„Man fragt sich: ‚War das alles umsonst?‘“

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2011 verließ ein damals 22-jähriger Veli Kavlak seinen SK Rapid.

Zwei Jahre später steht der Mittelfeld-Akteur vor seiner dritten Saison als eine der treibenden Kräfte beim Istanbuler Traditionsverein Besiktas.

Und die Spielzeit 2013/14 könnte eine ganz besondere werden. Bereits vor dem ersten Pflichtspiel erschütterte eine von der UEFA ausgesprochene Europacup-Sperre die türkische Medienlandschaft.

Dazu müssen die „Schwarzen Adler“, die zum wiederholten Male mit einem neuen Trainer in die Saison starten, vorübergehend aus ihrem Inönü-Stadion ausziehen.

Nicht zuletzt erwarten ÖFB-Legionär Kavlak schon in wenigen Wochen mit dem Nationalteam die nächsten richtungsweisenden Spiele.

Grund genug für LAOLA1, sich mit dem Wiener während der Vorbereitung zu treffen und kurz nachzufragen.

 

LAOLA1: Du hast mit Besiktas in der letzten Süper-Lig-Saison den dritten Platz geholt.  Darf man dazu gratulieren, oder wie ist der einzuordnen?

Veli Kavlak: Ein dritter Platz wird bei uns nicht als Erfolg angesehen. Vor allem, wenn wir hinter den beiden anderen Istanbuler Klubs bleiben. Wir hatten letztes Jahr sehr große Probleme. In den Medien war ständig etwas los. Es sind vor jedem Spiel irgendwelche Geschichten aufgetaucht, die Unruhe in die Mannschaft gebracht haben. Das darf vor Spielen eigentlich nicht passieren. Trotz alledem haben wir bis zum Schluss gekämpft und uns den dritten Platz erarbeitet.

LAOLA1: Dennoch könnt ihr die Lorbeeren dieses dritten Platzes, sprich das internationale Geschäft, aufgrund der – mittlerweile zurückgezogenen – UEFA-Sperre womöglich nicht einfahren.

Kavlak: Die letzten vier Wochen der Meisterschaft waren sehr eng. Da hätten wir uns auch noch für die Champions League qualifizieren, aber auch ganz rausfliegen können. Das waren Momente, in denen der Druck extrem hoch war. Als wir uns dann für die Europa League qualifiziert haben, war die Erleichterung dementsprechend groß. Und dann erfährst du, womöglich nicht dabei sein zu dürfen. Da fragt man sich dann: "War das alles eigentlich umsonst?"

LAOLA1: Noch steht die endgültige Entscheidung aus. Bei der Auslosung wart ihr – ebenso wie Fenerbahce, der zweite betroffene Klub – dabei. Glaubst du, dass die Sanktionen aufgrund von Spielabsprachen im Jahr 2011 auf die Falschen abzielen?

Kavlak: Es sind neue Spieler dazugekommen, die nichts dafür können, was vor drei, vier Jahren passiert ist. Wir haben uns in den letzten Jahren sportlich qualifiziert. Jeder, der die drei großen Klubs der Türkei kennt, weiß, wie wichtig die internationalen Spiele sind. Da ist eine unglaubliche Atmosphäre im Stadion, das wird sehr hoch angesehen. Diese Spiele zu verpassen, wäre nicht gut und tut natürlich weh. Aber wir müssen nun nach vorne blicken. Wir haben einen neuen Trainer und müssen uns unter ihm für die Champions League qualifizieren.

LAOLA1: Der neue Mann auf der Bank ist ein bekannter, heißt Slaven Bilic und ist seines Zeichens Ex-Teamchef von Kroatien. Wie läuft es unter ihm? Welche Vorstellungen hat er?

Wechselt Emmanuel Adebayor nach Istanbul?

LAOLA1: In den letzten Jahren liefen bei den „Schwarzen Adlern“ Spieler wie Guti, Quaresma oder Simao auf. Derartige große Namen vermisst man nun ein wenig. Ist das ein Zeichen der Veränderung oder erwartet man doch noch einen Kracher?

Kavlak: Die Gespräche mit Emmanuel Adebayor sollen schon sehr weit sein. Ich weiß aber nicht, wer alles noch kommt. Das ist auch uninteressant. Wir haben eine gute Mannschaft mit einem super Trainer und können um den Titel mitspielen.

LAOLA1: Gut in die Saison zu starten, wird für dich heuer wohl extrem wichtig sein. Schließlich stehen schon im September die nächsten entscheidenden WM-Qualifikationsspiele mit dem Nationalteam an. Wie weit schwirrt das schon in deinem Kopf herum?

Kavlak: Das spielt schon eine große Rolle. Wir haben mit Österreich ein großes Ziel – das ist die WM. Bis jetzt haben wir einiges geleistet, aber das war erst der erste Schritt. Jetzt heißt es, die weiteren Schritte zu setzen, um uns diesen Traum zu erfüllen. Wir werden alles dafür geben.

LAOLA1: Weniger wegen des Nationalteams oder der Leistungen mit Besiktas, sondern wegen deiner Rapid-Vergangenheit ist dein Name in vielen heimischen Medien genannt worden. Hast du das mitbekommen?

Kavlak: In der Vorbereitungszeit wird eigentlich nur trainiert, da bekomme ich nicht allzu viel mit.

LAOLA1: Es ging um die Beantwortung der Frage, wo das Geld geblieben ist, das Rapid unter anderem mit deinem Verkauf lukriert hat. Wie siehst du deinen Ex-Klub aus der Ferne?

Kavlak: Der neue Trainer hat eine eigene Philosophie. Die wollen wir verinnerlichen. Bei den Besprechungen weiß jeder, was er zu tun hat. Er verlangt von jedem Spieler auf seiner Position das Nötigste. Hokus Pokus will er nicht. Und das versucht er uns beizubringen.

LAOLA1: In deiner bisherigen Zeit bei Besiktas konntest du dir des Vertrauens der Übungsleiter stets sicher sein, auch weil sie das Gespräch mit dir gesucht haben. Hat es ein solches bislang schon gegeben?

Kavlak: Ein persönliches Gespräch haben wir noch nicht gehabt. Nur ab und zu, beim Vorbeigehen, haben wir geredet. Er spricht ja auch Deutsch. Er hat mir nur gesagt, dass er mich auf der Sechs sieht und was er dort von mir verlangt.

LAOLA1: Du hast die Atmosphäre in den Stadien angesprochen. Ein interessanter Punkt, wenn man bedenkt, dass ihr in dieser Saison aufgrund des Umbaus nicht im Inönü spielen könnt.

Kavlak: Wir müssen halt in ein kleineres Stadion ausweichen. Sollte das Stadion auch noch so eng sein, wird dort eine unglaubliche Atmosphäre herrschen. Jeder, der unsere Fans kennt, weiß das. Wir sind gespannt, wie das wird. Die großen Derbys werden ohnehin in der großen Arena oder im Fenerbahce-Stadion ausgetragen. Das sind Spiele, von denen man träumt, und ich hoffe, dieses Jahr dort wieder erfolgreich zu sein.

Kavlak: Ich verfolge Rapid soweit es geht immer wieder. Das ist der Klub, der mich groß gemacht hat, dem ich alles zu verdanken habe. Mit einem Auge ist man immer dabei. Es sind noch viele Freunde von mir dort. Rapid wird immer der größte Klub in Österreich bleiben, da wird sich in den nächsten Jahren auch nichts daran ändern. Dass in der letzten Saison auch von den Fans vermehrt negative Stimmung gekommen ist, kann ich aber verstehen.

LAOLA1: Rapid hat dich groß gemacht, Besiktas vielleicht noch einen Schritt größer. Was folgt nun?

Kavlak: Als ich vor zwei Jahren hier her gekommen bin, hatte ich sehr große Konkurrenz. In den zwei Saisonen habe ich nun 85 Spiele für Besiktas gemacht und noch zwei weitere Jahre Vertrag. Ich gebe alles, will Stammspieler bleiben und dann einfach schauen, was sich ergibt. Für eine Top-Liga bin ich natürlich immer gesprächsbereit.

 

Das Gespräch führte Christian Eberle

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