Janko: "Ich bin im Sommer ablösefrei"

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Es ist Licht am Ende des Tunnels.

Nach zwei überaus enttäuschenden Saisonen bei Trabzonspor ist die Zeit für Marc Janko scheinbar gekommen. Gekommen, um den Verein im Sommer (endlich) zu verlassen und dieses Kapitel zu schließen. Seine beiden freien Tage konnte der 38-fache ÖFB-Teamstürmer (17 Tore) in Wien regelrecht genießen.

Denn nach drei Transferzeiten, in denen der türkische Süper-Lig-Klub das Heft in der Hand hatte, liegt es nun am 30-Jährigen selbst. „Im Sommer bin ich ablösefrei zu haben“, erklärt Janko, der beim Tabellen-Vierten noch einen Vertrag bis 2015 hat, im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Du warst gerade in Wien. Wegen Austria oder wegen Rapid?

Marc Janko: Wegen der Wiener Viktoria (lacht). Nein, ich bin der Freizeit wegen in Wien gewesen. Wir hatten zwei Tage frei und da habe ich die Gelegenheit genutzt, weil ich ohnehin ein paar private Dinge zu erledigen hatte. Ich genieße die Zeit hier immer sehr, nun geht es zurück und die Saison dauert dann bis 18. Mai, danach steht das Nationalteam auf dem Programm.

LAOLA1: Du genießt es, weil du dadurch Abstand zum tristen Alltag gewinnen kannst?

Janko: Absolut. Das ist auch für den Kopf wichtig, wenn man vertraute Gesichter wieder sieht. Ich komme unglaublich gerne nach Österreich, sei es nach Salzburg oder Wien. Das gibt mir immer wieder sehr viel Kraft und so lange das so ist, nehme ich diese Reisestrapazen auch in Kauf. Wenn es mehr Energie gibt, als es nimmt, dann ist das eine wertvolle Sache.

LAOLA1: Du hast bekanntlich keine einfache Zeit in Trabzon. Einmal heißt es, dass du gehen darfst, dann wieder anders. Wie sieht denn der Status quo aus?

Janko: Es war in der Vergangenheit einmal so und einmal so, dementsprechend war die Verwirrung ein bisschen groß. Nicht nur bei mir, sondern auch bei den Vereinen, die sich für mich interessiert haben. Jetzt haben wir aber eine Errungenschaft vorzuweisen, weil wir von der Vereinsseite schriftlich belegt haben, dass ich im Sommer ablösefrei sein werde. Das ist schon einmal ein wichtiger Schritt in den ganzen Verhandlungen und in der ganzen Situation an sich. Denn in den vergangenen Transferzeiten war es immer so, dass man die interessierten Vereine an den Klub verweisen musste. Dann wurde denen an einem Tag A gesagt und am anderen B. Das war für die natürlich auch nicht zielführend und die waren schnell wieder desinteressiert, weil keine klare Linie zu erkennen war. Jetzt haben wir das schwarz auf weiß, zu welchen Bedingungen ich zu haben sein werde. Das stimmt mich auch positiv, dass es im Sommer eine Veränderung geben wird.

LAOLA1: Das klingt nach einem Meilenstein.

Janko: (lacht) Es ist auf jeden Fall eine große Erleichterung für mich und ich hoffe, mich jetzt so verändern zu können, dass ich mich bei einem Klub wohlfühle, der mich wertschätzt und weiß, was er an mir hat. Darauf hoffe ich und dafür lege ich jetzt die eine oder andere Gebetsstunde ein.

LAOLA1: Das Kapitel Trabzon kann damit bald endgültig als beendet erklärt werden?

Janko: Ich muss sagen, ich bin in diesem Geschäft mittlerweile so vorsichtig geworden, dass ich schon sage, ich bin ablösefrei, aber ich habe auch noch ein Jahr Vertrag. Ich respektiere diesen auch. Wenn ich keinen Verein finde, dann werde ich wohl noch ein Jahr bleiben „müssen“. Natürlich bin ich vollauf bestrebt, einen neuen Verein zu finden. Die Anzeichen dafür schauen jetzt einmal sehr gut aus.

LAOLA1: Wie wählerisch kann man aber in so einer Situation sein?

Janko: Überhaupt nicht, das hat auch gar nichts mit wählerisch sein zu tun. Es geht um Angebot und Nachfrage. Ohne die ungarische Liga jetzt diffamieren zu wollen, aber wenn es nur von dort ein Angebot geben würde, dann muss ich mir das schon überlegen. Ich bin mir aber auch sicher nicht zu gut für etwas und offen für alles, aber unter allen Umständen wechsle ich eben nicht.

LAOLA1: Worauf hast du Lust? Was hat sich bisher schon aufgetan?

Janko: Ich hoffe, dass sich einiges auftun wird. Aktuell weiß ich von gar nichts, wir haben das besagte Schriftstück auch erst seit rund zwei Wochen in den Händen und deswegen fangen erst jetzt so richtig die Gespräche an. Auch jene Arbeit vom Management, das Ausschau hält sowie Kontakt zu möglichen Interessenten sucht, die für einen Spieler wie mich Verwendung haben und mich aufnehmen wollen. Ich hoffe, da wird etwas auf die Beine gestellt, eine für beide Seiten gute Lösung. Ich weiß aber auch, dass ich jetzt nicht in der Lage bin, mir einfach etwas aussuchen zu können. So realistisch muss ich aufgrund der Zeit bei Trabzon sein. Das war keine Werbung vom Feinsten, der Marktwert ist logischerweise gesunken. Glücklicherweise hat es das Nationalteam gegeben, wo ich immer wieder mal zeigen konnte, dass ich sehr wohl im Stande bin, auf internationalem Top-Niveau zu bestehen und erfolgreich sein zu können. Das war auch mental ganz wichtig sowie dafür, dass mein Marktwert nicht unter Null gegangen ist.

LAOLA1: Idealerweise gibt es bald wieder zwei Länderspiele. Wartest du die auch ab, weil du etwa in den letzten beiden Tore erzielt hast und sich dadurch vielleicht Besseres auftun könnte?

Janko: Prinzipiell ist jedes Länderspiel immer eine gute Möglichkeit, sich zu präsentieren, auf internationaler Ebene zu zeigen, was man kann. Ich habe das in der Vergangenheit dort und da ganz gut machen können. Ich kenne die Strategie jetzt noch nicht, aber ich denke nicht, dass wir so abgezockt agieren und alles auf die zwei Spiele setzen werden. Wenn theoretisch am Dienstag ein Verein kommt, bei dem alles passt, dann unterschreibe ich sehr gerne auch schon am Dienstag. Ich spiele auf keinen Fall auf Zeit, ich möchte Klarheit haben und die Ungewissheit beiseite schieben.

LAOLA1: Ist auch eine Rückkehr zu einem Top-Klub nach Österreich möglich?

Janko: Ich sage niemals nie, aber es ist eher unwahrscheinlich. Zumal der Kandidatenkreis kleiner ist und etwa Red Bull Salzburg, das für mich immer ein Thema gewesen ist, mittlerweile auf junge Spieler setzt. Das finde ich toll und freue mich auch für den Verein, dass er jetzt so viel Erfolg hat. Aber da bin ich aufgrund meines Alters mit bald 31 Jahren schon weg vom Radar, was auch verständlich und gut ist. So schließe ich eine Rückkehr zu Salzburg aus, obwohl die immer in meinem Gedankengut war, als ich wegging. Danach kommen in Österreich nicht viele Vereine in Frage. Ich möchte zudem im Ausland bleiben. Aber vielleicht kommt alles anders, als ich es mir denke.

 

Das Interview führte Bernhard Kastler

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