"Doll erinnert mich an Stöger"

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Emir Dilaver: "Doll erinnert mich an Stöger"

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Emir Dilaver hat im Sommer 2014 einen Tapetenwechsel durchgemacht.

Budapest statt Wien, Ferencváros statt der Austria und damit letzlich auch Grün-Weiß statt Violett.

"Die Vereinsfarben sind nun eimal Grün-Weiß. Früher war ich Violett, das sind jetzt unsere Rivalen (Anm.: Újpest). Aber für mich geht es um den Verein", relativiert der 23-Jährige, der im LAOLA1-Interview jedoch zugeben muss, Teile seiner Garderobe nicht mehr verwenden zu können.

Der ehemalige ÖFB-Junioren-Nationalspieler fühlt sich bei Ungarns Rekordmeister pudelwohl und ist besonders glücklich darüber, dass er nun ausschließlich als Rechtsverteidiger zum Einsatz kommt.

"Das ständige Hin- und Herwechseln zwischen Positionen ist schon unangenehm." Wobei er seinem Ex-Verein keinerlei Vorwürfe macht: "Bei der Austria hat das sein müssen und als junger Spieler war ich für jede Einsatzminute dankbar."

Weiters spricht Dilaver über den Kult um Ferencváros, seinen Trainer Thomas Doll und die Talfahrt der Wiener Austria.

LAOLA1: Du musstest letztes Wochenende gegen Újpest verletzt raus. Wie geht es dir jetzt?

Emir Dilaver: Es geht mir wieder super. Ich bin mit jemandem zusammengestoßen und war kurz k.o., habe aber keine Kopfschmerzen mehr oder sonst irgendetwas. Der Trainer wollte kein Risiko eingehen und der Doktor wollte auch, dass ich ausgewechselt werde. Ich hätte natürlich gerne weitergespielt und war auch noch zehn Minuten am Platz. Aber ich war nicht voll fit. Mal schauen, was der Arzt für die nächsten Spiele sagt. Ich habe nach dem Zusammenstoß zwei Tage nicht trainiert, würde aber gerne wieder spielen.

LAOLA1: Hast du dein erstes großes Budapester Derby vor eigenem Publikum trotzdem genießen können (Anm.: Ferencváros gewann 2:0)?

Dilaver: Schon. Ich bin auch sehr gut in die Partie reingekommen, das hat der Trainer auch gesagt. Das Stadion war bummvoll. Eine unglaubliche Atmosphäre.

LAOLA1: Endlich war in eurem neuen Stadion (Anm.: Die Groupama Aréna wurde im August 2014 fertiggestellt) etwas los.

Dilaver: Die Zuschauerzahlen waren bisher deshalb geringer, weil die Fans teilweise streiken. Jeder einzelne Fan muss sich scannen lassen und einen Fingerabdruck abgegeben. Das wollen die nicht. Ich fand es schön, dass sie zahlreich gekommen sind, denn es war echt eine super Atmosphäre. Es ist unglaublich, wie viele Fans wir eigentlich haben. Das merkt man auch in Budapest. Ein Großteil der Ungarn ist Ferencváros-Fan.

LAOLA1: Das heißt, du hast den Kult um „Fradi“ schon erleben dürfen?

Dilaver: Jeder erkennt dich in der Stadt und du wirst unglaublich behandelt, wenn erkannt wird, dass du bei „Fradi“ spielst. Sensationell, wie die Leute hier für den Fußball leben. Ich war heute in der Stadt und es ist egal in welchem Geschäft, es erkennen dich so viele Leute, auch Frauen und Kinder.

LAOLA1: Ist es bisher nie zu unangenehm geworden?

Dilaver: Überhaupt nicht. Am lustigsten war es bisher, als ich einmal am Weg von Wien nach Budapest kurz nach der Grenze beim McDonald's am Schalter erkannt worden bin und mich dann die ganze Zeit habe fotografieren lassen müssen (lacht).

LAOLA1: Man kann also sagen, dass du dich bei Ferencváros wohl fühlst?

Dilaver: Ja, wirklich. Alles ist angenehm. Es ist genauso schön wie bei der Austria. Ich habe mich mit dem ganzen Stab und Mitarbeitern der Austria super verstanden und hier ist es genauso. Auch die Stadt gefällt mir. Ich kann viel mit meiner Familie unternehmen.

LAOLA1: Wie steht dir eigentlich Grün-Weiß?

Dilaver: Die Vereinsfarben sind nun eimal Grün-Weiß, aber das hat für mich nichts mit Rapid zu tun. Früher war ich Violett, das sind jetzt unsere Rivalen (Anm.: Újpest). Für mich geht es um den Verein. Bei der Austria bin ich aufgewachsen und jetzt spiele ich für Ferencváros. Ich gebe immer alles für meinen Verein. Über die Farben denke ich ehrlich gesagt nicht so viel nach.

LAOLA1: Das heißt, du musstest nicht deine gesamte Garderobe auswechseln?

Dilaver: Oh, ja. Ich bin einmal mit meinem violetten Austria-Koffer beim Training erschienen. Dann haben ein paar Leute gleich gesagt: ‚Nein, nein, mit dem brauchst du nicht wieder zu kommen‘ (lacht). Dann habe ich ihn halt zuhause gelassen.

LAOLA1: Du hast gerade erklärt, dass du bisher sehr zufrieden bist. Das liegt sicher auch an der sportlichen Situation. Ihr seid Zweiter in der Tabelle und du bist Stammspieler.

Dilaver: Sportlich bin ich sehr zufrieden. Ich spiele immer auf der rechten Seite. Es ist sehr angenehm für mich, dass ich durchgehend auf einer Position spiele. Bei der Austria war es so, dass ich auch einmal in der Mitte oder links hinten ausgeholfen habe. Mein Trainer, Thomas Doll, hat von Anfang gesagt, dass er mit mir für die rechte Seite plant. Er wollte mich auf der Position aufbauen und mir Selbstvertrauen geben. Mir ist es auch lieber so, wenn ich nur auf einer Position eingesetzt werde. Das ständige Hin- und Herwechseln ist schon unangenehm. Bei der Austria hat das sein müssen, da konnte ich als junger Spieler auch nichts sagen, denn man will ja unbedingt spielen. Ich war für jede Minute einfach nur dankbar.

LAOLA1: Du hast deinen Trainer, Thomas Doll, erwähnt. Wie arbeitet er?

Dilaver: Ich finde das Menschliche ist bei einem Trainer sehr wichtig. Er hat einen tollen Charakter und das strahlt auch auf die Spieler aus. Er erinnert mich in dieser Hinsicht ein bisschen an Peter Stöger. Ich merke, dass das ganze Trainerteam hinter mir steht und ich volle Rückendeckung genieße. Das ist wichtig für mich.

LAOLA1: Bei Ferencváros lassen sich einige bekannte Namen finden. Eben Doll, die ungarischen Routiniers Zoltán Gera und Tamás Hajnal. Oder auch Benny Lauth. Wie ist es, mit diesen arrivierten Spielern auf dem Feld zu stehen?

Dilaver: Es ist wie früher bei der Austria. Wir verstehen uns, in der Kabine ist es immer superlustig. Es gibt viele Legionäre, es wird immer Schmäh geführt. Alle haben viel Spaß am Fußball. Auch die Älteren die da sind, lassen sich überhaupt nicht gehen. Ein Zoltán Gera hat zum Beispiel zehn Jahre in der Premier League (Anm.: West Bromwich, Fulham) gespielt. Er ist ein richtiges Vorbild, er trainiert wie ein 20-Jähriger. Immer vollgas. Von solchen Leuten kann ich sehr viel lernen. Mit Benny Lauth verstehe ich mich auch sehr gut. Er ist älter als ich, aber sehr jung geblieben.

LAOLA1: Aber die Arbeitssprache ist Englisch?

Dilaver: Der Trainer erklärt etwas, in Anschluss wird auf Englisch übersetzt und dann versteht es meistens ohnehin jeder. Am Spielfeld sind es dann verschiedene Sprachen. Jeder kann ja ein bisschen was. Man lernt auch auf Ungarisch etwas dazu. So kann ich auch die ganzen Betreuer grüßen und fragen wie es ihnen geht, das ist für mich eine Sache des Respekts.

LAOLA1: Wie schaut es mit der Liga-Stärke im Vergleich zu Österreich aus?

Dilaver: In Ungarn sind mehr Vereine in der Liga. Die unteren hinken vom Niveau her schon hinterher. Aber alle, die weiter oben stehen, könnten auch in Österreich mitspielen. Vereine wie wir und Videoton haben sehr viel Qualität. Das sollte man nicht unterschätzen.

LAOLA1: Du meinst, das Niveau der österreichischen Liga profitiert davon, dass es weniger Vereine gibt? Hierzulande beschweren sich viele Fans darüber, dass viermal pro Saison gegeneinander gespielt wird.

Dilaver: Naja, wenn du viele Vereine aus der zweiten Liga nimmst und eine 18er- oder 16er-Liga machst, kannst du nur schwer die Qualität halten. Aber es ist schon wunderschön, wenn du nur zweimal gegen jeden Gegner spielst, wie in jeder großen Liga. Es macht Spaß, dass du immer etwas Neues erlebst. Ich finde das interessanter, sicher auch für die Fans.

LAOLA1: In Ungarn ist auffällig, dass zurzeit viele Stadien gebaut werden bzw. schon gebaut worden sind. Merkt man eine gewisse Aufbruchstimmung?

Dilaver: Extrem. Es sind schon vier, fünf Stadien neu gebaut worden. Das von der Puskás-Akademie ist sensationell, so etwas habe ich noch nie gesehen. Es ist unglaublich schön, es ist fast alles aus Holz. Von Innen sieht man die Holz-Bögen. Es ist klein, aber richtig fein. Und auch recht teuer, was ich gehört habe.

LAOLA1: Wobei gerade der Bau dieser Arena von vielen Leuten als politisch problematisch angesehen wird (Anm.: Arena für 4.500 Fans im 1.800-Seelen-Dorf Felcsút. Felcsút ist gleichzeitig Heimatort des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán).

Dilaver: Das habe ich auch gehört. Über das Politische kann ich nicht reden, das ist nicht meine Sache. Aber es ist wirklich wunderschön und es macht in solchen Stadien auch richtig Spaß.

LAOLA1: Wie intensiv verfolgst du die österreichische Bundesliga noch?

Dilaver: Ich verfolge sie schon jede Woche, vor allem die Austria. Ich schaue, was sich so tut. Ich bin ja auch noch mit Leuten in Kontakt, zum Beispiel mit Alex Gorgon.

LAOLA1: Hast du erwartet, dass es für deinen Ex-Verein so ein schweres Jahr wird?

Dilaver: Es hat sich viel getan, man hört auch viel. Keine Ahnung. Es ist so, dass man manchmal ein Hoch hat und dann ein Tief. Aber dass es so läuft, überrascht mich auch. Natürlich finde ich es schade. Für die Spieler, die Betreuer, die ganze Austria-Familie.

LAOLA1: Wie gut kennst du eigentlich Andi Ogris? Er war ja schon letztes Jahr bei den FAK-Amateuren.

Dilaver: Trainiert hat er mich nie, aber manchmal haben wir ein wenig gesprochen. Er ist ein super Kerl, eine super Person, eine Austria-Legende.

 

Das Gespräch führte Máté Esterházy

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