher erreicht werden können. Fox Sports hat sich die Rechte für Australien gesichert.

Die Hoffnungen

Aktuell belegt Indien den 158. Platz der Weltrangliste. In der Asien-internen Wertung bedeutet das den 30. Rang. Kurzum, das 1,2-Milliarden-Einwohner-Land ist fußballerisch ein tiefschlafender Riese. Chuni Goswami, von 1962 bis 1966 Indiens Team-Kapitän, drückt es so aus: „Alles, was an zusätzlichem Geld in den indischen Fußball investiert wird, kann nur gut sein. Weil schlechter, als es jetzt ist, kann es sowieso nicht mehr werden.“ Der Kick mit dem runden Leder erfreut sich in Indien einer sehr geringen Beliebtheit. Cricket ist die Sportart Nummer eins, danach kommt sehr lange gar nichts. Die Indian Super League soll den Fußball nun als zweite große Sportart etablieren. Ein sehr hochgestecktes Ziel. Im Strategie-Papier zur Liga-Gründung steht, dass man Indien helfen wolle, sich „letztlich für die WM 2026 zu qualifizieren“.

Die Teams

 

Atlético de Kolkata

Trainer: Antonio Lopez Habas (Spanien)

Stars: Luis Garcia, Josemi (beide Spanien)

Eigentümer: Atletico Madrid, Sourav Ganguly (Ex-Cricket-Spieler), Harshavardhan Neotia, Sanjiv Goenka, Utsav Parekh (alle Geschäftsleute)

Stadion: Salt Lake Stadium (68.000)

 

Chennaiyin FC

Trainer: Marco Materazzi (Italien)

Stars: Marco Materazzi (Italien), Bernard Mendy, Mikael Silvestre (beide Frankreich), Elano (Brasilien)

Eigentümer: Mahendra Singh Dhoni (Cricket-Spieler), Abhishek Bachchan (Bollywood-Schauspieler)

Stadion: Jawaharlal Nehru Stadium (40.000)

 

Dehli Dynamos FC

Trainer: Harm van Veldhoven (Belgien)

Stars: Alessandro del Piero (Italien), Marek Cech (Tschechien), Morten Skoubo (Dänemark)

Eigentümer: DEN Networks (Kabel-TV-Anbieter)

Stadion: Jawaharlal Nehru Stadium (60.000)

 

FC Goa

Trainer: Zico (Brasilien)

Stars: Robert Pires (Frankreich), Andre Santos (Brasilien)

Eigentümer: Venugopal Dhoot, Shrinivas Dempo, Dattaraj Salgaocar (alle Geschäftsleute), Virat Kohli (Cricket-Spieler)

Stadion: Fatorda Stadium (24.500)

 

FC Pune City

Trainer: Franco Colomba (Italien)

Stars: David Trezeguet (Frankreich), Kostas Katsouranis (Griechenland)

Eigentümer: Hrithik Roshan (Schauspieler), AC Fiorentina

Stadion: Balewadi Stadium (22.000)


 

Kerala Blasters FC

Trainer: David James (England)

Stars: David James, Michael Chopra (beide England)

Eigentümer: Sachin Tendulkar (Ex-Cricket-Spieler), Prasad V Potluri (Geschäftsmann)

Stadion: Jawaharlal Nehru Stadium (75.000)

 

Mumbai City FC

Trainer: Peter Reid (England)

Stars: Nicolas Anelka (Frankreich), Fredrik Ljungberg (Schweden), Manuel Friedrich (Deutschland)

Eigentümer: Ranbir Kapoor (Schauspieler), Bimal Parekh (Geschäftsmann)

Stadion: DY Patil Stadium (55.000)

 

Northeast United FC

Trainer: Ricki Herbert (Neuseeland)

Stars: Joan Capdevila, Koke (beide Spanien), Alexandros Tzorvas (Griechenland)

Eigentümer: John Abraham (Bollywood-Schauspieler), Shillong Lajong FC

Stadion: Indira Gandhi Athletic Stadium (35.000)

 

Harald Prantl

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